Wirtschaft

Geplatzte Nyse-Fusion wirkt nach Eurex stabilisiert Deutsche Börse

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Sondereffekte trüben die Bilanz der Deutschen Börse. So schlägt die gescheiterte Fusion mit der Nyse Euronext mit einem Millionenbetrag zu Buche. Experten sehen den Börsenbetreiber künftig vor allem organisch wachsen.

Der verhaltene Handel an den Finanzmärkten hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz der Deutschen Börse. Der Betriebsgewinn (Ebit) fiel im 1. Quartal um 19 Prozent auf 260 Mio. Euro, wie Deutschlands größter Börsenbetreiber mitteilte. Damit schnitt der Konzern etwas schlechter ab als von Analysten erwartet.

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Der Rückgang sei vor allem auf geringere Handelsvolumina im Aktien- und Derivategeschäft im Vergleich zu Anfang 2011 zurückzuführen, erklärte das Unternehmen. Damals gab es unter anderem wegen des Erdbebens in Japan extreme Schwankungen an den Märkten und viele Investoren schichteten ihre Portfolios um.

Die Umsatzerlöse der Börse blieben mit 552 Mio. Euro dagegen nahezu stabil (2011: 559 Mio. Euro) und lagen leicht über den Erwartungen der Analysten. Der Konzern profitierte dabei vor allem von der Übernahme der verbliebenen Beteiligung des Schweizer Konkurrenten Six an der Derivate-Börse Eurex. Dadurch können die Frankfurter die Eurex-Umsatzerlöse seit Jahresbeginn zu 100 Prozent statt zu 85 Prozent für sich verbuchen.

Nachwehen der geplatzten Nyse-Fusion

Für das Gesamtjahr bekräftigte der Konzern seine Prognose und geht weiter von einem Ebit von 1,2 Mrd. bis 1,35 Mrd. Euro aus. "Die Zahlen sind sicher nicht toll - aber auch nicht schwächer als erwartet", sagte Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research. Wie sich das Geschäft in den kommenden Monate entwickele, hänge vor allem von der Entwicklung der Staatsschuldenkrise und der Finanzmärkte ab - und diese könne derzeit niemand seriös voraussagen.

Im 1. Quartal musste die Börse noch Nachwehen der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse verarbeiten. Der Aufwand für die Vorbereitung des Zusammenschlusses, der Anfang Februar am Veto der EU-Wettbewerbshüter gescheitert war, schlug im ersten Quartal mit 16,6 Mio. Euro zu Buche - insgesamt hat die gescheiterte Börsen-Hochzeit das Unternehmen damit rund 100 Mio. Euro gekostet. Zudem drückten im ersten Quartal einmalige Kosten im Rahmen der Übernahme der Eurex-Beteiligung von Six auf die Bilanz.

Da diese zwei Sondereffekte in den nächsten Quartalen nicht mehr anfallen werden, sieht Analyst Muschick in den kommenden Quartalen gute Chancen für höhere Gewinn-Margen. "Zumindest auf der Kostenseite sieht es für die Deutsche Börse in den kommenden Quartalen besser aus." Im 1. Quartal blieb dem Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt unter dem Strich nur ein Überschuss von 146 Mio. Euro nach 214 Mio. Euro vor Jahresfrist.

Börsen-Chef Reto Francioni setzt nach der geplatzten Fusion notgedrungen wieder auf Wachstum aus eigener Kraft. Unter anderem will er das Geschäft mit Marktdaten ausbauen und bei der Abwicklung von Derivaten mitmischen, die derzeit außerbörslich (OTC) gehandelt werden. Die EU möchte einen Teil dieser Papiere ab 2013 auf regulierte Handelsplätze verlagern, um die Stabilität und Transparenz des Finanzsystems zu erhöhen.

Quelle: ntv.de, DJ/rts

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