Wirtschaft

Trichet sieht Berlin in Verantwortung "Euro-Polizist" Deutschland

Die Euro-Zone steckt in einer existenzbedrohenden Krise. Bei deren Lösung kommt Deutschland als grö0ter Volkswirtschaft in der EU laut EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine Schlüsselrolle zu - als Überwacher.

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Deutschland soll laut EZB-Chef Trichet bei der Bewältigung der Schuldenkrise in der Euro-Zone in eine Art Polizistenrolle schlüpfen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Deutschland soll nach Einschätzung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mit seiner Vorbildrolle Europa aus der Krise führen. Die Regierung in Berlin stehe als eine Art Euro-Polizei in der Pflicht und müsse anderen Mitgliedstaaten der Euro-Zone auf die Finger schauen.

"Deutschland ist die größte Volkswirtschaft im Euro-Raum und ein Land mit der Tradition gesunder Staatsfinanzen", sagte Trichet dem "Handelsblatt". "Ich zähle auf die aktive Rolle aller Länder, inklusive Deutschlands, die Funktion der Überwachung einzuführen."

Vorreiter mit 6 Prozent Defizit?

Deutschland wird 2010 nach Schätzungen der EU-Kommission mit einem Defizit von 5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung die im Stabilitätspakt aufgelegte Latte von 3 Prozent klar reißen. Doch die zuletzt an den Märkten in Bedrängnis geratenen Schuldenländer wie Griechenland, Portugal und Spanien kämpfen mit vergleichsweise gigantischen Haushaltslöchern: Athen wird laut EU-Prognose 2010 trotz großer Sparanstrengungen ein Minus von 9,3 Prozent melden. Tiefrot werden wohl auch die Defizite aus Lissabon (8,5 Prozent) und Madrid (9,8 Prozent).

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Zudem hatte die Bundesregierung die geplanten Steuersenkungen jüngst aufgeschoben und damit ein Signal gesetzt, künftig sparen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel zufolge wird die Haushaltskonsolidierung Vorrang haben. Die Steuerschätzung hatte für die öffentliche Hand bis 2013 insgesamt 39 Milliarden Euro weniger Einnahmen ergeben als bislang angenommen.

Inflation kein Thema

Trichet trat indes gleichzeitig der Sorge entgegen, durch den Ankauf von Staatsanleihen beschwöre die EZB neue Inflationsgefahren herauf. "Wir ändern unseren geldpolitischen Kurs nicht. Es wird keine quantitative Lockerung geben", sagte Trichet.

Die EZB werde die Liquidität, die sie in den Markt gebe, hauptsächlich durch die Ausschreibung verzinslicher Termineinlagen wieder abziehen. "Was zählt, ist unsere Entschlossenheit und die Tatsache, dass wir unserem Ziel treu bleiben, Preisstabilität zu gewährleisten", erklärte Trichet. "Der EZB-Rat wird Inflation nicht tolerieren."

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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