Wirtschaft

Horrender Zinssatz für Anleihen Griechenland ächzt

Das schuldengeplagte Griechenland wird immer mehr in die Ecke getrieben. Sage und schreibe 18,3 Prozent beträgt am Donnerstag der Zinssatz auf zweijährige Papiere. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung Griechenlands inzwischen mit 60 Prozent bewertet.

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Die Protestwelle gegen die Sparmaßnahmen in Griechenland ebbt nicht ab.

(Foto: dpa)

Das finanziell angeschlagene Griechenland gerät immer mehr unter Druck. Spekulationen über einen Schuldenschnitt haben die Risikoaufschläge für Staatsanleihen des Euro-Landes am Donnerstag auf Rekordhöhen getrieben. Die Zinsen auf zweijährige Papiere schnellten auf 18,3 Prozent hoch. Das ist der höchste Stand seit dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise vor knapp einem Jahr.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach über "weitere Maßnahmen", die notwendig wären, wenn bei der nächsten Überprüfung im Juni die Schuldensituation Griechenlands als nicht mehr tragfähig bewertet werde. Der CDU-Politiker ließ gegenüber der "Welt" aber offen, welche Maßnahmen er meint, falls EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) bei ihrer nächsten turnusgemäßen Prüfung zum Ergebnis kommen, dass die Regierung in Athen ihre Schulden nicht mehr abtragen kann. Die Bundesregierung dementierte allerdings eine Wende in ihrer Griechenland-Politik.

Statt einer Umschuldung könnte der Minister auch härtere Spar- und Reformmaßnahmen im Blick haben. Schäuble wies darauf hin, dass eine Umschuldung vor 2013 nur auf freiwilliger Basis möglich wäre und warnte: "Wenn wir die vertragliche Grundlage nun einfach einseitig aufkündigen, könnte das unabsehbare Folgen für das Vertrauen der Finanzmärkte in den Euro haben." Die internationalen Anleger könnten dann nicht nur griechische, sondern auch deutsche Staatsanleihen meiden.

An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung Griechenlands inzwischen mit 60 Prozent bewertet. Für Irland liegt die Wahrscheinlichkeit demnach bei 40 Prozent, für Portugal bei 30 Prozent. "Griechenland hat ernste Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit und die Schuldenlast ist die höchste", sagte BayernLB-Analyst Gebhard Stadler.

EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi warnte dagegen, Griechenland dürfe nicht in die "Katastrophe" einer Umschuldung getrieben werden. Die Notenbank befürchtet in diesem Fall eine neue Bankenkrise und politische Unruhen in dem Mittelmeerland. Ein Sprecher der Regierung in Athen bekräftigte, eine Umschuldung werde nicht in Betracht gezogen.

Nicht wettbewerbsfähig

Die Arbeitslosigkeit erreichte in Griechenland zuletzt 15 Prozent, denn das strikte Sparprogramm des Staates führt zu Stellenstreichungen. "Die griechische Wirtschaft ist nicht hinreichend wettbewerbsfähig", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Er könne keinem deutschen Steuerzahler erklären, dass die Griechen mit Anfang 50 in Rente gehen könnten, während Deutschland das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben habe.

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Dominique Strauss-Kahn ist gegen eine Umschuldung.

(Foto: dpa)

Die Griechen hätten aber bereits "mutige Veränderungen vorgenommen", räumte der FDP-Politiker ein. Die Citibank schrieb, Griechenland stecke in einem Teufelskreis harter Sparpolitik und schwacher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. "Die Abschreibung eines Teils der Schulden wäre der einzig mögliche Ausweg", hieß es in einer Analyse.

Der IWF erteilte Spekulationen über eine Umschuldung des notleidenden Euro-Landes ebenfalls eine Abfuhr. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sagte, Griechenland könne seine Probleme trotz aller Schwierigkeiten bewältigen. "Ich denke, dass Griechenland es schaffen wird." IWF-Vizechef John Lipsky sagte, das Hilfsprogramm für Griechenland sehe keine Umschuldung vor. Mittelfristig könnten aber einige Korrekturen an dem Programm erforderlich werden.

EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn schlug in die gleiche Kerbe und sagte, er sehe eine Umstrukturierung griechischer Schulden nicht als Option an.

Quelle: ntv.de, rts

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