Wirtschaft

Morgan Stanley verlegt Mitarbeiter London fürchtet Abwanderung von Firmen

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London fürchtet die Abwanderung von Unternehmen - gerade der Bankensektor dürfte darunter leiden.

(Foto: REUTERS)

Nach der Entscheidung für den Brexit fürchtet London um seine Stellung als Finanzplatz. Bürgermeister Khan richtet deshalb einen Appell an die Unternemen. Doch erste Banken reagieren bereits. Und Frankfurt rüstet sich für neue Arbeitsplätze.

Nach dem Brexit-Votum appelliert Londons Bürgermeister Sadiq Khan an die Unternehmenswelt, seiner Stadt nicht den Rücken zu kehren. London bleibe "der beste Platz auf der Welt, um Geschäfte zu machen", erklärte Khan. Die Unternehmen dürften jetzt "nicht in Panik verfallen".

Zugleich forderte Khan, der vehement für den EU-Verbleib geworben hatte, die weitere Teilhabe Großbritanniens am europäischen Binnenmarkt. "Einen gemeinsamen Markt mit 500 Millionen Menschen und all seinen Freihandelsvorteilen zu verlassen, wäre ein Fehler", mahnte er. In diesem Punkt werde er Druck auf die britische Regierung machen.

Die Stadt London müsse in den Verhandlungen der Regierung mit der EU "eine Stimme" haben, gemeinsam mit Schottland und Nordirland, verlangte Khan. In den beiden Regionen und der Hauptstadt hatte jeweils eine Mehrheit für den EU-Verbleib votiert.

Morgan Stanley verlagert Mitarbeiter

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Allerdings erwägt die US-Großbank JPMorgan bereits, einen Teil ihrer 16.000 Mitarbeiter aus Großbritannien abzuziehen. Möglicherweise könnten Veränderungen beim Einsatzgebiet von Angestellten nötig werden, hieß es in einem internen Schreiben, das die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte. Die Bank werde aber "eine starke Präsenz" in Großbritannien behalten. Unternehmenschef Jamie Dimon hatte schon vor dem Referendum erklärt, 1000 bis 4000 Arbeitsplätze könnten verlagert werden.

Die britische BBC meldete, dass die Bank Morgan Stanley bereits begonnen habe, 2000 Mitarbeiter nach Dublin und Frankfurt zu verlegen. Dies betreffe die Investment-Abteilung, hieß es. Bankchef Colm Kelleher hatte zuvor den Brexit als wichtigste Sache bezeichnet, die man seit dem Zweiten Weltkrieg gesehen habe.

Derweil gab sich der größte Investmentfonds der Welt, Blackrock, gelassen. Der Brexit "ändert nichts am Umgang mit Investitionen und Kunden in Europa", erklärte das Unternehmen. Zwar werde das Brexit-Votum für "eine lange Periode der Unsicherheit in Politik, Wirtschaft und an den Märkten" sorgen. Andererseits könnten sich nun auch neue "Möglichkeiten" eröffnen. "Die amerikanischen und asiatischen Märkte sind nur am Rande betroffen", zeigte sich Blackrock überzeugt.

Frankfurt erwartet mehr Arbeitsplätze

Die mögliche Schwächung der Londoner City sorgt derweil am Bankenplatz in Frankfurt am Main für gemischte Gefühle. "Natürlich glauben wir, dass Frankfurt als Finanzplatz durch den Brexit gestärkt wird", sagt Thomas Schlüter, Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken. Anlass zum Jubeln biete das aber keineswegs, denn die Schwächung der EU wiege für die Branche deutlich schwerer als mögliche Zugewinne in Frankfurt. "Es ist insgesamt ein schwarzer Tag für Europa", stellt Schlüter fest.

Auch für Hubertus Väth, Geschäftsführer des Interessenverbandes Frankfurt Main Finance, war der Ausgang des Referendums eine herbe Überraschung. Er will sich aber schnellstmöglich auf die positiven Aspekte des Paukenschlags konzentrieren. Viele "sehr konkrete Anfragen" internationaler Unternehmen habe es in den vergangenen Monaten gegeben, erläutert Väth. Der Verband habe schon Vorkehrungen für Umzugswillige getroffen. "Konservativ geschätzt" könnten demnach binnen fünf Jahren 1,5 bis zwei Prozent der Londoner Finanzjobs nach Frankfurt wechseln. "Das wären mindestens 10.000 Arbeitsplätze".

Für einen Umzug spricht laut Väth viel: 40 Prozent der Banken in London seien nur dort, weil sie den Standort als Portal zum weltweit größten Binnenmarkt betrachten. Auch würden nach einem Austritt in Großbritannien zugelassene Finanzprodukte nicht mehr automatisch für die gesamte EU gelten. Falle dieser "EU-Reisepass" weg, könne eine Umzugswelle weg von der Insel folgen.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP

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