Wirtschaft

Er half Bernard beim Riesenschwindel Madoffs kleiner Bruder gesteht

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Peter Madoff nach seinem Geständnis vor einem New Yorker Gericht.

(Foto: AP)

Er ist nur der kleine Bruder, aber trotzdem ein Milliardenbetrüger: Drei Jahre nach der Verhaftung von Finanzschwindler Bernard Madoff nimmt die Polizei dessen Bruder fest. Seine Anwälte handeln zuvor einen Deal aus, wonach der 66-Jährige für zehn Jahre hinter Gitter geht - verglichen mit den 150 Jahren Haft seines großen Bruders fast eine Kleinigkeit.

Peter Madoff, Bruder von Milliardenbetrüger Bernard Madoff, geht hinter Schloss und Riegel. Er bekannte sich vor Gericht des Finanzbetrugs und der Urkundenfälschung für schuldig und akzeptierte eine zehnjährige Haftstrafe. "Ich entschuldige mich bei allen Menschen, die ich verletzt habe, und bei meiner Familie", sagte Madoff bei einer Anhörung vor einem Gericht in New York. Er akzeptiere seine Verantwortung in dem milliardenschweren Betrugsskandal.

Der 66-Jährige gab zu, im Auftrag seines Bruders Dokumente gefälscht und Steuern hinterzogen zu haben. "Ich akzeptiere meine Verantwortung für das, was ich getan habe. Ich weiß, dass mein Verhalten falsch war", sagte Madoff, dessen 74-jähriger Bruder bereits hinter Gittern sitzt. Es war das erste Mal, dass sich ein Angehöriger von Bernard Madoff in dem Betrugsskandal schuldig bekannte. Die Anhörung fand im selben Gerichtssaal in Manhattan statt, in dem sein Bruder vor genau drei Jahren wegen des größten Anlagebetrugs der Kriminalgeschichte zu 150 Jahren Haft verurteilt worden war.

Zuvor war Peter Madoff in der Kanzlei seiner Anwälte festgenommen worden. Ihm wurde eine Kaution von sechs Mio. US-Dollar auferlegt, außerdem muss er der Justiz seinen Pass aushändigen. Madoff akzeptierte zudem die Beschlagnahmung seines Besitzes im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar. Für den 4. Oktober wurde eine formelle Anhörung zur Urteilsverkündung angesetzt.

"Schockiert und am Boden zerstört"

Bernard Madoff hatte über Jahrzehnte ein Schneeballsystem an der Wall Street betrieben und Anleger mit Traumgewinnen geködert. Tatsächlich zahlte er nur die Einlagen neuer Investoren an die alten aus - ein typisches Pyramidenspiel. Ende 2008, als die Finanzkrise hochkochte und der Geldstrom versiegte, flog der Betrug auf. Die Anleger, darunter Banken, Wohltätigkeitsorganisationen und Privatleute, verloren rund 20 Mrd. Dollar.

Peter Madoff sagte am Freitag vor Gericht, er sei "schockiert und am Boden zerstört" gewesen, als der Betrug 2008 herausgekommen sei. "Bis Dezember 2008 hatte ich niemals vermutet, dass mein Bruder irgendjemanden bestohlen hat", sagte er. "Ich habe meinen Ruf verloren. Meine Familie ist zerrissen wegen meines Bruders".

In einer Erklärung des FBI hieß es, Bernard Madoffs Finanzsystem sei "auf Lügen aufgebaut" gewesen und habe sich "vom Kartenhaus zum Wolkenkratzer" entwickelt. Peter Madoff sei "einer der Chefarchitekten" dieses Hauses gewesen und habe so eine zentrale Rolle im größten Finanzbetrug der US-Geschichte gespielt.

Bernard Madoff hatte stets beteuert, er habe alleine und ohne Wissen seiner Familie oder Mitarbeiter gehandelt. Am 11. Dezember 2010, dem zweiten Jahrestag der Entdeckung des Schwindels, hatte sich sein Sohn Mark, Vater von vier Kindern, in seinem New Yorker Appartement erhängt, weil er den Druck und die Anfeindungen nicht mehr aushielt.

Quelle: n-tv.de, nne/dpa/AFP

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