Wirtschaft

"Anders nicht überlebensfähig" Gläubiger bekommen Q-Cells

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Q-Cells-Chef Cen: Wenn alles glatt läuft, sind 2013 bereits wieder schwarze Zahlen drin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Q-Cells, einst das Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche und ein Börsenstar mit Aussichten auf eine Aufnahme in den Dax, ringt ums nackte Überleben. Der Nettoverlust liegt 2011 fast so hoch wie der gesamte Umsatz. Ein drastischer Sanierungsplan des Vorstands soll die Wende bringen. Das Gros des Unternehmens geht dabei an die Gläubiger. Die Anleger stoßen die Titel ab.

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Der Vorstand des ums Überleben kämpfenden Solarunternehmens Q-Cells hat seinen Restrukturierungsplan verteidigt. "Nur so ist das Unternehmen sanierungsfähig", sagte Vorstandschef Nedim Cen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung. Der Plan sieht im Kern vor, dass die Gläubiger des hoch verschuldeten Unternehmens im Rahmen eines drastischen Schulden- und Kapitalschnitts 95 Prozent der Aktien erhalten, für die bisherigen Aktionäre sollen nur noch 5 Prozent der Anteile bleiben. "Anders ist das Unternehmen nicht überlebensfähig. Die Insolvenz wäre unausweichlich", sagte Cen.

Hauptsächlich die Konkurrenz aus China und der Preisverfall in der Branche seien der Grund für die Situation, sagte Cen. Er sei zuversichtlich, dass die Restrukturierung bis zum Herbst 2011 abgeschlossen werden kann. Bereits im Jahr 2013 strebe Q-Cells - einst ein Vorzeigeunternehmen und Börsenstar - wieder schwarze Zahlen an. Der Kurs der Aktie ging mit einem Verlust von mehr als 6 Prozent aus dem Handel. Ein Papier kostet nur noch 23 Cent, die Höchstkurse lagen um die 100-Euro-Marke.

Konsolidierung geht weiter

Cen sieht derzeit keine Trendwende am Markt. Das Angebot übersteige weiterhin die Nachfrage auf allen Wertschöpfungsstufen. "Wir erwarten einen weiteren Preisrückgang für Solarzellen, Module und Systeme." Die Folge sei eine weitere Konsolidierung der Branche in diesem und im kommenden Jahr. Wie sich die Änderung der Förderbedingungen für die Solarbranche auf Q-Cells auswirkt, sei derzeit nicht absehbar. Der Bundestag debattierte am Freitag in Berlin über die geplante Kürzung der Solarförderung um bis zu 30 Prozent.

Q-Cells war im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust war fast so hoch wie der gesamte Umsatz des Unternehmens aus Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt). "Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 846 Mio. Euro", sagte Cen. Als Konsequenz aus dem Kurseinbruch an der Börse fällt das Unternehmen mit 2300 Beschäftigten, das einst sogar als Kandidat für den Dax gehandelt wurde, am 19. März aus dem Technologie-Index TecDax heraus.

Entscheidung im Juni

Q-Cells war gesetzlich verpflichtet, eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, weil das Eigenkapital aufgezehrt ist, erläuterte Sprecherin Ina von Spies. Auf der Versammlung, die sehr sachlich verlief, sollten die Aktionäre lediglich informiert werden, eine Abstimmung über den Restrukturierungsplan stand nicht auf der Tagesordnung. Entscheiden sollen die Aktionäre Anfang Juni auf einer weiteren außerordentlichen Hauptversammlung in Leipzig. Zuvor gibt es noch mehrere Gläubigerversammlungen.

"Es ist ein trauriger Tag für die Aktionäre", sagte Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Hauptversammlung. Wichtig für das Überleben des Unternehmens sei ein Zahlungsaufschub für die Halter einer Wandelanleihe bis Ende April gewesen. "Das schafft dem Unternehmen etwas Luft." Insgesamt hat Q-Cells drei Anleihen in Höhe von insgesamt 580 Mio. Euro.

Im Bereich der Solarwirtschaft sind in Deutschland bereits mehr als 100.000 Menschen tätig. Gerade die großen Solarparks werden aber überwiegend mit billigen Modulen aus China bestückt. Daher geht es der deutschen Branche trotz des Zubaubooms in Deutschland schlecht - ein Teil der auf 20 Jahre garantierten Fördergelder, die deutlich über Marktpreisen liegen, kommt chinesischen Firmen zugute.

Quelle: ntv.de, bad/dpa