Wirtschaft

Ökopionier gegen Autoriese Lichtblick streitet mit VW um Mini-Kraftwerke

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VW Touran in der Endkontrolle. Das Modell gibt es auch mit Gasantrieb.

(Foto: picture alliance / dpa)

2009 erklären Volkswagen und Lichtblick "eine weltweit exklusive Energie-Partnerschaft", in der kleine Blockheizkraftwerke mit VW-Gasmotoren, entstehen. Lichtblick vertreibt sie als "Zuhause-Kraftwerke". Damit ist nun Schluss, es geht um Schadenersatz.

Der Hamburger Stromversorger Lichtblick macht dem Energiepartner Volkswagen massive Vorwürfe und sucht die Konfrontation mit Europas größtem Autobauer. Der Branchemprimus soll bei dem Gemeinschaftsprojekt für hochmoderne Mini-Kraftwerke "wesentliche wirtschaftliche Vertragsvereinbarungen" verletzt haben, hieß es. Die Wolfsburger hätten die Kooperation angeblich mit einem realitätsfernen Preisdiktat vor die Wand gefahren. Nun sei fast jeder siebte Lichtblick-Job in Gefahr. Auf der Gegenseite spricht VW nüchtern von Differenzen und bedauert das Aus des Projekts.

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Mit dem Streit David gegen Goliath endet auch ein Vorzeigevorhaben der Energiewende, in dessen letztem Kapitel sich beide Seiten womöglich noch vor Gericht wiedersehen: Lichtblick will Schadenersatz von VW. Die Auseinandersetzung könnte auch Auswirkungen auf zwei weitere Projekte der beiden Partner haben, die noch laufen.

"Zuhause-Kraftwerke"

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Ein "Zuhause-Kraftwerk" wird bei VW in Salzgitter von einem Mitarbeiter in der Endabnahme begutachtet. Das Kraftwerk ist ein Gemeinschaftsprojekt von Volkswagen und dem Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ausgangslage: 2009 erklärten Volkswagen und Lichtblick in Salzgitter feierlich "eine weltweit exklusive Energie-Partnerschaft", in der VW kleine Blockheizkraftwerke (BHKW) baut. Deren Abwärme kann gleich direkt am Ort genutzt werden, die Stromproduktion schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe. In den Mini-Kraftwerken laufen VW-Gasmotoren, die auch schon im Touran und Caddy zum Einsatz kamen.

Lichtblick vertrieb die Anlagen als "Zuhause-Kraftwerke" und wollte mit ihnen ein System aufbauen, das ein neues Kapitel der dezentralen, flexiblen Stromerzeugung aufschlägt. Satte 100.000 Mini-BHKW wolle man langfristig verkaufen und zu Deutschlands größtem virtuellen Gaskraftwerk vernetzen - so der Plan damals. Ganze zwei Atomkraftwerke sollten damit überflüssig werden, hieß es Ende 2010 nach den ersten Installationen bei Privat- und Gewerbekunden.

Bisher sind aber nur 1500 Mini-Kraftwerke unters Volk gekommen. Dass es anfangs viele technische Probleme gab, ist längst kein Geheimnis mehr. "Diese konnten jedoch in intensiver Zusammenarbeit der Partner gelöst werden", erklärt Lichtblick und verweist dabei auf "erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen", die man investiert habe. Offensichtlich rückten die hochgesteckten Ziele zusehends in weite Ferne, Nachverhandlungen wurden nötig. VW ist eher ein Partner für große Volumina, nicht für Kleinserien.

Flucht nach vorn

"Wir haben fünf Jahre gemeinsam gesät. Doch jetzt, wenn die Ernte eingefahren werden soll, sind wir nicht mehr daran beteiligt", wetterte Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz im "Hamburger Abendblatt", das als erstes über den Streit berichtete. Nun legte Lichtblick mit einer Mitteilung nach, in der von Tschischwitz feststellte: "Letztendlich wollte VW uns Bedingungen diktieren, die vollkommen inakzeptabel sind." Spätestens damit scheint klar, dass der Juniorpartner keine Basis mehr auf Augenhöhe sah und den internen Streit mit einer Flucht nach vorn öffentlich machte.

Die kritisierte Gegenseite, der immerhin Vertragsbruch unterstellt wird, sagte zu den Vorwürfen, dass es bei anstehenden Verhandlungen zur künftigen Zusammenarbeit bei den Mini-Kraftwerken "Vorstellungen" gegeben habe, die "weit auseinander" lägen: "Volkswagen hat daraufhin vor wenigen Wochen ein nachgebessertes Angebot vorgelegt, das Lichtblick nicht akzeptiert hat." Man bedauere das. Zum Inhalt der Offerte wurde nichts bekannt. Nach dem Aus setzen die Wolfsburger nun auf "bestehende alternative Vertriebspartner»".

Zwei weitere Kooperationen

Lichtblick hätte nach eigener Darstellung nur zu gern weitergemacht, doch alle Rettungsversuche seien gescheitert. Pikant ist, dass die Partner noch zwei weitere Projekte vorantreiben. Ob auch sie mit dem Streit in Gefahr geraten, war zunächst unklar. VW glaube weiter an den Erfolg der laufenden übrigen Vorhaben mit Lichtblick, sagte ein Sprecher. Lichtblick entgegnete: "Wir würden die Kooperationen gern fortführen."

Die Zwei kooperieren auch bei Ökostromtarifen für Elektroautos der Marken VW-Pkw, Audi und Porsche. Zudem testen die Unternehmen in Berlin mit einem Feldversuch, inwieweit batteriebetriebene Wagen aus E-Fahrzeugflotten während der Standzeit als intelligente Stromspeicher taugen. Der Weg weg von den großen Atom- oder Kohlemeilern hin zu einer dezentral gesteuerten Versorgung über alternative Quellen wie Sonne und Wind gilt als eine der größten Herausforderungen bei der Energiewende.

Quelle: ntv.de, bad/dpa