Wirtschaft

Ryanair und Easyjet im Visier Lufthansa greift Billigflieger an

bbi.jpg

Ganz groß abheben - das will die Lufthansa künftig in Berlin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Lufthansa lockt im großen Stil preisbewusste Berlin-Touristen und investiert dafür rund 60 Millionen Euro. Das Problem dabei: Da das Ganze auf Kosten von Piloten und Stewardessen geht, könnten sich die Gewerkschaften querstellen.

Mit neuen Zielen im Flugplan und einem Billigtarif kämpft die Lufthansa um mehr Marktanteile in Berlin. Der deutsche Marktführer kündigte einen deutlichen Ausbau seines Angebots am Hauptstadtflughafen an, der im Juni 2012 als drittgrößter deutscher Airport in Betrieb geht.

Die Airline wird künftig von Berlin aus statt bisher zu 8 zu 38 Zielen aufbrechen. Mit einem Inklusive-Einstiegspreis von 49 Euro für einen einfachen Flug in Europa nimmt die Lufthansa dabei Ryanair und Easyjet ins Visier. Wegen der geringeren Löhne für das Personal bahnt sich jedoch ein Streit mit den Gewerkschaften an.

Vom Berlin-Tourismus profitieren

"Wir brauchen uns hier nicht mehr zu verstecken", kommentierte Vorstand Carsten Spohr das künftige Angebot. Mit Konzernmarken wie Germanwings und den Partnern aus der Star Alliance biete man künftig sogar 49 Ziele. 35 Flugzeuge der Lufthansa-Gruppe flögen dann nur für Berlin. Die Star Alliance eingerechnet werde es je Woche mehr als 1000 Starts und Landungen geben, ein Drittel mehr als bislang. Das Sitzplatzangebot wächst um 40 Prozent.

Die Flugzeuge der Tochter Germanwings tragen künftig den Markenzusatz "Lufthansa Group", wie Spohr ankündigte. Auf die Lufthansa und ihre Partner entfällt in der Hauptstadt ein Viertel der 21 Millionen Passagiere. Der Konzern will nun besonders vom stark wachsenden Berlin-Tourismus profitieren. Neu im Streckennetz sind etwa Barcelona, Birmingham und Istanbul. Stockholm, London und Paris sollen zweimal am Tag erreichbar sein.

In zwei Jahren profitabel

Nach zwei Jahren am Hauptstadtflughafen solle das Berlin-Geschäft profitabel laufen, sagte Spohr. Er bezifferte die Investition auf 60 Mio. Euro. 15 Maschinen würden fest am neuen Großflughafen in Schönefeld stationiert. Bislang sind es in Berlin neun. 200 neue Flugbegleiter werden von Dezember an gesucht, hinzu kommen 120 Piloten.  Die Zahl der Arbeitsplätze in Berlin und Brandenburg soll insgesamt von 3500 auf 4000 steigen. 

Durch einen hohen Anteil an Pendelflügen hofft die Lufthansa, die Kosten um ein Drittel zu senken. Dazu beitragen soll auch das Berliner Kabinenpersonal: Es kommt von einem Germanwings-Partner und kostet 20 Prozent weniger als etwa in Frankfurt oder München, wie der Leiter des Lufthansa-Projekts "Zukunft Berlin", Josef Bogdanski, sagte. Auch die Kosten für die Berlin-Piloten hat die Lufthansa demnach um 20 Prozent gedrückt.

Die Gewerkschaft der Flugbegleiter will bei den anstehenden Tarifverhandlungen gegen die Leiharbeit vorgehen. "So etwas geht nur mit Zustimmung der Tarifpartner", sagte ihr Tarifexperte Nicoley Baublies. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) widersprach der Darstellung, dass die Berlin-Piloten weniger Geld erhielten als ihre Kollegen. "Es gibt bei der Lufthansa keinen zweiten Billigtarif für Piloten", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg.

Anders als die deutsche Nummer zwei, der Berliner Flughafengroßkunde Air Berlin, will die Lufthansa aber zunächst keine Langstreckenflüge von Berlin aus anbieten. Erst solle der Markt das nun angekündigte Angebot annehmen, sagte Spohr. Er könne sich Langstrecken aber ein Jahr nach Eröffnung des Flughafens vorstellen, etwa in die USA. 

Ein weiteres deutsches Drehkreuz für Umsteigeverkehr will die Lufthansa neben Frankfurt und München in Berlin nicht aufbauen. In den ersten Jahren rechne das Unternehmen mit 10 bis 15 Prozent Umsteigern. Für ein Drehkreuz seien mindestens 30 Prozent notwendig.

Quelle: ntv.de, dpa