Wirtschaft

Anhaltende EZB-Niedrigzinspolitik Experten warnen vor Immobilienpreisblase

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Die derzeit niedrigen Zinsen machen den Immobilienkauf besonders attraktiv.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der EZB-Politik des billigen Geldes schnellen die Haus- und Wohnungspreise unaufhaltsam in die Höhe. Wirtschaftsexperten befürchten auf lange Sicht eine schwere Rezession und fordern deshalb nun eine äußerst restriktive Haushaltspolitik.

Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) birgt nach einem Gutachten im Auftrag des Bundesfinanzministeriums erhebliche Gefahren für die Wirtschaftsentwicklung und die öffentlichen Haushalte in Deutschland.

Mittelfristig könne es unter anderem zu einer exzessiven Kreditvergabe, einer Fehlleitung von Kapital, einer Preisblase am Immobilienmarkt, der Entstehung von "Zombie-Banken", unverhältnismäßig hohen Lohnanstiegen und damit zu einem Fehlurteil über die Wirtschaftskraft insgesamt kommen, heißt es in der Expertise des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), aus der die "Süddeutsche Zeitung" zitiert.

Werde hier nicht gegengesteuert, sei auf mittlere Sicht eine "schwere Rezession" mit entsprechend fatalen Folgen für den Staatsetat nicht auszuschließen. Als Reaktion schlagen die Forscher unter anderem eine höhere Besteuerung von Häusern sowie die Privatisierung sanierungsbedürftiger Straßen und Brücken vor.

Kampf gegen "Flucht in die Sachwerte"

In Eigentümergemeinschaften stellt sich oft die Frage: Wer zahlt wann für welche Arbeiten? Antworten finden sich unter anderem in der Teilungserklärung. Foto: Andrea Warnecke

Die Zahl der Baugenehmigungen stieg zwischen 2009 und 2014 um 50 Prozent.

(Foto: dpa-tmn)

Derzeit werden Immobilien in Deutschland auf Basis sogenannter Einheitswerte besteuert, die mit den tatsächlichen Verkehrswerten der Immobilien wenig zu tun haben. Betrachtet man den Hauspreis-Index EPX, haben sich die Preise für Häuser und Wohnungen zwischen 2009 und 2014 in der Tat um mehr als 20 Prozent erhöht, in begehrten Lagen schossen sie noch viel stärker nach oben. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg wegen der niedrigen Hypothekenzinsen und der Suche vieler Investoren nach einer vermeintlich sicheren Geldanlage im selben Zeitraum sogar um 50 Prozent.

Einer solchen "Flucht in die Sachwerte" sollte die Politik aus Sicht der Kieler Forscher durch eine regelmäßige Anpassung der Einheitswerte an die Preisentwicklung entgegenwirken - sprich: durch eine Steuererhöhung. Allerdings räumen die Experten durchaus ein, dass die laufende Ermittlung aller Verkehrswerte nicht nur sehr aufwendig wäre, sondern auch viele Alteigentümer stark belasten würde. Eine Wiederbelebung der Eigenheimzulage, wie sie unter anderem CSU-Politiker immer wieder einmal ins Spiel bringen, lehnt das IfW hingegen kategorisch ab.

Sanierung der Infrastruktur durch Privatinvestoren

Weitere Schritte zur Vermeidung eines konjunkturellen Einbruchs könnten aus Sicht der Experten eine äußerst restriktive Haushaltspolitik sowie eine "verstärkte Nutzerfinanzierung der Infrastrukturbereitstellung insbesondere im Verkehrsbereich" sein.

Dahinter steckt die Idee, den Bau und die Reparatur von Autobahnen, Straßen und Brücken in größerem Umfang an Privatinvestoren zu übertragen, die sich ihre Aufwendungen dann über eine Maut von den Autofahrern zurückholen könnten - und damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Einerseits würde der massive Investitionsstau bei der Straßensanierung beseitigt und der Verfall der Infrastruktur gebremst. Andererseits erhielten Groß- und Kleinsparer die Möglichkeit, ihr Geld "in langfristig potenzialwirksame Verwendungen" zu investieren, sprich: es wachstumsfördernd anzulegen, statt es für überteuerte Wohnungen auszugeben.

Quelle: n-tv.de, cri