Wirtschaft

Krisensitzung wegen Yen Knickt die Bank of Japan ein?

Die Spekulationen über eine Intervention am Devisenmarkt gegen den Höhenflug des Yen halten an. Bis jetzt gingen Beobachter davon aus, dass die Notenbanker in Japan nicht viel tun werden. Insidern zufolge ist nun aber eine Krisensitzung angesetzt. Geben die Notenbanker dem Druck Tokios nach?

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Medienberichten zufolge stehen die japanischen Finanzbehörden (hier die Bank of Japan) für eine konzertierte Aktion zur Schwächung des Yen bereit.

(Foto: REUTERS)

Der Board der Bank of Japan (BoJ) könnte nach Angaben informierter Personen bereits am Montag zu einer Krisensitzung zusammenkommen, um über Maßnahmen zur Abbremsung der Yen-Aufwertung zu beraten. Wie es am Wochenende in diesen Kreisen hieß, erwägt die BoJ eine zusätzliche geldpolitische Lockerung, um dieses Ziel zu erreichen. Die BoJ sei besorgt, dass die Aufwertung der Landeswährung die Erholung der exportorientierten Wirtschaft Japanas gefährde.

Nach Angaben einer informierten Person dürfte die BoJ darauf achten, dass ihre Schritte zusammen mit den neuen Maßnahmen der Regierung zur Konjunkturbelebung erfolgen. Damit solle gegenüber den internationalen Finanzmärkten eine entschlossene Haltung Japans demonstriert werden. Außerdem werden Devisenmarktinterventionen für möglich gehalten, nachdem Finanzminister Yoshihiko Noda kürzlich "entschlossene Schritte" gegen die Yen-Aufwertung angekündigt hatte.

Tokio schnürt neues Paket

Nach Einschätzung dieser Kreise wird die BoJ ihre Maßnahmen bereits vor dem für 6./7. September angesetzten regulären Board-Meeting treffen. Demnach wird sich Ministerpräsident Naoto Kan mit BoJ-Gouverneur Masaaki Shirakawa treffen, sobald dieser vom Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City in Jackson Hole zurückkehrt. Der BoJ-Board dürfte am Montag oder Dienstag zusammentreten, wenn die Regierung ihre neuen Stimulierungsmaßnahmen vorstellt.

Dieses Programm dürfte ein Volumen von 920 Mrd. Yen haben, die die Regierung aus einem Sonderfonds nehmen will. Sollte dieses Geld nicht ausreichen, könnte die Regierung auf den im vergangenen Jahr erzielten Haushaltsüberschuss von 800 Mrd. Japanischen Yen zurückgreifen. Allerdings wird das Parlament versuchen, dass Programm so klein zu halten, dass eine zusätzliche Emission von Staatsanleihen nicht notwendig wird.

Geldpolitik noch nicht ausgereizt

Vor dem Hintergrund dieser Restriktion wächst seit einiger Zeit der Druck auf die Geldpolitik, einen größeren Beitrag zur Wachstumsstützung zu leisten. So hatte Finanzminister Noda kürzlich gesagt, Geldpolitik könne so kreativ umgesetzt werden, dass sie der Besserung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage dienen könne.

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BoJ-Gouverneur Masaaki Shirakawa auf dem treffen in Jackson Hole in Wyoming.

(Foto: REUTERS)

Nach Aussage eines Insiders, der mit den Überlegungen in der BoJ vertraut ist, könnte die Notenbank das Volumen ihrer mit 0,1 Prozent verzinsten dreimonatigen Kreditfazilität erhöhen, um eine zusätzliche geldpolitische Lockerung herbeizuführen. Möglich wäre auch eine Verlängerung dieser gegenwärtig 20 Bill. Yen umfassenden Fazilität auf sechs Monate.
 

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Zu den Lockerungs-Optionen der BoJ gehört ferner eine Erhöhung ihrer Anleihekäufe oder eine Senkung des seit Dezember 2008 bei 0,1 Prozent liegenden Leitzinses. Allerdings haben BoJ-Offizielle bereits die Befürchtung geäußert, dass noch mehr Anleiherückkäufe die fiskalische Disziplin sowie die langfristige Glaubwürdigkeit des Anleiheemittenten Japan beschädigen könnte.

Nach der so genannten Banknotenregel darf das Volumen der gekauften Anleihen jenes der umlaufenden Banknoten nicht übersteigen. Nach dieser Regel hat die BoJ noch einen Spielraum von 20 Bill. Japanischen Yen.

Quelle: n-tv.de, DJ

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