Wirtschaft

Deutsche Börse verkleinert Vorstand Francioni macht's nochmal

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Mancher Beobachter hörte nach der gescheiterten Nyse-Fusion schon die Abschiedsglocken für Francioni klingeln - daraus wird nun nichts.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Börse steht zu Reto Francioni: Trotz der Schlappe bei der Fusion mit der Nyse verlängert der Börsenbetreiber den Vertrag mit dem Chef des Marktplatzbetreibers. Bei den übrigen Vorstandsposten kommt jedoch Bewegung auf.

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Reto Francioni bleibt trotz der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse weitere vier Jahre Vorstandschef der Deutschen Börse. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des 57-jährigen Schweizers vorzeitig bis Ende Oktober 2016. "Reto Francioni und sein Team haben in den zurückliegenden, nicht immer einfachen Jahren und in einem teilweise bewegten Umfeld die Börse überzeugend geführt", sagte Aufsichtsratschef Joachim Faber.

Die Mega-Fusion, die Francioni eingefädelt hatte, war im Februar am Veto der EU-Kommission gescheitert. Der Börsen-Chef war im Anschluss in die Kritik geraten - Fondsmanager Henning Gebhardt von der Deutsche-Bank -Tochter DWS und einige Arbeitnehmervertreter forderten einen personellen Neuanfang. Francioni wies die Forderungen jedoch zurück - und die Kritik verstummte genauso schnell, wie sie aufgenommen war.

Letzte Runde

An Francioni scheiden sich seit langem die Geister. Kritiker werfen ihm Amtsmüdigkeit und mangelhafte Kommunikation vor, seine Mitstreiter loben seine Analysen und seinen Weitblick. "Der unterschätzte Stratege", nannte ihn kürzlich das "Handelsblatt". Am Ende seines Vertrages wird Francioni 61 Jahre alt sein und damit ein Jahr älter, als es der Kodex für gute Unternehmensführung für Vorstandschefs empfiehlt. Sein Alter war auch der Grund, warum die Deutsche Börse Francionis 2013 auslaufenden Vertrag nur um drei Jahre verlängert hat und nicht um die normale Amtszeit von fünf Jahren. Francioni steht seit November 2005 an der Spitze der Deutschen Börse.

Francioni setzt nach der geplatzten Fusion mit der Nyse notgedrungen wieder auf Wachstum auf eigener Kraft. Große Hoffnung machen dem Schweizer der Handel und die Abwicklung von Derivaten. Die EU will Teile des Derivate-Handels ab 2013 auf regulierte Handelsplattformen verlagern und dadurch die Sicherheit und Transparenz des weltweit 700 Billionen Dollar schweren Derivate-Marktes erhöhen. Die "Umsetzung der weiterentwickelten Strategie" sei Francionis wichtigste Aufgabe, sagte der ehemalige Allianz -Vorstand Faber, der den Aufsichtsrat der Börse seit Mai leitet.

Aus sechs mach fünf

Neben dem neuen Vertrag für Francioni gab der Aufsichtsrat auch zwei weitere Personalien bekannt. Kassamarktvorstand Frank Gerstenschläger habe "sich nach zwei verdienstvollen Jahrzehnten im Dienst der Deutsche Börse entschieden, anderen Interessen mehr Zeit widmen zu wollen", sagte Faber. Der Vertrag des 52-Jährige laufe deshab auf Wunsch von Gerstenschläger Ende März 2013 aus.

Nach dem Ausscheiden Gestenschlägers soll das Kassamarkt- und Derivategeschäft künftig vom stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Andreas Preuß geleitet werden. Die Zahl der Vorstände sinkt damit von sechs auf fünf Mitglieder. "Mit der heutigen Entscheidung, die beiden Marktbereiche Kassamarkt und Derivategeschäft in einem Vorstandsressort zu führen, haben wir einen weiteren Schritt zur Steigerung der Effektivität der Gruppe Deutsche Börse getan", sagte Faber.

Als erste Frau in der Geschichte der Deutschen Börse zieht Hauke Stars in den Vorstands des Unternehmens ein. Die 45-Jährige, die derzeit für den PC-Riesen Hewlett-Packard arbeitet, wird unter anderem die Bereiche Marktdaten und IT verantworten. Sie tritt die Nachfolge von Michael Kuhn an. Der 58-Jährige, dessen Vertrag Ende 2012 ausläuft, hatte bereits Anfang des Jahres seinen Rückzug angekündigt.

Quelle: ntv.de, nne/rts