Wirtschaft

Betrüger plaudert hinter Gittern Madoff schwärzt Banker an

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Der bislang größte Betrugsfall an der Wall Street: Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.

(Foto: REUTERS)

Bernard Madoff bleibt für manche Wall-Street-Bank ein gefährlicher Mann: Der verurteilte Milliardenbetrüger sitzt bis ans Lebensende sicher im Gefängnis. Nach dem Tod eines seiner Söhne hat er nichts mehr zu verlieren. In einem Gespräch mit Journalisten packt er aus - und zeigt mit dem Finger auf mögliche Mitwisser. Für die dürfte das sehr teuer werden.

Der verurteilte Wall-Street-Betrüger Bernard Madoff erhebt aus dem Gefängnis heraus schwere Vorwürfe gegen die Banken. In einem Interview mit der "Financial Times" attackiert er vor allem seine ehemalige Hausbank JPMorgan Chase. "Ich bin kein Banker, aber ich weiß, dass man aufmerksam werden sollte, wenn 100 Mrd. Dollar auf ein Konto fließen und dann wieder verschwinden", sagte der 72-Jährige.

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Ein Jahr hat er schon rum: Milliardenbetrüger Bernard Madoff wird gesprächig (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

"Es gab hochrangige Manager in der Bank, die wussten, was vor sich ging", legte Madoff in dem am Freitag veröffentlichten Interview nach. "JPMorgan hat alle Abschlüsse bekommen." Namen nannte Madoff indes keine. JPMorgan selbst weist jegliche Mitwisserschaft an dem größten Finanzbetrug aller Zeiten vehement von sich. Die Vorwürfe seien "offenkundig falsch".

In die gleiche Kerbe wie jetzt Madoff schlug allerdings schon der Vertreter der Opfer, Irving Picard. Der Anwalt wirft den Banken vor, bewusst weggeschaut zu haben, um am Madoff-Schwindel über Gebühren zu verdienen. Deshalb hat Picard eine ganze Reihe von Banken und andere Beteiligten verklagt und auch schon erste, einträgliche Vergleiche geschlossen. Das Geld wird an die Opfer verteilt.

Milliarden stehen auf dem Spiel

Von JPMorgan verlangt Picard 6,4 Mrd. Dollar. "JPMorgan hat verdammt nochmal gar keine andere Chance, als einen teuren Vergleich einzugehen", sagte Madoff. Auch die britischen und Schweizer Großbanken HSBC und UBS, die Picard ebenfalls aufs Korn genommen hat, würden "große Probleme" bekommen, prophezeite der Betrüger. Die Institute bestreiten jegliche Mitschuld.

Das Interview war bereits im vergangenen Monat im Gefängnis von Butner im US-Bundesstaat North Carolina geführt worden. Nach langem Schweigen zeigt sich Madoff mittlerweile redselig und versucht, einen Teil der Schuld auf andere abzuwälzen. Einer seiner zwei Söhne hatte sich im Dezember umgebracht, weil er mit dem öffentlichen Druck nicht mehr fertig wurde. Der hatte nicht nur in der feinen New Yorker Gesellschaft für erhebliches Aufsehen gesorgt.

Madoff hatte über Jahrzehnte hinweg ein Schneeballsystem betrieben: Die vermeintlichen Traumgewinne der Investoren wurden mit dem frischen Geld neuer Anleger bezahlt. In der Spitze wiesen die Madoff-Konten auf dem Papier einen Wert von 60 Mrd. Dollar aus. Als der Schwindel mitten in der Finanzkrise aufflog, verloren viele Anleger ihre kompletten Ersparnisse. Madoff wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt.

Quelle: ntv.de, dpa