Wirtschaft

Weder Ostprodukt noch DDR-Marke Keine "Ostalgie" bei Rotkäppchen

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Sprudelnde Traditionsmarke: Rotkäppchen

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Zum Jahrestag der Deutschen Einheit wird wohl auch manche Flasche "Rotkäppchen-Sekt" geköpft werden. Das freut die Sektkellerei, doch am Unternehmenssitz in Freyburg setzt man nicht auf das "Ostprodukt"-Image - ganz im Gegenteil. "'Rotkäppchen' ist eine nationale Marke, die schon um 1900 erfolgreich war", betont Marketing-Manager Peter O. Claußen gegenüber n-tv.de.

n-tv.de: Von mehr als 700 DDR-Marken haben 20 Jahre nach dem Mauerfall nur etwa 120 überlebt. "Rotkäppchen-Sekt" steht dabei für die Erfolgsgeschichte unter den ehemaligen Ostprodukten. Wie erklärt sich dieser Erfolg? Was hat "Rotkäppchen" anders gemacht als andere Firmen?

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Erfolgreiche Kampagne: Schnittmuster für das Kleid aus der Rotkäppchen-Werbung werden im Internet heiß gehandelt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Peter O. Claußen: Rotkäppchen Sekt ist kein "Ostprodukt" und keine "DDR"-Marke, sondern versteht sich als Marke, die schon 1894 eingeführt wurde, als eine nationale Marke mit starker regionaler Wurzel. Diese Marke hatte schon um 1900 einen großen nationalen Auftritt und exportiert wurde auch. Daher die Stärke und der Anspruch der Marke Rotkäppchen nach der Wende: Zuerst mit der starken Marke, die für alkoholische Getränke eingetragen ist, und dem überarbeiteten Auftritt, wobei die Distribution im Osten mit seinen verschwindenden Distributionsstrukturen bei den neuen Handelspartnern aufgebaut und das vorhandene Verbrauchervertrauen gestärkt wurde.

Wie ist der Sprung auf den bundesweiten Markt gelungen?

Rotkäppchen hatte seit 1994 einen nationalen Auftritt im TV; Promotions und PR liefen auch gleich national. Dazu kamen ein vernünftiger Distributionsaufbau, akzeptable Preise und ein breites Sortiment. Die Abverkaufszahlen haben dann den Handel überzeugt, der Marke mehr Raum in den Regalen einzugestehen – und so baute sich der Erfolg nach und nach auf.

Auch andere Marken wie "Spee" oder "Florena" haben überlebt, wurden allerdings von Westfirmen wie Henkel oder Beiersdorf aufgekauft. "Rotkäppchen" hat es dagegen alleine geschafft und sogar später seinerseits Westmarken aufgekauft. War für das Unternehmen jemals eine Übernahme durch eine Westfirma im Gespräch? Zum Beispiel 1990, als es der Firma nicht gut ging?

Es gab nach der Wende viele Firmen, die sich über die Sektkellerei informiert hatten. Letztendlich war es jedoch ein Management Buy-Out im Jahre 1993 durch fünf ehemalige leitende Mitarbeiter und den Unternehmer Harald Eckes-Chantré. Diese neuen Eigentümer waren von der Stärke der Marke Rotkäppchen überzeugt, sie kannten die Kategorie und die Verbraucher sehr gut und sie glaubten daran, Rotkäppchen wieder zu alter Stärke führen zu können.

Die Marke "Rotkäppchen" steht auch für einen guten Schluck Nostalgie. Sorgen Jahrestage wie der der Deutschen Einheit für Umsatzsprünge?

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Peter O. Claußen, Marketingdirektor Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH

Wir glauben, dass nur ein kleiner Teil des Erfolges von Rotkäppchen Nostalgie ist. Wir glauben vielmehr, dass die Breite des Sortimentes, die Geschmacksvielfalt, das Image der Marke und das gute Preis-Leistungsverhältnis über die Jahre das Vertrauen der Verbraucher gewonnen haben. Am Jahrestag der Deutschen Einheit werden im Handel viele Aktionen mit Rotkäppchen stattfinden, aber für den Verbraucher sind eher die Preise als der Jahrestag der zusätzliche Anreiz zum Kauf.

Und was wünschen Sie sich für die nächsten 20 Jahre?

Rotkäppchen ist eine der erfolgreichen Marken der Firma Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien. Und ich wünsche mir natürlich, dass das so bleibt und wir weiterhin erfolgreich am Markt bestehen können.

Quelle: n-tv.de, mit Peter O. Claußen sprach Samira Lazarovic