Wirtschaft

Trans-Adria-Pipeline erhält Zuschlag Gaskonsortium lässt Nabucco abblitzen

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An der österreichischen Station Baumgarten sollte das Gas der Nabucco-Pipeline ankommen.

(Foto: REUTERS)

Der Poker um den Transport von Gas aus Aserbaidschan ist entschieden. Großer Verlierer ist ein milliardenschweres Pipeline-Projekt, an dem der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV beteiligt ist. RWE war aus dem nicht unumstrittenen Vorhaben bereits ausgestiegen.

Das Pipeline-Projekt Nabucco steht vor dem Aus. Über die Leitung wird kein Gas vom aserbaidschanischen Gaskonsortium Shah Deniz II transportiert. Das Projekt habe nicht den Zuschlag erhalten, teilte der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV mit. Nabucco sollte von der türkisch-bulgarischen Grenze über Wien nach Europa liefern und so die Abhängigkeit von russischem Gas verringern. Die Lieferung aus dem aserbaidschanischen Vorkommen war zentral für die Wirtschaftlichkeit von Nabucco.

Nun soll das Erdgas vom Shah-Deniz II-Konsortium unter der Führung von BP durch die Trans-Adria-Pipeline (TAP) nach Westeuropa geliefert werden, wie die konservative Athener Zeitung "Kathinerini" online berichtete. Dem sei ein Treffen des griechischen Regierungschefs Antonis Samaras mit Vertretern des Konsortiums vorausgegangen. TAP wollte sich nicht äußern. Die Route der Pipeline soll von der Türkei kommend durch Griechenland und Albanien nach Italien verlaufen.

Eine endgültige Entscheidung soll am Freitag oder am Wochenende in Baku bekanntgegeben werden. Das TAP-Konsortium besteht aus Eon Ruhrgas (15 Prozent), dem norwegischen Statoil und dem schweizerischen EGL (jeweils 42,5 Prozent).

OMV schließt Bau eigener Pipeline nicht aus

Russischen Medien zufolge hatten sich am Vortag Vertreter des Gaskonsortiums in Budapest mit Vertretern von TAP und Nabucco getroffen. Dabei seien dem TAP-Direktor Kjetil Tungland und dem Geschäftsführer der Nabucco-Pipeline Reinhard Mitschek die Entscheidung Aserbaidschans mitgeteilt worden.

OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss nahm das Votum des Konsortiums "mit Bedauern zur Kenntnis". OMV, die Nabucco West federführend mitplante, will nun im Schwarzen Meer selbst nach Gas suchen. Daher schloss Roiss den Bau einer eigenen Pipeline am Balkan nicht aus.

In dem Gasfeld Shah Deniz II unter dem Kaspischen Meer sind riesige Erdgasvorkommen entdeckt worden. Gefördert werden könnten Schätzungen zufolge jährlich bis zu 20 Milliarden Kubikmeter.

Auch die EU hatte sich anfänglich für Nabucco eingesetzt - dann aber erklärt, sie habe keine besondere Präferenz für eine der beiden Röhren. RWE hatte sich zu Beginn des Jahres aus dem Nabucco-Projekt zurückgezogen seine Beteiligung in Höhe von 17 Prozent an OMV verkauft. Als Berater hatte der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) für das Pipeline-Vorhaben gearbeitet.

Erst Ende Mai vereinbarte OMV wiederum die Veräußerung von rund neun Prozent der Anteile an den französischen Energiekonzern GDF Suez. An dem Projekt waren zuletzt außerdem noch die Länder Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei beteiligt.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/DJ

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