Wirtschaft

Viel Feuer im Währungsstreit IWF und Weltbank rücken aus

Eine ehrgeizige Reform, Angst vor einem Währungskrieg und die Gefahren für den gerade begonnenen Aufschwung - auf der Jahrestagung von IWF und Weltbank knüppeln sich die Themen. Sie bergen eine Menge Zündstoff.

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(Foto: Pixelio/Paul-Georg Meister)

Erst vor ein paar Tagen hieß es noch, das Jahrestreffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank werde sich wohl vor allem um das zähe Thema Mitspracherechte drehen. Plötzlich ist alles anders. Die Gefahr weltweiter Währungskonflikte, mancher redet gar von "Krieg", ist in Windeseile an die Spitze der Tagesordnung galoppiert. IWF und Weltbank warnen vor bösen Folgen für die Weltwirtschaft, die gerade erst aus dem Krisental zu klettern begann. Und sie mahnen, den Geist der Zusammenarbeit, der inmitten der Großen Rezession herrschte, nicht einfach zu vergessen.

Das Programm für Ende dieser Woche in Washington wurde kräftig zusammengestrichen und gestrafft; die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) verzichten gar ganz auf ein Wiedersehen. Schließlich kommt die einflussreiche Runde schon in zwei Wochen in Südkorea zusammen. Doch trotz der eingedampften Tagesordnung ist das Treffen in der US- Hauptstadt nicht minder brisant.

Wettlauf um die billigste Währung

Denn die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben westlichen Industriestaaten (G7) ziehen sich am Freitagabend zu Beratungen zurück. Das heftige Wetteifern um billige Devisen, der Abwertungswettlauf, beunruhigt den Club der Reichen. Auch wenn mit China einer der Hauptakteure nicht am Tisch sitzt und die G7 längst nicht mehr die Bedeutung von einst haben.

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Weltbank-Chef Robert Zeollick (lks.) und IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn fahren am Wochenende ein strammes Programm.

(Foto: REUTERS)

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn und Weltbank-Präsident Robert Zoellick signalisieren Besorgnis. Zwar hält er das Wort vom "Währungskrieg" für zu militaristisch. Jedoch: "Es ist wahr, dass viele (Länder) ihre Währungen als Waffe betrachten", sagte er am Donnerstag. Zoellick pflichtet bei: "Heute erleben wir Spannung durch die Währungsfrage. Spannungen können zu Ärger führen, wenn nicht angemessen mit ihnen umgegangen wird."

"Systemische Stabilitätsinitiative"

Die mögliche Lösung: Kooperation, miteinander reden statt die Währungskeule zu schwingen. Gerade jetzt sei es nicht die Zeit, "sich von einer weltweiten Zusammenarbeit abzuwenden", mahnte Zoellick. Strauss-Kahn bot seine Institution an, als Forum zur Behandlung von Währungsdisputen zu dienen. Gar "eine Art systemweite Stabilitäts-Initiative" schlug er vor, ohne Details allerdings. Doch scheinen die Chancen für Zusammenarbeit zu sinken. Strauss-Kahn meint jedenfalls, inzwischen weniger Bereitschaft zu internationalen Absprachen festzustellen als noch auf dem Höhepunkt der Krise.

Streitthemen gibt es auch sonst reichlich. Bei der seit Jahren diskutierten Reform des IWF dürfte es auch in Washington noch keinen Durchbruch geben. Bis Jahresende müssen die Machtverhältnisse bei der internationalen Krisen-Feuerwehr endlich geregelt sein. Noch ziehen Europäer, die USA und aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China, Indien und Brasilien in verschiedene Richtungen. Vor allem Schwellenländer sollen mehr Einfluss bekommen - entsprechend ihres größeren Gewichts in der Weltwirtschaft.

Kampf um Quoten

Deutschland ist zu Zugeständnissen bereit und würde sich sogar von Quotenanteilen trennen, sollten auch andere "überrepräsentierte" Länder mitziehen. Die Quoten entscheiden nicht nur über Einfluss und Stimmrechte beim IWF, sondern auch über den Umfang möglicher Kredite und Zahlungsverpflichtungen. Deutschland ist mit einer Quote von rund 6,1 Prozent im IWF inzwischen zu stark vertreten. Boomländer wie die Exportmacht China dagegen sind beim IWF weit unterrepräsentiert.

Hoch hergehen dürfte es auch bei der Besetzung von Top-Posten. Die USA wollen das Exekutivdirektorium des IWF von 24 auf 20 verkleinern - zu Lasten der Europäer. Die EU hat angeboten, auf zwei ihrer derzeit neun Sitze in dem Gremium zu verzichten, wenn andere Länder sich ebenfalls kompromissbereit zeigen. Die Europäer hatten zudem einen Verzicht auf die bisherige Machtteilung zwischen Europäern und Amerikanern ins Spiel gebracht. Dies betrifft die Regel, nach der der Chef des IWF aus Europa und der Weltbank-Chef aus den USA kommt.

Das Gerangel um die Neuverteilung der Macht zerrt an den Nerven der Akteure. "Wir machen sehr deutlich, dass wir Schwellen- und Entwicklungsländer stärker repräsentiert sehen möchten", erklärt stoisch ein US-Regierungsbeamter. Die Europäer im IWF machen aus ihrem Unmut indes keinen Hehl: "Der politische Druck auf die EU hat sich drastisch erhöht", sagt einer. "Der Gedanke, dass die Europäer überrepräsentiert seien, ist völlig falsch. Und was sind dann die US- Motive?: "Man weiß es nicht", heißt es von Europäern.

Quelle: ntv.de, dpa