Wirtschaft

Die Zinsen steigen Italiens Probleme wachsen

Kaum hat mit den USA die größte Volkswirtschaft der Welt die drohende Pleite verhindert, richten sich die Augen auf die andere Seite des Atlantiks. Dafür gibt es gute Gründe, die aber alles andere als erfreulich sind. Die europäische Schuldenkrise ist noch nicht ausgestanden - im Gegenteil.

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Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

(Foto: REUTERS)

Italien und Spanien geraten an den Finanzmärkten weiter unter Druck: Die Zinssätze für Staatsanleihen steigen und liegen mittlerweile auf einem kritischen Niveau. Für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit müssten die beiden Euro-Länder jeweils mehr als 6 Prozent zahlen. Dauerhaft ist eine Refanzierung so weder für Rom noch für Madrid möglich. Zum Vergleich: Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen liegt bei 2,4 Prozent.

Damit droht das einzutreten, was die Eurozone unter allen Umständen verhindern will: Die Krise in Griechenland, Portugal und Irland kann auf die großen Volkswirtschaften Italien und Spanien überschwappen. In der Eurozone wächst die Angst, dass beide Länder bald in so ernsthafte Finanzierungschwierigkeiten geraten, dass sie auf Hilfe angewiesen sind. Ob die Kraft der Eurozone dafür aber ausreicht, wird allgemein bezweifelt. Denn mit Spanien und Italien handelt es sich um die viertgrößte und die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion.

Die Zinsen steigen

Beide Regierungen haben sich Sparprogramme auferlegt. So kündigte Rom an, in den kommenden Jahren 48 Mrd. Euro zu sparen und im Jahre 2014 einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren.

Doch der Finanzmarkt reagiert darauf skeptisch. Vielfach wird bezweifelt, dass die angeschlagene Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi dieses Ziel tatsächlich erreicht. Zudem ist fraglich, ob das Land angesichts von Sparkurs und weltweiten Konjunktursorgen das dringend benötigte Wachstum erreicht. Italiens Wirtschaft stagniert, und Rom hat nach Griechenland den zweithöchsten Stand der Eurozone – 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Viele Investoren meiden angesichts der Probleme des Landes italienische Staatsanleihen. Weil die Vorsicht wächst, muss Rom immer höhere Zinsen bieten. Die Renditen für italienische Papiere sind auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro gestiegen.

Banken ziehen sich zurück

In Rom herrscht deshalb Krisenstimmung. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti trifft Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Luxemburg, um über den Vertrauensschwund zu sprechen. "Wir haben solide ökonomische Fundamentaldaten", sagte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi indes nach Börsenschluss vor dem Parlament in Rom und versuchte, die Gemüter zu beruhigen.

Auch das heimische Finanzsystem sei robust, führte er weiter aus. Die Anstrengungen, das Wachstum anzukurbeln, müssten verdoppelt werden. Die Märkte ignorierten die Stärke der Wirtschaft, betonte er und verbreitete demonstrativ Optimismus..

Diese Zuversicht wird von wichtigen Investoren aber nicht geteilt. Banken vermindern ihr Engagement in italienischen Papieren oder ziehen sich sogar ganz zurück. So hielt die Deutsche Bank Ende Juni noch Anleihen im Volumen von 997 Mio. Euro. Sechs Monate zuvor waren es noch mehr als 8 Mrd. Euro gewesen.

Die Schuldenkrise in der Eurozone ist noch lange nicht beendet.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/dpa/AFP

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