Wirtschaft

Ausverkauf auf dem Anleihenmarkt Gefährliches griechisches Vabanque-Spiel

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(Foto: imago/Christian Ohde)

Während die EU-Finanzminister um eine Lösung im Schuldenstreit mit Griechenland ringen, sehen die Investoren schwarz für den Währungsraum. Ein Grexit wäre ein Desaster. Auch für Länder wie Italien oder Spanien. Die Spekulanten sind schon unterwegs

Das Griechenland-Drama steuert auf seinen Höhepunkt zu. Die Regierung in Athen zeigt sich gegenüber ihren Euro-Partnern weiter unnachgiebig, auch weil sie weiß, welch massive Folgen ein Austritt Griechenlands für die Euro-Zone haben könnte. Nachdem Investoren lange Zeit erwartet hatten, am Ende werde es doch zu einer wie auch immer gearteten Einigung zwischen Griechenland und den Geldgebern kommen – zumal 80 Prozent der griechischen Staatschulden in den Händen öffentlicher Gläubiger sind, wie dem Euro-Rettungsfonds EFSF, Euro-Ländern, IWF und EZB – sind sie jetzt nicht mehr so sicher. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat die Gläubiger in der Hand: Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro (Grexit) würde dem Finanzmarkt bestätigt werden, dass der Euro keine Währungsunion mehr ist, sondern nur noch ein Währungsverbund, aus dem man Länder in Schwierigkeiten herauslösen kann.

Entsprechend kocht die Staatsschuldenkrise wieder hoch, weil Investoren zunehmend gegen Italien und Spanien spekulieren. So sind die Zinsaufschläge für zehnjährige italienische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen auf 1,56 Prozentpunkte nach oben geschossen. Mitte März waren es noch 0,9 Prozentpunkte. Da hilft es auch nichts, dass Bundesbank-Chef Jens Weidmann versucht, die Lage zu beruhigen und die griechische Situation als komplett anders als in Italien oder Spanien bezeichnet. Diese Länder drücken ebenfalls hohe Schulden und ein Zinsanstieg dort hätte erhebliche Folgen, nicht zuletzt für die dortigen Banken. So sitzen die italienischen Banken auf horrenden 392 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen. Sie machen zehn Prozent der Bilanzsumme der Banken aus.

Während der Grexit für die Euro-Zone erhebliche Folgen haben dürfte, wären die Griechen die größten Verlierer ihres eigenen Vabanque-Spiels. Zwar hat Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis Gerüchte dementiert, wonach Kapitalverkehrskontrollen bevorstehen. "Auf keinen Fall wird es Kapitalkontrollen geben. Die Geldeinlagen sind gesichert und das Banksystem ist stark." Bei derartigen Sätzen müssen bei Anlegern aber alle Warnlampen angehen, auch ohne dass man auf die implodierenden Kurse der Aktien und Anleihen der griechischen Banken wie Alpha Bank, National Bank of Greece oder Piraeus Bank schaut. Bei einem Grexit dürfte die neue Drachme rund halb so viel Wert sein wie der Euro, weshalb die Inflation in Griechenland explodieren würde. Vielleicht beenden die Geldgeber trotz der enormen Risiken für die Euro-Zone dennoch Tsipras Vabanque-Spiel und wollen lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Quelle: n-tv.de

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