Wirtschaft

Regelwerk für Rekordvergütungen IG Metall knöpft sich VW vor

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Er bekommt am meisten: VW-Chef Winterkorn. Sein Gehalt von 16,6 Millionen Euro steht besonders in der Kritik.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die exorbitanten Millionengehälter vieler Manager rufen die IG Metall auf den Plan - sie fordert für die Zukunft klare Grenzen. Einer Studie zufolge hat die Höhe der Vergütung oft nichts mit der Leistung der Chefs zu tun. Das will Spitzenverdiener Winterkorn von VW für sich so nicht gelten lassen.

VW Vorzüge
VW Vorzüge 135,16

Die IG Metall hat mit Blick auf den Rekordverdienst von VW-Chef Martin Winterkorn neue Regeln bei den Managergehältern gefordert. "Wir sollten Grenzen für die Vorstandsvergütung setzen", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber der "Berliner Zeitung". Er sehe zwei Möglichkeiten: "Entweder wir erhöhen die Zielvorgaben." Das Management müsse dann mehr erreichen, um eine bestimmte Summe zu erhalten. "Oder wir kappen die Boni ab einer bestimmten Höhe." Für welchen Weg man sich entscheide, müsse jetzt im VW-Aufsichtsrat diskutiert werden.

Winterkorn erhält für das vergangene Jahr rund 16,6 Mio. Euro und rechtfertigt sein Gehalt mit den Erfolgen des Konzerns. "Meine Vergütung ist an klare Vorgaben unserer Konzernstrategie 2018 gekoppelt und damit langfristig orientiert: an den Absatz, das Konzernergebnis, die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit. Wenn der Volkswagen-Konzern hierbei sehr erfolgreich abschneidet, ergibt sich eine solche Summe", sagte der VW-Chef der "Bild am Sonntag". Er habe aber Verständnis dafür, "dass manche Menschen mein Gehalt als zu hoch empfinden".

Faktor Beschäftigung

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VW St. 145,60

Positiv bewertete IG-Metall-Chef Huber, dass bei der Vorstandsvergütung bei VW nicht nur der Gewinn, sondern auch die Beschäftigung eine große Rolle spiele. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verwies darauf, dass der Autokonzern allein im vorigen Jahr 28.000 neue Arbeitsplätze geschaffen habe. "Wenn es nach uns ginge, würde der Faktor Beschäftigung für die Bemessung von Managergehälter gesetzlich verankert werden", sagte Osterloh.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete über eine Studie der Schweizer Vergütungsberatung Obermatt, wonach die Höhe der Vorstandsgehälter oft ein Zufallsprodukt der Entwicklung von Aktien- und Optionskursen sei. Mit der tatsächlichen Leistung der Manager habe dies wenig zu tun, urteilten die Experten. Die Mängel in den gängigen Vergütungssystemen bescherten manchen Managern unverdiente Gewinne. Andere verlören dagegen durch Kursschwankungen Geld, obwohl die Aktionäre im selben Zeitraum profitierten.

Das Problem liegt dabei in der Bezahlung mit Aktien oder Aktienoptionen. Diese Bestandteile gewinnen in vielen Unternehmen an Bedeutung, auch aufgrund der schärferen gesetzlichen Vorgaben für die Vorstandsgehälter. Dieses System gleiche allerdings oft einem "Vergütungs-Roulette", so die Autoren der Studie.

Verzerrungen durch Optionen

Besonders eine Bezahlung mit Aktienoptionen führe oft zu unverdienten Ergebnissen, sagte Obermatt-Geschäftsführer Hermann Stern der "Welt". Da sich Optionswerte teils ganz anders entwickelten als Aktienkurse, könnten einige wenige Manager bei mehrjährigen Optionsprogrammen aberwitzige "Lottogewinne" verzeichnen. Zwei Drittel der Vorstände erhielten dagegen weniger ausgezahlt als ursprünglich zugesagt.

So hätte ein Vorstand des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 in den vergangenen fünf Jahren den Wert eines in Optionen bezahlten Bonus' versechsfachen können - während der Aktienkurs im selben Zeitraum um 30 Prozent absackte. Das umgekehrte Phänomen zeige sich etwa beim Düngemittelhersteller K+S: Der Aktienkurs sei seit 2007 um 88 Prozent gestiegen, während der Wert eines typischen Optionsplans gleichzeitig um 36 Prozent sank.

Sprudelnde Unternehmensgewinne haben die Gehälter der Chefs der Dax-Konzerne im vergangenen Jahr auf Rekordniveau getrieben. Im Schnitt kassierten die Firmenlenker mit knapp fünf Mio. Euro rund acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2006, wie die Frankfurter Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner anhand von Daten der 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex errechnet hat.

Quelle: ntv.de, dpa