Wirtschaft

Banken stunden bis 2010 Merckle-Finanzierung gesichert

Die Gläubigerbanken haben der hoch verschuldeten Merckle-Gruppe mehr Zeit für die Sanierung des Firmenimperiums eingeräumt. Der dabei geplante Verkauf des Generika-Herstellers Ratiopharm nimmt mit der Mandatierung zweier beratender Banken nun konkrete Gestalt an.

Die Finanzierung der angeschlagenen Merckle-Gruppe ist gesichert. Die Gläubigerbanken der VEM Vermögensverwaltung verlängerten ein Stillhalteabkommen bis Ende 2010. Bis zu diesem Zeitpunkt stunden die Banken ihre Forderungen. Zugleich wandelten sie einen laufenden Überbrückungskredit in einen längerfristigen Kredit um.

Leitplanken der Vereinbarung waren Ende Mai bekanntgeworden, als das Konzept in Grundzügen stand. Zuletzt hatten allerdings noch Unterschriften einiger der rund 60 Gläubigerbanken gefehlt.

"Für mich stand es außer Frage, dass die Banken auch den längerfristigen Kredit gewähren", erklärte der Sanierungsexperte Hans-Joachim Ziems, der mittlerweile die Geschäfte der Merckle-Vermögensverwaltung VEM führt. Im Besitz der VEM ist auch der Generikahersteller Ratiopharm. Auf der Grundlage der jetzt erreichten Einigung kann nach Unternehmensangaben in den nächsten Wochen der Verkauf des Generikaherstellers Ratiopharm vorangetrieben werden. Mit der Mandatierung zweier beratender Banken nimmt der Verkauf nun konkrete Gestalt an. "Es gibt bereits eine Reihe von Kaufinteressenten, allerdings werden die ersten konkreten Gespräche erst nach der Sommerpause geführt", erklärten Ratiopharm und VEM. Die Royal Bank of Scotland (RBS) und die Commerzbank werden den Prozess steuern. Durch den Verkauf der Pharmafirma soll die Schuldenlast der Merckle-Gruppe von mehr als acht Milliarden Euro - ohne die mehrheitlich ebenfalls zum Merckle-Imperium gehörende HeidelbergCement - deutlich abgebaut werden.

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten zuvor für die wichtigsten Beteiligungen der Merckle-Gruppe, zu der neben Ratiopharm und HeidelbergCement auch der Pharmahändler Phoenix gehört, die Sanierungsfähigkeit bestätigt.

Ratiopharm zufolge sind mit der Vereinbarung nun auch geplante Investitionen nachhaltig gesichert. Auch der Pharmahändler Phoenix sieht nach eigenen Angaben durch die Ablösung der Übergangsfinanzierung seine Finanzierung gewährleistet.

Verkauf von Ratiopharm könnte sich hinziehen

Der Verkauf von Ratiopharm könnte sich allerdings bis ins nächste Jahr hinziehen. Nach früheren Angaben aus Finanzkreisen könnte der Verkauf bis zu 3,8 Milliarden Euro einbringen. Der israelische Spezialist für Nachahmermedikamente, Teva, sowie der französische Pharmariese Sanofi-Aventis gelten in der Branche als mögliche Kandidaten für eine Übernahme. Vom tatsächlichen Erlös wird abhängen, ob sich die Familie um Adolf Merckles ältesten Sohn Ludwig, der Alleinerbe des Firmenimperiums ist, danach auch von der Mannheimer Phoenix trennen muss. An dieser hatte bereits der britische Rivale Alliance Boots Interesse angemeldet, der dem Finanzinvestor KKR gehört.

Firmenpatriarch Adolf Merckle hatte sich Anfang Januar das Leben genommen. Der Milliardär hatte in den vergangenen Jahren ein riesiges, schwer durchschaubares Firmenkonglomerat aufgebaut, das zusammen auf Umsätze von etwa 30 Milliarden Euro kam. In finanzielle Schieflage geriet die Firmengruppe unter anderem durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien. Dazu plagt die Gruppe die milliardenschwere Schuldenlast von HeidelbergCement.

Quelle: ntv.de, nne/dpa/rts