Wirtschaft

Bei Devisenkursen getrickst? Finanzbehörden prüfen Großbanken

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Ob Händler betrogen haben, wird derzeit errmittelt.

(Foto: REUTERS)

Dagegen könnte sogar der Skandal um gefälschte Referenzkurse verblassen: Mehrere Großbanken haben möglicherweise Währungskurse manipuliert. Weltweit ermittelt die Finanzaufsicht. Die Deutsche Bank leitet umfangreiche interne Untersuchungen ein.

Mehrere internationale Großbanken haben möglicherweise massiv Währungskurse manipuliert. Finanzbehörden in Europa, den USA und Asien gingen einem entsprechenden Verdacht nach, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Die Banken hätten unter Umständen Geschäfte mit fremden Währungen in der Absicht getätigt, den Kurs zu einer bestimmten Uhrzeit zu beeinflussen und so mittels Kurswetten Gewinne einzustreichen. Neben dieser mutmaßlichen Kursmanipulation steht auch der Verdacht der illegalen Absprache unter den Banken im Raum.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,10

Im Zentrum der Ermittlungen stehen elektronische Nachrichten von Händlern. Die Aufseher durchforsten Tausende dieser kurzen Botschaften, um der Frage nachzugehen, ob diese sich unerlaubt über die Kurse ausgetauscht haben. Auf diese Weise waren die Behörden schon den Manipulationen des Libor- und Euribor-Interbankenzinssatzes auf die Spur gekommen.

Erhärte sich der Verdacht, könne der Skandal größere Ausmaße annehmen als der Libor-Skandal, bei dem Banken die Referenzzinsen manipuliert haben sollen, hieß es. Anhaltspunkte für einen solchen Verdacht hatten sich bereits im Oktober ergeben, als die Schweizer Finanzaufsicht mitgeteilt hatte, gegen mehrere Schweizer Institute zu ermitteln. Allerdings war die Dimension unklar geblieben. Täglich werden auf den weltweiten Devisenmärkten rund 5,3 Billionen Dollar umgeschlagen. Von den Manipulationen geschädigt wäre letztlich jeder, der Währungen umtauscht - vom Großkonzern bis hin zum Privatkunden.

Deutsche Bank sperrt Chatrooms

Einer der größten Akteure auf diesem weltweiten Markt ist die Deutsche Bank. Sie hält mit rund 15 Prozent den größten Marktanteil im globalen Devisenhandel, ähnlich groß im Geschäft ist nur noch die US-amerikanische Citigroup. "Wir haben bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass Händler einer deutschen Bank in Manipulationen involviert waren", sagte der Chef der deutschen Bankenaufsicht Bafin, Raimund Röseler, der "Süddeutschen Zeitung". Die Untersuchungen seien aber noch nicht beendet.

Die Deutsche Bank hat nach Informationen der Zeitung umfangreiche interne Ermittlung aufgenommen. Sie hat dem Zeitungsbericht zufolge ihren Devisenhändlern als Vorsichtsmaßnahme schon vor dem Beginn der Ermittlungen die Nutzung interner Chatrooms verboten.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte dem Blatt: "Sollten sich die ersten Vermutungen bestätigen", könne es nötig werden, die Regeln für den Devisenmarkt zu ändern.

Quelle: n-tv.de, jga/dpa/rts

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