Wirtschaft

US-Wahlkampf Erdöl als Königsmacher

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(Foto: dpa)

Charttechnisch und saisonal deutet sich ein weiterer Anstieg des Ölpreises an. Käme es so, dürfte der Ölpreis zu einem großen Thema im US-Wahlkampf werden. Ein wenig weitergedacht könnten Republikaner auf den Gedanken kommen, den Iran-Konflikt auf welchem Wege auch immer anzuheizen, meint Robert Rethfeld.

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Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

Während die Preise an Deutschlands Tankstellen aktuell neue Allzeithochs erreichen, können sich die US-Amerikaner vergleichsweise entspannt der Zapfsäule nähern. Der Durchschnittspreis beträgt 3,58 US-Dollar pro Gallone. Bis zur „magischen Marke“ von 4 US-Dollar – 2008 und 2011 bereits erreicht – ist noch Luft (etwa 40 Cents; folgender Chart).

Nichtsdestotrotz wetzt die republikanische Partei bereits die Messer: Nach einem Bericht der New York Times wollen die Republikaner das Thema „steigender Ölpreis“ zum Wahlkampfthema machen. Sie wissen genau: Die saisonalen Muster sind recht verlässlich. Den US-Republikanern dürfte das folgende Verlaufsmuster bekannt sein.

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Der Ölpreis steigt üblicherweise im Frühjahr und Sommer. Das ist natürlich beste Wahlkampfzeit, die man zu nutzen gedenkt. Ein steigender Ölpreis würde der sich momentan verbessernden US-Verbraucherstimmung einen Dämpfer versetzen und Obama in die Enge treiben. Charttechnisch befindet sich der Ölpreis (Crude) an einer interessanten Stelle. Er „droht“ aus einer Konsolidierung in einen Aufwärtstrend überzugehen. Der Ausbruch aus dem nachfolgend eingezeichneten Dreieck (blau) dürfte eine solche Bewegung auslösen.

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Erdöl der Sorte Brent spielt den Vorreiter: Brent hat jüngst die Marke von 120 US-Dollar übertroffen. Die Maximalschätzungen der Banken für das Jahr 2012 sind damit erfüllt. Stiege der Ölpreis weiter, wären Banken und Fonds zum Nachkauf sowie zur Adjustierung ihrer Prognosen gezwungen. Die Frage, ob der Ölpreis im Vergleich zu den Aktienmärkten zu teuer ist, beantwortet der folgende Chart. Der stellt das Verhältnis der Entwicklung des Ölpreises im Vergleich zum amerikanischen Leitindex Dow Jones Index dar.

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Wie man erkennt, steht der Ölpreis seit dem Jahr 1998 im Begriff, sich von seiner außergewöhnlichen Schwäche zum Dow Jones Index zu erholen. Auf diesem Weg hat der Ölpreis gerade einmal die Durchschnittsratio (rot) erreicht. Würde die Ratio erneut auf das Niveau von 1980 ansteigen, so würde der Ölpreis - bei einem Dow Jones Index von 13.000 Punkten – das Niveau von 2.000 US-Dollar erreichen. Öl ist demnach nicht überteuert. Sollte der Ölpreis weiter steigen, so wäre die Frage zu stellen, ob sich eine solche Entwicklung positiv oder negativ auf die Aktienmärkte auswirken würde. Für die Beantwortung dieser Frage erscheint ein Blick zurück in die 70er und 80er Jahre notwendig. Auf dem folgenden Chart sind der Ölpreis und der Kursverlauf des S&P 500 von 1972 bis 1982 gemeinsam abgetragen.

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Als der Ölpreis Anfang 1974 - nach einem starken Anstieg - einen Hochpunkt erreichte (schwarzer Pfeil obiger Chart), geriet die US-Wirtschaft in eine Rezession. Der Ölpreis fiel in dieser Zeit nicht, sondern stagnierte auf einem - für damalige Verhältnisse - hohen Niveau zwischen 10 und 11 US-Dollar. Der Ölpreisanstieg beeinflusste den Aktienmarkt auf negative Art und Weise.

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Auch dem scharfen Anstieg der Jahre 1979/80 folgte eine Rezession. Die negative Reaktion der Aktienmärkte war zwar vorhanden, blieb aber moderater als 1973/74. Zwischen April und Dezember 1980 folgte eine kräftige Aufwärtsbewegung. In diesem Zeitraum fiel der Ölpreis von 40 auf 36 US-Dollar.

1990 löste der Anstieg des Ölpreises von 15 auf 40 US-Dollar eine Rezession und einen starken Einbruch an den Aktienmärkten aus. Als der Ölpreis im Oktober 1990 sein Hoch markierte, erreichten die Aktienmärkte ihren Tiefpunkt (nächster Chart).

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Betrachtet man die Langfristperspektive, so könnte der Ölpreis auf 170 US-Dollar steigen (siehe Pfeil folgender Chart), ohne dass er seinen Trendkanal nach oben verlassen würde.

Fazit: Charttechnisch und saisonal deutet sich ein weiterer Anstieg des Ölpreises an. Käme es so, dürfte der Ölpreis zu einem großen Thema im US-Wahlkampf mutieren. Ein wenig weitergedacht könnten republikanische Strippenzieher auf den Gedanken kommen, den Iran-Konflikt auf welchem Wege auch immer anzuheizen. Schon stiege der Ölpreis und Obama würde wackeln.

Auch die Aktienmärkte hätten – wie die Charts aus den 1970er Jahren zeigen – bei einem zu starken Anstieg des Ölpreises ein Problem. Nebenbei würde die Inflation ein Thema werden. Auch dies wäre keine angenehme Debatte für Obama und die Fed, die dann über eine Verkürzung der Nullzinspolitik nachdenken müsste. Es ist doch klar, dass die US-Republikaner die aktuelle „Erfolgsstory Barack Obama“ noch auszuhebeln versuchen. Und das mit (fast) allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Das Thema Öl könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. Neu wäre das nicht.

 

Quelle: n-tv.de