Wirtschaft

South Stream oder Nabucco? Gazprom buhlt um RWE

Mit dem Nabucco-Projekt will sich Europa unabhängiger von russischem Gas machen. Das passt Gazprom und Moskaus Politprominenz gar nicht. Und schon werden die Messer gewetzt. Die Schlüsselrolle im Pipeline-Streit hat RWE inne.

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Gas via Pipeline nach Europa? Ja, wenn es russisches ist, sagt sich wohl Gazprom und versucht, der konkurrierenden Nabucco-Pipeline das Wasser abzugraben.

(Foto: REUTERS)

Der russische Gazprom-Konzern sorgt bei der geplanten Gaspipeline Nabucco für ein weiteres Störfeuer. RWE teilte mit, dass Gazprom dem Versorger einen Einstieg in sein Konkurrenzprojekt South Stream vorgeschlagen habe. "RWE wird dies, wie im Übrigen jedes Angebot, prüfen." Die Beteiligung an Nabucco habe aber definitiv Vorrang, erklärte RWE. Der Essener Konzern ist bislang eine treibende Kraft bei der Nabucco-Pipeline, mit der sich Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen will. Das Projekt wird von der EU unterstützt.

Zuvor war bereits aus Kreisen der Unternehmen verlautet, dass es zwischen ihnen ein Gespräch zu South Stream gegeben habe. "Es ist nur ein Vorgespräch gewesen, nicht Konkretes", hieß es zwar in Gazprom-Kreisen. RWE habe aber Interesse an einem Einstieg bei dem Projekt gezeigt. Die Konzerne hatten dies zunächst nicht kommentieren wollen.

RWE: "Nabucco gut aufgestellt"

Der Chef der RWE-Handelstochter, Stefan Judisch, machte sich später erneut für Nabucco stark. Die Röhre sei die einzig wegweisende und wirtschaftliche Initiative für mehr Vielfalt an Gasquellen und Gastransportrouten sowie den Wettbewerb in Europa, hieß es in der Mitteilung am Abend. "Kein anderes Projekt im südlichen Korridor bietet diese Vorteile und ist ähnlich fortgeschritten und gut aufgestellt wie Nabucco." RWE verwies zudem darauf, dass die Gaspipeline am besten zu weiteren laufenden Konzernprojekten in Europa, der kaspischen Region und in der Türkei passe.

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Wer seinem Lieferanten vertraut, braucht keine Alternativen: Alexander Medwedjew (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Durch Nabucco soll ab 2014 Gas aus der Region um das Kaspische Meer nach Europa strömen. An dem Konsortium sind auch die österreichische OMV und Gasgesellschaften aus Ungarn, Bulgarien, Rumänien und der Türkei beteiligt. Das Konsortium erklärte am Montag, alle Partner stünden hinter dem Projekt. Dies sei auf dem Weg und werde umgesetzt.

RWE fordert Klarheit

Den Russen ist die Nabucco-Pipeline ein Dorn im Auge. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte das Projekt scharf kritisiert und dabei auch auf die noch fehlenden Gas-Lieferverträge hingewiesen. RWE führt dazu Gespräche mit Aserbaidschan, dem Nordirak und Turkmenistan. Auch Abu Dhabi ist RWE zufolge an einem Einstieg interessiert. Gazprom hat bereits einen Nabucco-Partner auch für die South Stream-Pipeline gewonnen: Der österreichische Energiekonzern OMV beteiligt sich an beiden Projekten. Sollte sich auch RWE anschließen, könnte dies Nabucco zurückwerfen. Durch South Stream soll russisches Gas nach Italien und Österreich strömen.

RWE hat sich immer wieder für Nabucco starkgemacht. Gemeinsam mit OMV hat der Konzern Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer als Berater für die Röhre engagiert. RWE fordert jedoch, dass bis Ende dieses Jahres Klarheit über die Lieferverträge herrscht. Das Unternehmen erwartet nach eigenen Angaben in Kürze eine Einladung aus Aserbaidschan zu konkreten Verhandlungen. Der Nord-Irak wolle Gas für den Export nach Europa durch Nabucco zur Verfügung stellen.

Quelle: ntv.de, rts

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