Wirtschaft

Milliardengrab Anglo Irish In Irland liegen die Nerven blank

Deutschland hat sein Sorgenkind Hypo Real Estate; Irland schlägt sich mit der Großbank Anglo Irish herum. Die Regierung in Dublin muss weiteres Geld in das marode Geldinstitut pumpen. Die Iren sind außer sich und Ministerpräsident Cowen gerät massiv unter Druck. Die EU-Kommission sieht die Lage in Irland dramatisch.

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Die Bank soll aufgespalten werden: in eine Bad Bank, in die faule Kredite ausgelagert werden, und eine Bank mit reinem Einlagegeschäft.

(Foto: REUTERS)

Der Unmut über die schwere finanzielle Krise Irlands hat sich innerhalb und außerhalb des Parlaments in Dublin entladen. Nach einer vormittäglichen Blockade kam es im Plenum zu hitzigen Debatten. Ministerpräsident Brian Cowen wurde von der Opposition aufgefordert, sich beim irischen Volk für die Situation, in die es gebracht wurde, zu entschuldigen.

Schwere Managementfehler bei der Großbank Anglo Irish, in die bereits mehr als 20 Milliarden Euro staatliche Unterstützung geflossen sind, gelten als Hauptgrund für die Finanzkrise in Irland. Nach britischen und irischen Medienberichten muss die Regierung in den nächsten Tagen verkünden, dass weitere fünf Milliarden Euro aus der Staatskasse zur Rettung der Bank notwendig sein werden. Im zweiten Quartal war die Wirtschaftskraft überraschend eingebrochen.

Irland hatte 2009 mit über 14 Prozent das höchste Staatsdefizit der Euro-Zone ausgewiesen. In diesem Jahr werden rund elf Prozent erwartet. In den nächsten Tagen will die Regierung Pläne vorlegen, wie viel Geld noch in die Banken gepumpt werden muss.

Brüssel äußerst beunruhigt

Die Märkte reagierten bereits empfindlich, die Risikoaufschläge auf irische Staatsanleihen erreichten Rekordniveau. Die Ratingagentur Moody's hatte das Rating für die Anglo-Irish-Bank vergangene Woche erneut nach unten korrigiert. Die Anleger fürchten um ihr Geld.

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Irlands Motor stottert, die Märkte sind nervös und Ministerpräsident Brian Cowen muss alles verantworten.

(Foto: REUTERS)

Die Lage in Irland wird auch bei der EU in Brüssel dramatisch gesehen. "Wir sind in engem Kontakt und unterstützen die Anstrengungen (der Regierung)", sagte Währungskommissar Olli Rehn. Zuletzt hatte er erklärt, er gehe nicht davon aus, dass Dublin finanzielle Hilfen der EU in Anspruch nehmen muss, wie das im Falle Griechenlands passiert ist.

Quelle: n-tv.de, dpa

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27.09.10