Wirtschaft

Wer wusste von VWs Software? Grüne sehen "Kumpanei" mit Regierung

c374f7a3fe2f2e20da6d90ac5240c663.jpg

Der Skandal wird VW noch lange beschäftigen.

(Foto: dpa)

Die Abgas-Affäre bei VW hat die Ära Winterkorn jäh beendet. Doch die Probleme beschäftigen den Konzern weiter. Nun drohen ihm auch in Mexiko Konsequenzen. Die Grünen fordern eine Überprüfung anderer Hersteller.

Die Grünen im Bundestag haben wegen des Abgas-Skandals bei VW von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt eine Überprüfung auch anderer Hersteller gefordert. "Er muss nicht nur gegen VW vorgehen. Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung muss er auch Modelle von anderen Herstellern prüfen lassen", sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn, der "Saarbrücker Zeitung".

VW Vorzüge
VW Vorzüge 183,30

Zugleich warf Höhn Regierung und Industrie "Kumpanei" vor. So habe die EU vor einigen Jahren auch Deutschland aufgefordert, "die Nutzung der sogenannten Abschaltvorrichtungen durch Autohersteller unter Strafe zu stellen. Nach meiner Kenntnis ist das nicht passiert", sagte Höhn dem Blatt.

Volkswagen ist indes um Schadensbegrenzung bemüht. Am Mittwoch hatte Konzernchef Martin Winterkorn angesichts des enormen Ausmaßes der Affäre seinen Posten geräumt; über seinen Nachfolger will der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung an diesem Freitag beraten. Europas größter Autobauer hatte zuvor zugegeben, dass weltweit elf Millionen Motoren mit einer Software ausgestattet sind, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer begrüßte den Rücktritt Winterkorns. Dieser sei richtig, "auch wenn er zu spät kommt", sagte Dudenhöffer der "Berliner Zeitung". Winterkorn mache damit den Weg für einen Neuanfang frei. "Das ist besser für VW, besser für die 600.000 Mitarbeiter des Konzern und besser für Deutschland insgesamt", sagte der Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen.

Mexiko will ebenfalls Motoren überprüfen

Unterdessen drohen im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen auch in Mexiko Konsequenzen. Der mexikanische Umweltminister Rafael Pacchiano teilte mit, die Generalstaatsanwaltschaft für Umweltschutz (Profepa) werde alle elf möglicherweise betroffenen Motorentypen von VW "einen nach dem anderen" überprüfen. Dabei werde sich zeigen, ob die Angaben des deutschen Autobauers zu den Abgaswerten "real sind".

Pacchiano rechnet nach eigenen Angaben "in den nächsten Tagen" mit Ergebnissen. "Im Fall irgendwelcher Auffälligkeiten wird die Profepa angemessene Sanktionen beschließen", erklärte der Umweltminister.

VW betreibt auch im zentralmexikanischen Bundesstaat Puebla ein großes Werk, in dem Dieselfahrzeuge der Modelle Jetta, Golf und Beetle hergestellt werden. Der Gouverneur von Puebla, Rafael Moreno Valle, kündigte am Dienstag an, er wolle in den kommenden Tagen mit Volkswagen-Vertretern über die Auswirkungen des Skandals sprechen. Die jüngsten Enthüllungen hätten sicherlich "eine kurzfristige Auswirkung auf die Verkaufs- und Exportkapazitäten und als Ergebnis auf die Produktion in dem Werk in Puebla".

Folgen für die ganze Branche befürchtet

Im Mai hatte VW angekündigt, eine Milliarde Dollar (895 Millionen Euro) in den Ausbau des mexikanischen Werkes zu investieren. 2014 wurden dort 475.000 Autos gebaut. Mehr als 80 Prozent davon wurden exportiert, zumeist in die USA. In dem Werk arbeiten 11.000 Menschen, 35.000 weitere Jobs hängen von der VW-Fabrik in Puebla ab. Im zentralmexikanischen Silao betreibt VW ein weiteres Werk, das vornehmlich Motoren herstellt.

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen wird nach Einschätzung von Unionsfraktionschef Volker Kauder negative Konsequenzen für die gesamte Branche haben. "Ich fürchte, dass die gesamte Automobilindustrie einen Schaden davonträgt", sagte Kauder den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Vorfall mache ihn "fassungslos", ergänzte der CDU-Politiker.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/rts