Wirtschaft

Spanien macht es besser Italien rutscht erneut in die Rezession

Es geht wieder bergab: Das zweite Quartal in Folge verbucht die italienische Wirtschaft einen Wachstumseinbruch. Problemfelder sind Industrie und Einzelhandel gleichermaßen. Die Regierung um Ministerpräsident Renzi tut sich schwer.

Italien fällt zurück in die Rezession. Trotz der Reformbemühungen von Regierungschef Matteo Renzi lag die Leistung der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone im zweiten Quartal 0,2 Prozent tiefer als im ersten Vierteljahr. Das teilte das italienische Statistikamt Istat mit. Der Rückgang folgt auf ein Minus von 0,1 Prozent im ersten Quartal. Bei zwei aufeinanderfolgenden Abschnitten mit negativen Wachstumsraten gehen Ökonomen von einer Rezession aus.

Erst Ende 2013 war das Land nach einer langen Durststrecke wieder leicht gewachsen. An den Finanzmärkten kamen die Zahlen nicht gut an. Immerhin ist Italien, das seit vielen Jahren unter extrem hohen Staatsschulden ächzt, hinter Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.

Der Euro geriet deshalb weiter unter Druck und fiel auf ein Neunmonatstief. Italienische Staatsanleihen, aber auch Schuldtitel Spaniens und Portugals mussten Verluste hinnehmen. Im Gegenzug stieg die Rendite, die Investoren von den Ländern für frisches Kapital verlangen. Auch die führenden Aktienindizes - wie etwa der Dax - gerieten unter Abgabedruck.

Stimmung gut, Zahlen mau

"Leider zeigen die heutigen Daten, dass sich die wirtschaftliche Erholung in Italien weiter verzögert", kommentierte der Sprecher von EU-Währungskommissar Jyrki Katainen. Die Zahlen seien erheblich schwächer, als von der Kommission in ihrer Frühjahrsprognose vorhergesehen.

Detaildaten veröffentlichte Istat nicht, so dass die konkreten Gründe für den erneuten Wachstumseinbruch nicht klar sind. Allerdings dürfte vor allem die Industrieproduktion belastet haben. Nach neuen Zahlen stieg sie im Juni zwar moderat an. Von April bis Juni dürfte sie aber um insgesamt 0,4 Prozent zum Vorquartal geschrumpft sein, schreibt Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank in einem Kommentar. Hinzu komme die ebenfalls schwache Entwicklung des Einzelhandels. Diese "harten" Zahlen wollen nicht so recht zu Stimmungsindikatoren passen, die in den letzten Monaten auf Wachstum schließen ließen.

Experte: "Reformen dauern zu lange"

Damit sieht das Bild in Italien erheblich schlechter aus als in Spanien, der viertgrößten Volkswirtschaft der Eurozone. Nach Zahlen von Ende Juli windet sich Spanien nämlich mit wachsendem Tempo aus der Rezession heraus - nach mehr als zweijähriger Talfahrt. 

Volkswirt Schulz sieht vor allem hausgemachte Gründe für die italienischen Konjunkturprobleme: In der Reformgeschwindigkeit hinke das Land anderen angeschlagenen Euroländern klar hinterher, so Schulz. Auch der als reformfreudig geltende Ministerpräsident Renzi kämpfe damit, nennenswerte Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen. "Das ist der Hauptunterschied zu Ländern wie Spanien und Portugal."

Quelle: ntv.de, kat/dpa

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