Wirtschaft

Aktienkurs steigt Infineon überzeugt erst auf den zweiten Blick

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Geschäfte laufen gut bei Infineon. Dennoch kommt es zu Handelsbeginn zu Kursverlusten. Dann wendet sich das Blatt - und das hat einen Grund.

Nach anfänglichen Kursabgaben haben die Aktien des Chipkonzerns Infineon zur Wochenmitte im Handelsverlauf rund 1 Prozent ins Plus gedreht. Damit setzten die Titel ihren Aufwärtstrend fort, der die Papiere am Dienstag bereits auf ein Jahreshoch geführt hatte. Am heutigen Mittwoch hatte Infineon seinen Geschäftsbericht veröffentlicht.

Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 profitierte der Konzern demnach insbesondere von seinem Automotive-Geschäft, das zum Beispiel Chips für Lösungen für Elektromobilität und Fahrassistenzsysteme anbietet. Der Bereich mit Chips für die Automobilindustrie trägt mit rund 41 Prozent am stärksten zum Geschäft von Infineon bei. Aber auch der Bereich erneuerbare Energien trug zum Wachstum bei.

Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr daher auf rund 6,5 Milliarden von 5,8 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn aus dem Tagesgeschäft (das Segmentergebnis) erhöhte sich auf 983 von 897 Millionen Euro. Die entsprechende Marge sank jedoch leicht auf 15,2 von 15,5 Prozent. Das Nettoergebnis nahm auf 744 Millionen Euro von 632 Millionen Euro zu. Die Dividende soll auf 0,22 (0,20) Euro angehoben werden.

"Infineon wird schneller wachsen als der Markt"

Im Schlussquartal stiegen die Umsätze um 5 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro. Die Ergebnisse sanken jedoch. Das Segmentergebnis nahm hingegen leicht um 2 Prozent auf 280 Millionen Euro ab, die entsprechende Marge betrug 16,7 Prozent nach 17,9 Prozent im Vorjahr. Netto verdiente Infineon 225 Millionen Euro, 31 Prozent weniger. Gegenüber dem Vorquartal konnte sich der Konzern jedoch steigern.

Für das neue Geschäftsjahr 2016/17 zeigte sich Vorstandsvorsitzender Reinhard Ploss zuversichtlich. "Infineon wird wieder schneller wachsen als der Markt." Die Branche insgesamt erwartet ein moderates Wachstum. Infineon prognostiziert ein Umsatzwachstum von etwa 6 Prozent plus oder minus zwei Prozentpunkte. Überdurchschnittlich soll dabei das Automotive-Geschäft zulegen.

Die Segmentergebnismarge dürfte dabei bei 16 Prozent erreichen. Dabei rechnet der Konzern im traditionell schwächeren ersten Quartal mit einem Umsatzminus von etwa 4 Prozent plus minus zwei Prozentpunkten und einer Segmentergebnismarge von voraussichtlich 14 Prozent in der Mitte der Umsatzspanne. Dabei unterstellt Infineon einen Wechselkurs vom Euro zum US-Dollar von 1,10.

Positiv auf das Segmentergebnis wird sich ab 2017 auch der Kauf der MoTo Objekt Campeon auswirken. Der Gesellschaft gehört der Hauptsitz von Infineon in Neubiberg bei München. Infineon übernimmt 93 Prozent der Anteile für 113 Millionen Euro. Der Kauf soll sich mit einem unteren zweistelligen Millionenbetrag positiv auf das Segmentergebnis auswirken. Der frei Cashflow dürfte sich hingegen verringern. Infineon rechnet jedoch damit, dass sich der freie Cashflow durch die Transaktion in den Folgejahren zwischen 20 und 30 Millionen jährlich erhöht.

Anleger reagieren verzögert

Mittelfristig zeigte sich Infineon für die weitere Entwicklung zuversichtlich und erwartet eine höhere Rendite als zunächst prognostiziert. Ausschlaggebend ist dafür die steigende Nachfrage nach Leistungshalbleitern und die zunehmende Auslastung in der 300-Millimeter-Fertigung in Dresden bis Ende 2017. Dazu kommen eine steigende Produktivität, Effizienzgewinne aus der Integration von International Rectifier sowie der stärkere US-Dollar. Daher erwartet Infineon eine Segmentergebnismarge über einen Zyklus von nun 17 Prozent, anstelle von zunächst angekündigten 15 Prozent. Das Umsatzwachstum soll weiter bei 8 Prozent liegen.

An den Finanzmärkten konnten die Zahlen von Infineon zunächst nicht begeistern. Die Aktien verloren zur Eröffnung knapp 2 Prozent. Händler begründen diese Entwicklung mit Gewinnmitnahmen. Dann drehten die Papiere aber ins Plus. "Die Zahlen sind nicht so schlecht, wie sie auf den ersten Blick wirken", sagte ein Händler. Auch sei die Aktie trotz des Kursanstiegs seit Jahresbeginn von 23 Prozent nicht teuer.

Die Analysten der DZ Bank bekräftigen jedoch ihre Kaufempfehlung für die Aktien. Die vorgelegten Zahlen seien gut, die erwartete Schwäche im ersten Quartal saisonal bedingt.

Quelle: ntv.de, bad/DJ