Wirtschaft

Fed-Protokolle: Forderungen nach stärkerem "Tapering" Märkte erwarten Zinserhöhung im April

Im Dezember reagiert die Fed auf die Erholung am US-Arbeitsmarkt überraschend mit einer Kürzung ihrer Anleihenkäufe. Sie schraubt sie um zehn Milliarden Dollar zurück. Einstimmig fällt diese Entscheidung aber nicht.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat bei der Abkehr von der ultralaxen Geldpolitik mit Blick auf die Märkte bewusst den Schongang eingelegt. Wie aus den Protokollen der jüngsten Zinssitzung vom Dezember hervorgeht, gab es Forderungen aus dem Kreis der Notenbanker nach einem stärkeren Abbau der Geldspritzen und einem früheren Ausstieg aus dem Programm. Zugleich hatte sich ein Mitglied gegen eine Drosselung gestemmt.

Viele Teilnehmer hätten sich aber dafür ausgesprochen, einen Mittelweg zu wählen, um die Märkte nicht zu verschrecken. Sie wollten damit verhindern, dass eine kräftige Drosselung "als Signal fehlinterpretiert" würde, dass die Fed eine frühere Abkehr von der konjunkturstimulierenden Geldpolitik plane als bislang angenommen.

Nach der Veröffentlichung der Protokolle gehen die Märkten nun allerdings davon aus, dass eine Zinserhöhung etwas früher als bislang erwartet kommen wird: Statt Mitte 2015 wird nun der April 2015 als wahrscheinlicher Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Nullzinspolitik gehandelt.

Überraschungscoup

Im Dezember hatte die Fed auf die Erholung am Arbeitsmarkt überraschend mit einer Kürzung ihrer Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren reagiert. Seit Jahresbeginn 2014 wurde das monatliche Ankaufvolumen nunmehr um zehn auf 75 Milliarden Dollar gedrosselt. Bei weiteren moderaten Kürzungen dürfte das Programm gegen Ende des Jahres auslaufen.

Die Nullzinspolitik soll jedoch "noch geraume Zeit" beibehalten werden, auch wenn die von der Notenbank angepeilte Marke einer Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent erreicht wird. Wie aus den Protokollen hervorgeht, wurde im Führungszirkel der Notenbank auch erwogen, den Schwellenwert auf 6,0 Prozent abzusenken.

Der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss habe sich jedoch dagegen entschieden - auch, um die Zinspolitik nicht zu stark an die Entwicklung am Arbeitsmarkt zu koppeln. Die Fed hat ein Mandat zur Wahrung der Preisstabilität und zur Förderung von Vollbeschäftigung, von der die USA bei einer Arbeitslosenrate von 7,0 Prozent aber noch weit entfernt sind.

Was macht der Arbeitsmarkt?

Die Fed hält den Leitzins bereits seit mehr als fünf Jahren nahe null Prozent. Ein kräftiger Stellenaufbau der US-Firmen bietet der Notenbank Fed Spielraum für den weiteren Abbau ihrer Konjunkturstützen. Die Zahl der neuen Jobs in der Privatwirtschaft stieg im Dezember um 238.000, wie die Arbeitsvermittlung ADP mitteilte. Die US-Regierung veröffentlicht am Freitag die offiziellen Arbeitsmarktdaten. Erwartet wird ein Stellenplus von 196.000.

Mit einem kräftigen Stellenzuwachs würde sich der positive Trend am Arbeitsmarkt fortsetzen, der die US-Notenbank im Dezember zum Drosseln ihrer Konjunkturhilfen bewogen hatte. Dabei hatte lediglich der Präsident der Fed von Boston, Eric Rosengren, dagegen gestimmt. Er erwartet, dass die Fed ihre Käufe pro Zins-Sitzung jeweils um "rund zehn Milliarden Dollar" zurückfahren wird, wie er der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich Ende des Monats, wenn der scheidende Notenbankchef Ben Bernanke die letzte Zinssitzung seiner Amtszeit leitet. Seine Nachfolgerin Janet Yellen gilt als Anhängerin einer ultralaxen Geldpolitik.

Quelle: ntv.de, bad/rts/dpa

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