Wirtschaft

"Missbrauch" beim Ticket-Angebot? Kartellwächter prüfen Deutsche Bahn

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Das ist die Stelle, an der sich Bahn und Kunde berühren: Muss der Staatskonzern bald seine Automaten für den Wettbewerb öffnen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Scharfe Blicke am Bahnhof: Deutschlands oberste Kartellwächter wollen sich den Verkauf von Fahrkarten näher ansehen. Das Bundeskartellamt hegt den Verdacht, die Deutsche Bahn könnte ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchen - zum Nachteil von Konkurrenz und Kunden.

Das Bundeskartellamt nimmt den Ticket-Verkauf im deutschen Schienenverkehr genauer unter die Lupe. Die Behörde leitete ein Verfahren gegen die Deutsche Bahn wegen mutmaßlichen Missbrauchs beim Fahrkartenvertrieb ein.

Das Kartellamt werde prüfen, ob Wettbewerber der Bahn ihre Fahrkarten an Bahnhöfen anbieten können, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Es liege der Verdacht auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vor. Eine Stellungnahme der Bahn lag zunächst nicht vor.

"Wettbewerber beklagen, dass sie allenfalls einen eingeschränkten Zugang zu den Vertriebskanälen der Deutschen Bahn haben", sagte Mundt. "Wir werden der Frage nachgehen, warum Wettbewerber der Deutschen Bahn ihre Fahrkarten nicht an den Bahnhöfen verkaufen können." Auch der Vertrieb von Fahrkarten, den die Deutsche Bahn für andere Unternehmen betreut, komme auf den Prüfstand, hieß es.

"Funktionierender Wettbewerb beim Fahrkartenverkauf ist essentiell für den Wettbewerb auf der Schiene", betonte der Behördensprecher. Von einem wettbewerblich organisierten Markt profitieren insbesondere auch die Verbraucher, "weil sie sich aus einer breiten Angebotspalette diejenigen Güter und Leistungen auswählen können, die am ehesten ihren Vorstellungen entsprechen", wie es in früheren Mitteilungen des Bundeskartellamts heißt.

Aus der Politik kommen kritische Stimmen. "In den letzten Jahren gab es mehrfach Anlass zur Vermutung, dass die Bahn ihre Konkurrenten benachteiligt", sagte die wettbewerbspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, n-tv.de. Ihre Partei fordere bereits seit geraumer Zeit "die Trennung von Infrastruktur und Bahn". Für die Große Koalition sei die Trennung allerdings vom Tisch, so Dröge weiter. "Sie bekennt sich klar zu einem integrierten Bahnkonzern und damit gegen die klare Förderung von mehr "Wettbewerb und fairen Preisen im Bahnverkehr."

Ungemütliche Fragen

Im Rahmen des nun anstehenden Überprüfungsverfahrens wird das Bundeskartellamt auch untersuchen, inwieweit "unterschiedliche Provisionshöhen beim Fahrkartenvertrieb" für Wettbewerber gerechtfertigt sind. Außerdem solle geklärt werden, so hieß es bei der Bonner Behörde weiter, ob die Deutsche Bahn "die gesetzliche Verpflichtung zur Aufstellung gemeinsamer Tarife dazu missbraucht, Wettbewerber darüber hinaus auch zur Nutzung der Vertriebsleistungen der Deutschen Bahn zu verpflichten".

Konkret muss sich die Deutsche Bahn AG darauf einstellen, zunächst "umfangreiche" Fragen der Kartellwächter beantworten zu müssen. Befragt werden sollen auch mehrere konkurrierende Bahnanbieter im Nah- und Fernverkehr sowie Experten des Tarifverbands Bundeseigener und Nicht-Bundeseigener Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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