Wirtschaft

IWF und Weltbank tagen Europa schießt auch gegen USA

Schwere Geschütze sind in den vergangenen Tagen aufgefahren worden; das Wort Währungskrieg machte die Runde. Es gibt auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank also reichlich Diskussionsstoff. Im Mittelpunkt steht die chinesische Währungspolitik. Aber auch die USA bekommen ihr Fett weg: Die Europäer finden, dass der Dollar unterbewertet ist.

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Im Währungsstreit wird die verbale Keule geschwungen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Im hitziger werdenden Währungsstreit um Handelsvorteile auf dem Weltmarkt nimmt Europa nun nach China auch die Vereinigten Staaten ins Visier. Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, bezeichnete den Dollar zum Beginn der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington als unterbewertet.

Juncker stellte infrage, dass die aktuelle Euro-Stärke von knapp 1,40 Dollar gerechtfertigt ist. "Ich glaube, der Dollar steht nicht in Einklang mit den zugrundeliegenden Fundamentaldaten", sagte er. Die Äußerungen Junckers setzten den Euro unter Druck.

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard warnte unterdessen vor Nervosität wegen der Euro-Stärke. Der Kursanstieg zum Dollar sei nicht besorgniserregend, sagte er im französischen Fernsehen. Er rechne nicht mit einer weiteren Aufwertung, sondern erwarte, dass sich das Kursverhältnis von Euro und Dollar wieder auf dem Niveau vor der Euro-Schuldenkrise im Frühjahr einpendeln werde. "Nichts hier ist besorgniserregend."

Mehr Kooperation angemahnt

Zum Auftakt der IWF-Jahrestagung waren Rufe nach einer besseren internationalen Zusammenarbeit zur Abwendung eines Währungskriegs laut geworden. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn nannte es zwar nachvollziehbar, dass einzelne Länder angesichts von Wechselkursnachteilen Kapitalimporte begrenzen wollten. Dies könne aber nur eine Zwischenlösung sein. "Was wir brauchen, ist mehr Kooperation in der Währungspolitik". National könne dieses Problem nicht gelöst werden. US-Finanzminister Timothy Geithner forderte eine stärkere Rolle des IWF bei der Überwachung der Devisenpolitik, um künftige Krisen zu vermeiden.

Strauss-Kahn wiederholte seinen Vorschlag für eine "Art von systemischer Stabilitäts-Initiative" nicht. Damit ist dem Vernehmen nach ein internationaler Prozess gemeint, um die Gefahr eines Abwertungsrennens zu verringern. Dazu sollten die USA, führende europäische Staaten, China und andere für das Finanzsystem wichtige Schwellenländer in einem neuen Gremium zusammenkommen. Bei den Konsultationen sollen offenbar Länder mit großen Handelsüberschüssen wie China überzeugt werden, ihr Wachstum stärker auf die Binnenwirtschaft statt auf den Export zu konzentrieren.

Reform des Währungssystems

China wird von den USA und Europa seit längerem vorgeworfen, den Wechselkurs der Landeswährung Yuan künstlich niedrig zu halten und sich damit Außenhandelsvorteile zu verschaffen. Hinzu kommt, dass Japan kürzlich erstmals seit Jahren am Devisenmarkt interveniert hatte, um den Höhenflug des Yens zu stoppen. Auch mehrere Schwellenländer wie beispielsweise Brasilien griffen in jüngster Zeit zu Maßnahmen zur Abwertung der Landeswährung, um damit die eigene Wirtschaft zu stützen.

Unterdessen will die Regierung in Peking den lauter werdenden Rufen vieler Länder nach einer Aufwertung seiner Währung zumindest nicht abrupt folgen. Chinas Notenbankchef Xiaochuan Zhou sagte: "Ich denke, der Unterschied für China ist, dass wir das als eine Frage des schrittweisen Vorgehens sehen, weniger in der Art einer Schock-Therapie". Eine solche Schock-Therapie würde für China große Gefahren mit sich bringen. Im Übrigen habe China schon vor längerem Änderungen seines Wechselkurssystems eingeleitet.

Frankreich will sich im Rahmen seiner bevorstehenden G20-Präsidentschaft 2011 für eine Reform des Währungssystems einsetzen. Ziel sei es, die Abstimmung in der Geldpolitik zu verbessern und Kapitalflüsse einzudämmen, die zu Turbulenzen an den Märkten führten, sagte Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde.

Auch Japan forderte eine bessere Abstimmung. Ein Wettbewerb um niedrigere Wechselkurse nutze lediglich den Spekulanten an den Finanzmärkten, sagte der stellvertretende Finanzminister Fumihiko Igarashi.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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