Wirtschaft

Löscher geht Kaeser wird Siemens-Chef

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Steht künftig an der Siemens-Spitze: Joe Kaeser.

(Foto: AP)

Der Wechsel an der Siemens -Spitze ist perfekt. Der Aufsichtsrat verabschiedet Vorstandschef Löscher und macht den bisherigen Finanzchef Kaeser zu seinem Nachfolger. Löscher stürzt über eine Serie von Rückschlägen – unter anderem über die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten.

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Der bisherige Finanzvorstand Joe Kaeser wird neuer Chef des Technologiekonzerns Siemens. Dies habe der Aufsichtsrat, teilte das Unternehmen mit. Der bisherige Vorstandschef Peter Löscher lege sein Mandat "mit Ablauf des heutigen Tages nieder und scheidet in gegenseitigem Einvernehmen aus dem Vorstand aus". Löscher solle aber dem Unternehmen weiter verbunden bleiben und unter anderem den Vorsitz des Stiftungsrates der Siemens-Stiftung übernehmen.

Siemens-Aktien reagierten kaum auf den Führungswechsel. "Seit der Gewinnwarnung wurde ein baldiger Rücktritt Löschers diskutiert. Die heutige Mitteilung ist also nur eine Vollzugsmeldung", sagte ein Händler. Auch die kurz darauf vorgelegten Quartalszahlen sorgten für keine Impulse.

In Löschers Amtszeit fielen zahlreiche Misserfolge. Siemens konnte Züge nicht rechtzeitig an die Deutsche Bahn liefern, Windparks in der Nordsee nicht an das Stromnetz anschließen und gab schließlich in der vergangenen Woche sein Renditeziel auf - das war die zweite Gewinnwarnung innerhalb von drei Monaten. Seit Beginn seiner Amtszeit 2007 war es das sechste Mal, dass Löscher die Geschäftsaussichten falsch eingeschätzt hatte.

Seine Ablösung galt in den vergangenen Tagen bereits als sicher, nachdem sich der Aufsichtsrat bei Marathon-Beratungen am vergangenen Wochenende mehrheitlich auf die Personalien verständigt hatte. Eigentlich wäre sein Vertrag noch bis 2017 gelaufen.

"Zurück zu altem Glanz"

Löscher sagte, es wäre "fatal" für die Zukunft des Unternehmens, wenn der "eingeschlagene erfolgreiche Kurs der Neuausrichtung" von Siemens "durch ein nicht mehr vorhandenes Vertrauensverhältnis in Frage gestellt würde". Er betonte: "Die Interessen Einzelner, auch meine eigenen, haben hinter dem Wohlergehen des Unternehmens zurückzustehen." Er sei in der vergangenen Woche zu dem Schluss gekommen, "dass eine vertrauensvolle Basis für einen Verbleib an der Spitze der Siemens AG nicht mehr gegeben ist".

Kaeser kündigte an, dem Münchener Technologiekonzern nach Löschers Pannenserie wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Siemens sei kein Sanierungsfall. "Wir haben uns zuletzt aber zu viel mit uns selbst beschäftigt und etwas die Ertragsdynamik gegenüber dem Wettbewerb verloren. Mein erklärtes Ziel ist es, Siemens in ein ruhiges Fahrwasser zurückzuführen und ein Hochleistungsteam zu formen". Im Herbst werde das "Team Siemens" eine überarbeitete Version des Renditeprogramms vorstellen und eine Vision für den Konzern entwerfen. "Siemens wird es auch nach 2014 geben", sagte Kaeser.

Zunächst musste Kaeser aber am Tag vor seinem Amtsantritt operativ einen Gewinneinbruch vermelden. Im abgelaufenen Quartal sei der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf eine Milliarde Euro geschrumpft, teilte Siemens mit. Der Umsatz ging demnach um zwei Prozent auf knapp 19,3 Milliarden Euro zurück. Die Zahlen lagen im Rahmen der Analystenerwartungen.

Auftragseingang legt zu

Besonders die Zugsparte schnitt schlecht ab. Die technischen Probleme in dem Geschäft sowie der Sanierungskurs des scheidenden Konzernchefs Löscher den Infrastruktursektor in die roten Zahlen gedrückt, hieß es. Dort stand ein Fehlbetrag von 15 Millionen Euro zu Buche. Zugleich sorgte das Zuggeschäft mit einem drei Milliarden Euro schweren Auftrag aus England allerdings dafür, dass der Auftragseingang des Konzerns um ein Fünftel auf 21,1 Milliarden Euro kletterte.

Unter dem Strich verdiente Siemens durch die Trennung von Osram und seiner Anteile am Netzwerkbauer NSN mit 1,1 Milliarden Euro fast die Hälfte mehr als im Vergleichszeitraum. Den im Frühjahr gesenkten Ausblick für das Gesamtjahr hielt Siemens aufrecht. Aus dem fortgeführten Geschäft wollen die Münchner einen Gewinn von vier Milliarden Euro erwirtschaften.

Quelle: ntv.de, jga/rts/DJ/rts