Wirtschaft

Gewinnprognose wackelt Euro-Krise erfasst Siemens

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Wegen der Euro-Krise herrscht bei Siemens gähnende Leere in den Auftragsbüchern - die Gewinnprognose wackelt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Konjunkturflaute in Europa macht Siemens zu schaffen: Der Technologiekonzern kann den Umsatz zwar weiter steigern, doch in den Auftragsbüchern herrscht gähnende Leere – die Gewinnprognose steht auf der Kippe. Vor allem die Lichttochter Osram bekommt das Problem zu spüren.

Die beginnende Konjunkturkrise hat Siemens voll erfasst. Im abgelaufenen Quartal steigerte der Konzern seinen Umsatz binnen Jahresfrist zwar nochmals um ein Zehntel auf 19,5 Mrd. Euro. Der Auftragseingang brach allerdings um ein Viertel auf 17,8 Mrd. Euro ein, weit weniger als die Analysten erwartet hatten. Siemens-Chef Peter Löscher zweifelt daher daran, dass sein Haus wie geplant im fortgeführten Geschäft einen Jahresgewinn von 5,2 bis 5,4 Mrd. Euro einfahren kann.

"Wir merken einfach, dass insgesamt die Konjunkturparameter deutlich abschwächen. Auch die Weltkonjunktur schwächt ab und in Europa haben wir klare Anzeichen, dass speziell die südlichen Länder Europas auch in einer Rezession sind. Das heißt, das Umfeld für uns wird schwieriger und das spüren wir natürlich auch speziell bei den Auftragseingängen", erklärte Löscher bei n-tv.

Angesichts des verschlechterten Umfelds sei es schwieriger geworden, die Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen. Siemens hatte das Gewinnziel erst vor drei Monaten von 6,0 auf 5,2 Mrd. Euro gesenkt. Der Gewinn der Münchner legte in deren dritten Geschäftsquartal zwar um 70 Prozent auf 850 Mio. Euro zu, blieb aber weit hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Im Vorjahresquartal hatte Siemens trotz einer Belastung von 1,1 Mrd. Euro durch den Ausstieg aus der Atomkraft-Partnerschaft mit Areva und in der Medizintechnik noch 501 Mio. Euro Gewinn gemacht.

Nun lahmt vor allem das Geschäft mit Fabrikausrüstung. Der Gewinn des konjunkturanfälligen Industrie-Segments des Konzerns knickte in den Monaten April bis Juni um ein Viertel auf 523 Mio. Euro ein. Die Marge der Sparte ging bei stagnierendem Umsatz um fast vier Punkte auf 10,2 Prozent zurück. Im Energiesektor hat Siemens mit schlechten Geschäften mit Wind- und Solaranlagen zu kämpfen. Der Gewinn der Abteilung Erneuerbare Energie knickte um die Hälfte auf 36 Mio. Euro ein, das Solarsegment weitete seinen Verlust aus. Der "grüne Infrastrukturriese" verdient weiter am besten mit Gaskraftwerken und Ausrüstung zur Stromgewinnung aus fossilen Quellen.

Siemens bläst Osram-Börsengang ab

Angesichts des unwirtlichen Börsenumfelds begrub Siemens seine Börsen-Pläne für die Tochter Osram endgültig. Löscher will nun die Mehrheit der Aktien des Leuchtmittelherstellers an die Siemens-Aktionäre verschenken. Ursprünglich war dies bereits im vergangenen Jahr geplant.

Der Stop der ursprünglichen Börsen-Pläne schlägt Siemens ins Kontor: Aus bilanziellen Gründen muss Siemens die Abschreibungen seiner Osram-Tochter der letzten sechs Quartale über 443 Mio. Euro im Zwischenabschluss nachholen, was den Gewinn deutlich schmälerte. Wegen der Abschreibungen war Osram im abgelaufenen Quartal in die roten Zahlen gerutscht.

Quelle: ntv.de, dpa/rts