Wirtschaft

Portugal und Griechenland wackeln Moody's überprüft Anleihen

Die Ratingagentur Moody's sieht wegen der anschwellenden staatlichen Defizite die Kreditwürdigkeit der Euro-Zonen-Länder Griechenland und Portugal in Gefahr. Doch mit der unkontrollierten Vergabe von Noten für Unternehmen und Staaten könnte es bald vorbei sein: Die Analystenhäuser selbst stehen auf dem Prüfstand.

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Mächtige Stimmen: Wenn Moody's, Standard & Poor's oder Fitch ihre Ansichten bekanntgeben, bewegt sich der Markt.

(Foto: Reuters)

Moody's senkte den Ausblick für portugiesische Anleihen auf "negativ" und kündigte eine Überprüfung der Einstufung griechischer Papiere an. Beobachter am Markt zeigten sich überzeugt, dass Moody's seinem kleineren Rivalen Fitch folgen wird und auch die griechischen Anleihen herunterstufen wird.

Auf dem Rentenmarkt verlangten die Anleger in Folge der Moody's-Mitteilung umgehend höhere Risikoaufschläge für die Anleihen beider Länder. Der Renditeaufschlag für das griechische Zehn-Jahres-Papier kletterte zwischenzeitlich auf 145,5 Basispunkte über Bundesanleihe. Die portugiesische Anleihe rentierte mit bis zu 57 Basispunkten über dem deutschen Papier.

Hinter den Kulissen wird unterdessen weiter über eine Einbeziehung der Ratingagenturen in das Aufsichts- und Kontrollsystem der Finanzmärkte diskutiert. Erst am Mittwoch hatte der Ausschuss für Finanzdienstleistungen im US-Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf zur Kontrolle von Ratingagenturen verabschiedet.

49 Abgeordnete des Ausschusses stimmten für den Gesetzentwurf und 14 dagegen. Mit dem Gesetz solle das "unverantwortliche und unkorrekte Verhalten der Ratingagenturen gebändigt werden", sagte der Verfasser des Entwurfs, der Demokrat Paul Kanjorksi. Die Agenturen hätten zur derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise "erheblich" beigetragen, stellte der US-Politiker fest.

Unkontrollierte Kontrolleure

Ratingagenturen bewerten unter anderem die finanzielle Stabilität von Unternehmen und Staaten sowie die Qualität von Finanzprodukten. Ihnen wird vorgeworfen, risikobehaftete Finanzprodukte zu positiv bewertet zu haben und damit für die 2008 ausgebrochene Finanzkrise mitverantwortlich zu sein.

Der nun verabschiedete Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass sich Ratingagenturen jährlich einer Kontrolle der US-Börsenaufsicht SEC unterziehen müssen. Auch sollen unzufriedene Investoren die Möglichkeit erhalten, rechtlich gegen Ratingagenturen vorzugehen.

Das Gesetzesprojekt ist Teil der von US-Präsident Barack Obama und seiner Demokratischen Partei lancierten Reformen des US-Finanzsystems. Es muss nun noch vom gesamten Repräsentantenhaus und vom Senat verabschiedet werden.

Auch in Europa gibt es Bestrebungen, die Ratingagenturen einer strikten Kontrolle zu unterwerfen. So sieht zum Beispiel in Deutschland der Koalitionsvertrag zwischen Union und FDP vor, für Ratingagenturen eine Aufsicht sowie Mindeststandards und Sanktionsmöglichkeiten zu erschaffen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/rts

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23.04.09