Wirtschaft

Ratingagenturen im Visier IWF will Einfluss beschränken

Dass die Ratingagenturen bei nationalen Regierungen nicht immer angesehen sind, ist ein offenes Geheimnis. Nun hat auch der IWF Fitch und Co. auf dem Radar. Experten des Währungsfonds fordern neue Regeln, die starr an Ratings gebundene Kauf- oder Verkaufsentscheidungen unterbinden.

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Der Gegenwind für die Ratingagenturen wird immer schärfer.

(Foto: dpa)

Ratingagenturen sollten nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutlich weniger Einfluss als bisher auf Wertpapiergeschäfte von Investoren und staatlichen Institutionen haben. "Weil Ratings in verschiedenen Regeln, Regularien und Auslösemechanismen eingebettet sind, kann eine Herabstufung zu destabilisierenden Folgeeffekten führen", heißt es in einer Studie des Fonds zur Rolle der Agenturen bei der Benotung der Kreditwürdigkeit von Ländern.

Die Politik solle auf die Abschaffung von Regeln und Regularien hinarbeiten, die Kauf- oder Verkaufsentscheidungen starr an Ratings binden, fordern die IWF-Experten. Privaten Investoren und Geldmanagern sollte überdies davon abgeraten werden, den Bewertungen "mechanisch" zu folgen, heißt es in dem IWF-Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte. Der Report wird kommende Woche zur Jahrestagung von Weltwährungsfonds und Weltbank in Washington komplett vorgestellt.

"Das Urteil von Ratingagenturen soll nur eines von mehreren Instrumenten sein, wenn es um die Bewertung von Kreditwürdigkeit geht", sagte IWF-Ökonom John Kiff. Neben einer verstärkten Aufsicht über die Agenturen sei auch notwendig, dass Investoren und Institutionen nicht mehr vorgeschrieben werde, sich auf sie zu verlassen, sagte die Chefin der IWF-Analyseabteilung zur Stabilität der Finanzmärkte, Laura Kordes.

Kreditkosten in die Höhe getrieben

Der IWF unterstreicht indes, dass die Bewertungen der Agenturen nicht an sich problematisch seien. "Bilanzierend kann man sagen, dass die Ratingagenturen einen recht guten Job gemacht haben", sagte Kiff. Allerdings hätten sie zur Instabilität des Finanzsystems beigetragen, weil Politik und Investoren automatisch den Benotungen gefolgt seien.

Ratingagenturen beurteilen Kreditwürdigkeit von großen Schuldnern wie Staaten und Unternehmen. Die Benotungen werden von Regierungen, Zentralbanken, Banken, Versicherern oder Rentenfonds genutzt. Den Agenturen wird vorgeworfen, vor der Finanzkrise nicht nur die Risiken hochkomplexer Finanzprodukte unterschätzt, sondern jüngst auch die Kreditkosten von Euro-Schuldnerländern wie Griechenland, Spanien und Portugal immens in die Höhe getrieben zu haben.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa

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