Wirtschaft

Corona-Schuldenerleichterung IWF plant Notkredite für 25 Staaten

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Eine Bedrohung, die selbst reiche Industriestaaten überfordern kann: Wie hart wird die Coronavirus-Pandemie Länder wie den Jemen, Haiti, Nepal oder Afghanistan (Bild) treffen?

(Foto: dpa)

In Europa und den USA steht die Coronavirus-Pandemie vor ihrem Höhepunkt, in den Schwellenländern hat sie gerade erst begonnen. Um die absehbare Katastrophe in den schwächsten Staaten der Erde abzumildern, greift der IWF kurzerhand in die Ebola-Kasse.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat angesichts der Corona-Krise sofortige Schuldenerleichterungen für 25 Entwicklungsländer verkündet. Arme Staaten können damit für einen Zeitraum von sechs Monaten Notkredite beantragen, teilte IWF-Chefin Kristalina Georgieva mit.

Auf diese Weise will der IWF die schwächsten Länder der Erde im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie unterstützen. Das Geld soll zunächst vor allem die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie abfedern und die betroffenen Staaten in der Krise stabilisieren.

Der IWF-Vorstand bewilligte die Kredite für eine Reihe afrikanischer Staaten sowie für Afghanistan, Nepal, Haiti und den Jemen. Das Geld kommt aus dem Katastrophenbeistandsfonds CCRT des IWF, der während der Ebola-Krise in Westafrika 2015 geschaffen worden war und angesichts der Coronavirus-Pandemie nun umgenutzt wird.

Halbe Milliarde Dollar

Derzeit umfasst der CCRT 500 Millionen Dollar. Die größten Beitragszahler sind bislang Japan, Großbritannien, China und die Niederlande. Georgieva warb für eine Aufstockung des Fonds und rief auch andere Staaten auf, sich an Beitragszahlungen zu beteiligen.

Zusätzliche Unterstützung vom IWF bekommen auch die westafrikanischen Staaten Ghana und Senegal. Ghana soll demnach einen Kredit von einer Milliarde Dollar (rund 900 Millionen Euro) bekommen, Senegal etwa 440 Millionen Dollar, wie es in einer IWF-Mitteilung hieß. In beiden Staaten leide die Wirtschaft unter den Folgen der globalen Corona-Pandemie, weswegen auch die Regierungen finanziell unter Druck stünden und zusätzliche Liquidität bräuchten, erklärte ein IWF-Sprecher.

Dutzende Entwicklungs- und Schwellenländer haben wegen der Corona-Krise bereits beim IWF Notkredite beantragt. In Afrika hat die in Washington ansässige Organisation unter anderem bereits Madagaskar, Togo, Gabun und Ruanda Kredite zugesagt. Auch das ölreiche Nigeria hat beim IWF ein Kreditgesuch eingereicht. In Nordafrika wiederum hat Tunesien bereits einen Kredit erhalten.

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Alle Krisen-Warnlampen auf Rot

In den betroffenen Ländern gibt es bislang - im Vergleich zu Europa oder den USA - nur wenige bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2. Die Regierungen haben allerdings weniger Spielraum, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu stemmen.

Seit Beginn der Krise haben sich viele Investoren zudem aus Schwellenländern zurückgezogen, was die Kreditaufnahme erschwert. Angesichts des drohenden weltweiten Konjunktureinbruchs ist außerdem der Ölpreis massiv gesunken, was insbesondere Förderländer wie Nigeria, aber auch das erdgasreiche Algerien trifft.

Vergangene Woche hatte Georgieva mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie vor der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression in den 1920er und 1930er Jahren gewarnt. Selbst im besten Fall dürfte es im kommenden Jahr nur eine "teilweise Erholung" geben; es könnte aber auch "schlimmer" werden, sagte sie.

Wie genau die Prognose für die Weltwirtschaft aus Sicht des Währungsfonds ausfällt, soll kurz nach Ostern bekannt gegeben werden. Die IWF-Experten haben ihre neue Einschätzung zu den konjunkturellen Perspektiven für Dienstag angekündigt.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa