Wirtschaft
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Mittwoch, 22. Februar 2012

Herabstufung wegen Schuldenschnitt: Fitch erwartet Athen-Pleite

Trotz des zweiten Rettungspakets für Griechenlands stellt sich die Ratingagentur Fitch auf eine Pleite ein und senkt die Kreditwürdigkeit auf die letzte Stufe vor einem tatsächlichen Zahlungsaufall. Grund dafür ist der Schuldenverzicht privater Gläubiger, der die Lage des Landes eigentlich entspannen soll. Die Bonitätswächter sehen darin jedoch einen Zahlungsausfall.

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf die schlechteste Note vor einem Kreditausfall gesenkt. Die Kreditwürdigkeit werde um zwei Noten auf "C" gesenkt. Bisher war Griechenland mit "CCC" bewertet worden.

Hintergrund der Herabstufung ist der anvisierte Forderungsverzicht privater Gläubiger bei der Umschuldung Griechenlands. Geplant ist, dass die Investoren auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten sollen, bislang freiwillig. Für die verbleibenden Forderungen sollen die Gläubiger neue Anleihen mit längerer Laufzeit und geringerem Zins erhalten. Allerdings bereitet Athen ein Gesetz vor, mit dem Anleger auch gegen ihren Willen zum Anleihetausch gezwungen werden können. Dieses Gesetz soll dann ins Spiel kommen, wenn sich weniger Investoren zum Forderungsverzicht bereit erklären als benötigt.

Fitch kündigte an, den Anleihentausch als "teilweisen Kreditausfall" zu werten. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es bald dazu kommen werde. Nach dem Tausch würden die neuen Anleihen wieder neu bewertet.

Bislang ist unabsehbar, ob ein solches Urteil die ohnehin nervösen Finanzmärkte erneut erschüttern würde. Mit einem "Kreditausfall" würden zudem Kreditausfallversicherungen (CDS) in unbekannter Höhe fällig, was die europäische Politik aus Sorge vor Turbulenzen und Kettenreaktionen unbedingt vermeiden wollte.

Ackermann glaubt an Beteiligung

Die Teilnahme an dem mit den Gläubigern vereinbarten Schuldenschnitt ist freiwillig. Im Rahmen eines Anleihe-Tauschs sind private Gläubiger wie Banken und institutionelle Anleger bereit, auf 53,5 Prozent des Nominalwerts ihrer Staatsanleihen zu verzichten.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der zugleich auch Präsident des Weltbankenverbands IIF ist, rechnet mit einer "substanziellen" Beteiligung des Finanzsektors an dem Schuldenschnitt. Ackermann betonte dabei, dass die Vereinbarung freiwillig sei.

Quelle: n-tv.de