Wirtschaft

Rotes Jahr in ganz Europa Krise bremst Automarkt aus

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(Foto: dpa)

Dicke zweistellige Rücksetzer bei den Neuzulassungen in vielen europäischen Ländern bescheren der Autoindustrie ein trübes Jahr. Den deutschen Herstellern geht es trotz aller Hiobsbotschaften relativ gut, was an starken Verkäufen in den USA liegt. Hierzulande sinkt dagegen die Zahl neu zugelassener Fahrzeuge, Besserung ist auch 2013 nicht in Sicht.

Die Absatzkrise am europäischen Automobilmarkt ist auch an Deutschland nicht spurlos vorübergegangen. Mit 3,08 Mio. Neuzulassungen kamen im vergangenen Jahr 2,9 Prozent weniger neue Pkw auf Deutschlands Straßen als im Jahr 2011, teilte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) mit.

In vielen Ländern Europas, vor allem im schuldenbeladenen Süden, wurden 2012 so wenige Neuwagen verkauft wie seit Jahren, teils Jahrzehnten, nicht mehr. Wegen hoher Arbeitslosigkeit und trüber Aussichten scheuen dort viele Kunden den Kauf teurer Autos. Im prosperierenden Deutschland erwies sich der Pkw-Markt hingegen lange als stabil. Die heimischen Oberklasse-Hersteller profitierten außerdem davon, dass sich ihre Limousinen und Geländewagen in den USA und China weiter gut verkaufen.

Für 2013 erwartet der Verband der Autoimporteure im besten Fall Stagnation in Deutschland: "Wenn eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation gelingt und sich die bestehende Konsumneigung auch auf den Pkw-Markt überträgt, dann hält der VDIK für das Jahr 2013 über 3,0 Mio. Pkw-Neuzulassungen bis hin zum Ergebnis 2012 für möglich", sagte VDIK-Präsident Volker Lange. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht für 2013 von rund 3,1 Mio. Neuregistrierungen aus.

Verglichen mit anderen europäischen Ländern fiel der Rückgang auf dem deutschen Automarkt im vergangenen Jahr glimpflich aus: In Italien brachen die Absatzzahlen um 19,9 Prozent auf 1,4 Mio. ein - so wenige Autos wurden dort zuletzt 1979 verkauft. Der Rückgang war der fünfte in Folge. In Frankreich wurden 1,9 Mio. Autos neu zugelassen - das sind 14 Prozent weniger als 2011 und so wenige wie letztmals 1997. In Spanien schrumpfte die Zahl der verkauften Fahrzeuge 2012 um 13 Prozent auf knapp 700.000 und damit auf ein Niveau wie zu Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1989.

Nur Porsche legt zu

In Deutschland ging im Dezember die Zahl der Neuzulassungen um 16 Prozent auf 204.000 zurück, allerdings gab es vier Arbeitstage weniger als im Vorjahresmonat. Bis auf Porsche büßten laut Kraftfahrt-Bundesamt alle deutschen Autobauer ein. Die größten Rückgänge entfielen im Dezember wie im Gesamtjahr auf Opel; die strauchelnde Tochter des US-Autokonzerns General Motors verbuchte 2012 ein Minus bei den Neuzulassungen von 16 Prozent. Auch Platzhirsch VW verlor zwei Prozent, blieb aber mit fast 673.000 Neuwagen und einem Marktanteil von 21,8 Prozent unangefochten auf Platz 1. Die Konzerntöchter Audi und Porsche konnten übers Gesamtjahr zulegen, während von anderen teuren Marken wie Mercedes, BMW und Mini weniger Neuwagen zugelassen wurden.

Bei den ausländischen Marken blieben trotz Rückgängen Ford sowie Renault /Dacia vorn. Renaults Deutschland-Chef Achim Schaible sagte, er sei optimistisch, weil die ökonomischen Indikatoren für die Bundesrepublik weiter gut seien. 3,0 bis 3,1 Mio. Neuzulassungen erschienen ihm als Ziel für den Markt insgesamt realistisch. "Ich sehe keinen Grund, warum für den deutschen Markt Panik ausbrechen sollte."

Europa pfui, USA hui

Deutlich besser in Europa lief es im Dezember für die Autobauer in den USA. Ein gutes Weihnachtsgeschäft bescherte den großen Konzernen zum Jahresausklang deutliche Zuwächse.

General Motors verkaufte nach Angaben von Donnerstag im Dezember fast 246.000 Fahrzeuge auf dem Heimatmarkt, das sind fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Ford meldete ein Plus von zwei Prozent auf gut 214.000 Wagen. Dies seien die besten Dezember-Verkaufszahlen seit dem Vorkrisenjahr 2006. Der Dritte im Bunde der amerikanischen "Big 3", der Autobauer Chrysler, steigerte seinen Absatz um zehn Prozent auf mehr als 152.000 Fahrzeuge. Auch ausländische Hersteller legten kräftig zu: der japanische Toyota -Konzern um neun Prozent auf gut 194.000, Volkswagen um 35 Prozent auf 44.000 Wagen. Die VW-Tochter Audi erzielte einen Anstieg von 17 Prozent.

Vor allem die deutschen Oberklasse-Autobauer profitieren davon, dass ihre teuren Limousinen und Geländewagen im zweitgrößten Pkw-Markt der Welt weiter reißenden Absatz finden. In den USA wie in China gleichen die Konzerne Rückgänge in Europa aus.

Für die USA gehen Experten davon aus, dass die Autoverkäufe im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf rund 14,5 Millionen Fahrzeuge angezogen haben. Dies wäre der beste Wert seit 2007. Die allmähliche Erholung der amerikanischen Wirtschaft, die leichtere Verfügbarkeit von Krediten und die Notwendigkeit, alte Fahrzeuge zu ersetzen, sorgten demnach für Schwung am lange lahmenden Automarkt. Für 2013 erwartet das Marktforschungsunternehmen Polk einen Anstieg der Verkaufszahlen in den USA auf 15,3 Millionen - ein Plus von knapp sieben Prozent.

Quelle: n-tv.de, nne/rts

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