Wirtschaft

Geldanlage außerhalb der Eurozone? Griechen kaufen in London

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Düstere Mienen in Athen: Giorgos Papandreou nach seinem Treffen mit Präsident Karolos Papoulias.

REUTERS

In der britischen Hauptstadt bekommen Immobilienmakler reichlich zu tun: Investoren aus Südeuropa reißen sich um Edel-Appartments in bestimmten Nobelbezirken der Londoner Innenstadt. Stabile Vermögenswerte außerhalb der Eurozone sind offenbar schwer in Mode. Die griechische Regierung muss versuchen, die Kapitalflucht aufzuhalten.

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Turmbau zu London: Am Südufer der Themse entsteht das höchste Gebäude der Europäischen Union.

(Foto: REUTERS)

Reiche Bürger aus den europäischen Schuldenstaaten suchen derzeit offenbar verstärkt im Ausland nach Möglichkeiten, einen Teil ihres Vermögens in Sicherheit zu bringen. Besonders der Immobilienmarkt in Großbritannien scheint davon zu profitieren. Das Land ist zwar Mitglied der Europäischen Union, hat aber im Gegensatz zu den 17 Euro-Staaten die eigene Währung, das britische Pfund, nicht aufgegeben.

Das Interesse aus Griechenland, Spanien und Italien an Immobilien in vornehmen Londoner Wohngegenden wie Mayfair und Belgravia sei deutlich angestiegen, berichteten Immobilienmakler. Die Interessenten aus den südeuropäischen Ländern verstärkten damit die bereits bestehenden "Kolonien" aus Russland, Indien und den Golfstaaten in der britischen Hauptstadt, hieß es.

Nicht viel anders als zum Beispiel in New York haben sich in London in den vergangenen Jahrzehnten Stadtviertel mit jeweils eigener kultureller Prägung herausgebildet, was sich unter anderem im Straßenbild, dem Geschäftsleben, Gemeindeeinrichtungen und dem gastronomischen Angebot widerspiegelt.

Euro-Angst lässt Betongold blühen

Die Motivation der vermögenden Südeuropa für eine Investition in den Londoner Häusermarkt liegt für die Immobilienmakler auf der Hand: Vor allem die Aussicht auf sichere Vermögensanlagen in Pfund locke die Interessenten an, sagte Yolande Barnes, die das lokale Marktforschungsunternehmen Savills Research leitet.

Euro / Britisches Pfund
Euro / Britisches Pfund ,90

Rückendeckung für ihre Einschätzung erhielt Barnes aus Finanzkreisen: In der Vermögensverwaltung tätige Privatbanken könnten diese Entwicklung bestätigen, hieß es aus London. Ein deutlicher Anstieg von Geschäften mit Anlegern aus den Krisenstaaten sei erkennbar.

Der Anteil von Kunden aus dem westeuropäischen Ausland beim Kauf von Immobilien in guten Londoner Wohnlagen ist nach Angaben von Savills Research seit Jahresbeginn von 11 Prozent auf 14 Prozent gestiegen. In dieser Gruppe stieg der Anteil der Käufer aus Spanien, Italien und Griechenland von 25 auf 36 Prozent.

Auf Empfehlung der Vermögensverwalter?

Bei Luxusimmobilien über 15 Mio. Pfund - umgerechnet rund 17,3 Mio. Euro - kommt fast die Hälfte aller westeuropäischen Investoren aus den drei Ländern Griechenland, Spanien und Italien. Anhand dieser Eckwerte können die Marktforscher den Eindruck der Makler bestätigen: Je teurer die Immobilie, desto höher der Anteil der Griechen, Spanier und Italiener unter den Käufern.

Die Kapitalflucht aus Griechenland ist bereits gut belegt: Erst am Vortag hatte die griechische Notenbank vor einem weiteren Abfluss der privaten Vermögen gewarnt. Die privaten Geldeinlagen seien von Januar 2010 bis April 2011 um mehr als 31 Mrd. Euro auf 165,5 Mrd. Euro zurückgegangen, hieß es in einer Griechen ziehen Spargeld ab .

Papandreou appelliert an die Griechen

Vor diesem Hintergrund sah sich der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou dazu veranlasst, die Spekulationen um einen angeblich erwogenen Austritt aus der Euro-Zone erneut zurückzuweisen. Die Regierung sei entschlossen, den Euro zu behalten, sagte Papandreou nach einem Treffen mit Präsident Karolos Papoulias.

Sein neuerliches Dementi war dabei offenbar nicht nur in Richtung Kapitalmarkt adressiert. Auch innerhalb der griechischen Bevölkerung stehen die Fragen der Währungsstabilität und die Auswirkungen der Sparpläne auf das eigene Einkommen ganz oben auf der Tagesordnung.

Auf die Frage, ob die Regierung die Bevölkerung in einem Referendum über den Sparkurs abstimmen lassen wolle, antwortete Papandreou ausweichend: "In dieser kritischen Stunde brauchen wir einen nationalen Konsens. Ich bin offen für alle guten Ideen und realistischen Vorschläge." Griechische Medien hatten berichtet, die Regierung erwäge eine Volksabstimmung, um sich Unterstützung für einen verschärften Sparkurs zu sichern.

Wachsende Unsicherheit in Deutschland

Die Schuldenkrise wirkt dabei längst nicht mehr nur auf Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien und Italien. Auch in Deutschland leidet mittlerweile die Stimmung der privaten Verbraucher. Nach Einschätzung der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) belastet die anhaltende Unsicherheit das deutsche Konsumklima.

Bei der Präsentation des aktuellen Klimaindex für Juni erläuterte GfK-Forscher Rolf Bürkl den Zusammenhang: Viele Verbraucher befürchten demnach, dass drohende milliardenschwere Bürgschaftszahlungen des Bundes an Griechenland zum Abbau von staatlichen Leistungen und damit Einkommenseinbußen bei Bürgern führen könnten.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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23.05.09