Wirtschaft

Mehr Geld für Pistolen und Gewehre Heckler & Koch will an die Börse

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Handlich, zuverlässig, "effektiv": eine MP5 von Heckler & Koch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Aufatmen beim schwäbischen Waffenhersteller Heckler & Koch: Das Unternehmen bringt eine rettende Anleihe sicher am Markt unter. Großinvestoren leihen dem Rüstungsunternehmen etwas mehr als eine Viertelmilliarde Euro. Jetzt will sich das Rüstungsunternehmen aus Oberndorf am Neckar in Frankfurt und London aufs Parkett wagen.

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Weltmarktführer in der Kleinwaffen-Produktion: Für Verteidigungsfälle bietet Heckler & Koch auch größere Kaliber wie diesen Granatwerfer GMG.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Waffenhersteller Heckler & Koch hat seine Finanzierungsprobleme nach eigenen Angaben vorerst gelöst. Eine Anleihe mit einem Volumen von 295 Mio. Euro sei erfolgreich auf dem Kapitalmarkt platziert worden, teilte das Unternehmen am Firmensitz in Oberndorf im Kreis Rottweil mit. Vor allem institutionelle Anleger hätten die Anleihe gezeichnet.

Den Angaben zufolge bietet die Anleihe einen Zinssatz von 9,5 Prozent und läuft bis 2018. Ratingagenturen hatten Gläubiger des Waffenherstellers zuletzt gewarnt, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Zahlungsausfällen kommen werde. Hintergrund war eine Unternehmensanleihe, die im Juli ausläuft und bislang nicht refinanziert war.

Mit der erfolgreich platzierten Anleihe im Rücken bereitet Heckler & Koch nun den Gang an die Börse vor. Es gehe darum, an frisches Kapital zu kommen und die Verschuldung zu senken, teilte das Unternehmen mit. Geplant sei ein Börsengang in Frankfurt und London. Ein Termin stehe aber noch nicht fest, hieß es.

Unter Dauerbeschuss der Analysten

Die Ratingagentur Moody's hatte die Anleihen-Pläne zuvor grundsätzlich positiv bewertet, zeigte sich in einem Statement aber eher skeptisch zur weiteren Stabilität des Unternehmens. Anfang April hatte der Hersteller berichtet, den Gewinn mit dem Verkauf von Pistolen, Maschinengewehren und anderen Schusswaffen im vergangenen Jahr fast verdoppelt zu haben.

Unter dem Strich erzielte Heckler & Koch demnach einen Jahresgewinn von 30,4 Mio. Euro. Das waren knapp 80 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 247,2 Mio. Euro. Zu den Hauptkunden des Waffenherstellers zählen die Bundeswehr, die deutsche Polizei sowie die Streitkräfte aus mehreren Nato-Staaten.

Lieblingswaffe der Navy Seals?

Technisch genießt Heckler & Koch international einen hervorragenden Ruf. Schusswaffen aus Baden-Württemberg sind nicht nur bei Sicherheitskräften in aller Welt hoch begehrt. Bekannte Produkte sind vor allem das Sturmgewehr G3, die frühere Standardwaffe der Bundeswehr, der G3-Nachfolger G36 und die Maschinenpistole MP5. Spekulationen, ob bei dem Einsatz gegen Osama bin Laden Waffen aus der deutschen Rüstungsschmiede zum Einsatz gekommen seien, wollte Heckler & Koch nicht kommentieren.

Das Geschäft mit dem Verkauf von Waffen ins Ausland ist in der Öffentlichkeit hoch umstritten. Immer wieder tauchen Lizenznachbauten des Unternehmens in Krisenregionen auf, wo ihre Verbreitung kaum noch zu kontrollieren ist. Gleichzeitig sind vor allem die leichten Maschinenpistolen aus der Baureihe MP3 auch für Kinder leichter zu handhaben als deutlich schwerere Sturmgewehre. Dieser Umstand hatte dem Unternehmen wiederholt Kritik und Protestaktionen eingebracht - unter anderem auch im Zusammenhang mit der UN-Kleinwaffenkonvention.

Werkzeug oder Mordinstrument?

Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen. Ausgangspunkt war der Verdacht, dass Heckler & Koch 2006 mit illegalen Waffenlieferungen in mexikanische Unruheprovinzen gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben könnte.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte dem Unternehmen deshalb vorerst alle Waffenlieferungen nach Mexiko untersagt. Heckler & Koch wies die Vorwürfe zurück. Hinzu kamen Berichte über etwaige Qualitätsmängel. Bei der Polizei in Hessen sollen Probleme mit der neuen Dienstwaffe von Heckler & Koch aufgetreten sein.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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