Wirtschaft

Übernahme von Time Warner geplatzt Murdoch bläst Kauf ab

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Ein neuer Rupert Murdoch? Mit strategischer Vision und Preisdisziplin?

(Foto: REUTERS)

Der Widerstand im Management von Time Warner und die Kursverluste für seinen Fox-Konzern waren zu groß. US-Medienmogul Rupert Murdoch gibt den Plan, den Konkurrenten seinem Medien-Imperium einzuverleiben, auf. Börsianer reagieren erleichtert.

Der zum Imperium von Rupert Murdoch gehörende Medienkonzern 21st Century Fox hat seine geplante Übernahme des Branchenrivalen Time Warner überraschend abgesagt. Zum einen habe Time Warner kein Entgegenkommen gezeigt, zum anderen sei der Kauf wegen des drastisch gefallenen Fox-Aktienkurses inzwischen "für Fox-Aktionäre unattraktiv", begründete der Konzern das Aus für die Pläne.

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Seitdem das Vorhaben im Juli erstmals bekannt wurde, ist der Aktienkurs von Fox um rund 11 Prozent gesunken. Fox hatte vorgeschlagen, Time Warner zum Preis von 85 US-Dollar je Aktie oder rund 80 Milliarden Dollar in einer Mischung aus Bargeld und Aktienkapital zu kaufen. Time Warner lehnte dieses Angebot ab, aber Fox signalisierte, weiterkämpfen und das Angebot möglicherweise auf 90 oder 95 Dollar je Aktie aufstocken zu wollen.

Das hätte Time Warner mit bis zu 89 Milliarden Dollar  bewertet, doch selbst diese Summe wäre wohl nicht genug gewesen. Der Konzern hatte in einer Erklärung im Juli mitgeteilt, er sei der Ansicht, dass seine eigenen Wachstumspläne seinen Aktionären mehr Wert liefern würden, als es jegliches Fox-Angebot könne.

Personen aus dem engeren Umfeld von Time Warner ließen durchblicken, dass der Konzern einen Verkauf nur bei einem Bargeldangebot von deutlich mehr als 100 Dollar je Aktie in Erwägung ziehen würde - eine Summe, die für Fox den finanziellen Rahmen gesprengt hätte.

Time Warner ging in einer Pressemitteilung am Dienstag auf den Rückzug von Fox ein und erklärte, das Unternehmen sei "mit unseren ikonischen Geschäftsteilen gut auf Erfolg ausgerichtet".

Fox-Aktionäre atmen auf

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85 Dollar je Aktie waren dem Management von Time Warner zu wenig.

(Foto: REUTERS)

Für Fox kam erschwerend hinzu, dass der Kursverfall an der Börse den Wert seines Angebots kräftig schmälerte. So war das Angebot zum Börsenschluss am Dienstag - vor der brisanten Nachricht vom Aus für die Kaufpläne - nur noch 80,34 Dollar je Aktie wert. Nach der Meldung über die Planänderung stiegen A-Aktien von Fox nachbörslich um 8,3 Prozent auf 33,89 Dollar. Die Aktie von Time Warner, die nach der ersten Nachricht einer möglichen Übernahme von rund 70 Dollar auf bis zu 87,36 Dollar gestiegen war, rutschte dagegen am Dienstag nachbörslich um 10 Prozent auf 76,85 Dollar ab.

Fox und Time Warner werden am heutigen Mittwoch ihre Geschäftszahlen für das Juni-Quartal vorlegen. In den Konferenztelefonaten beider Konzerne werden dann wohl Fragen zur Übernahmeschlacht dominieren.

Mit dem Rückzug von Fox wird es nun vorerst keine neue Konsolidierungsrunde in der US-Medienindustrie geben. Ein Zusammenschluss von Fox mit Time Warner hätte einen gigantischen Unterhaltungsmedienkonzern geschaffen: Fox besitzt die Filmstudios Twentieth Century Fox, das Sendernetzwerk Fox sowie eine Reihe von Kabelfernsehkanälen wie Fox News. Time Warner besitzt das Filmstudio Warner Bros sowie Kabelfernsehkanäle wie HBO, TBS, TNT und CNN.

"Wir haben einen Zusammenschluss mit Time Warner als eine einzigartige Gelegenheit erachtet, zwei großartige Unternehmen zusammenzubringen", sagte Rupert Murdoch, der Vorstands- und Aufsichtsratschef von Fox, in einer Stellungnahme. Er sagte, das Übernahmeangebot von Fox sei "immer freundlich" gesinnt gewesen.

21st Century Fox gehörte bis Juni 2013 zum selben Konzern wie News Corp, dem Mutterkonzern des Wall Street Journal und der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Andere Übernahmeziele nicht in Sicht

Branchenbeobachter fragen sich, ob Fox jetzt andere Übernahmen anstreben wird. Das Unternehmen hat bereits bekanntgegeben, seine Anteile an den europäischen Satellitenfernsehfirmen Sky Italia und Sky Deutschland an die britische BSkyB für 9 Milliarden Dollar verkaufen zu wollen. Die Verkaufserlöse sollen überwiegend in bar fließen - Geld, das der Konzern gut für eine Übernahme von Time Warner hätte gebrauchen können.

Laut einer Person, die sich mit der Strategie von Fox auskennt, steht keine direkte alternative Akquisition auf dem Plan. Man habe in der Offerte an Time Warner eine einzigartige Situation gesehen, sagt die Person. Fox kündigte an, in den nächsten 12 Monaten Aktien im Wert von 6 Milliarden Dollar zurückkaufen zu wollen. Wie die informierte Person weiter mitteilt, wolle sich Fox jetzt auf seine strategischen Wachstumspläne konzentrieren. Fox erweitert etwa gerade sein Kabelfernsehprogramm um neue Sportkanäle.

Ein neuer, rücksichtsvoller Rupert Murdoch? 

Analysten jubelten über die Entscheidung von Fox, die Übernahmepläne aufzugeben. "Ich glaube, das ist der neue und bessere Rupert Murdoch, der eine strategische Vision hat, aber mehr Rücksicht auf die Interessen der öffentlichen Aktionäre nimmt und bereit ist, Preisdisziplin walten zu lassen", sagte David Bank, Analyst bei RBC Capital Markets. Er verwies auf ein Dilemma, dem sich Fox hätte stellen müssen, wenn das Unternehmen seinen Angebotspreis verbessert hätte: Bei einem höheren Angebot hätte Fox noch mehr Aktien ausgeben müssen, was dem Aktienkurs noch weiter geschadet hätte. "Diese Kosten waren es nicht wert. Ich glaube, Murdoch hat das erkannt", sagte Bank.

Trotz des geplatzten Deals dürften die Spekulationen über künftige potenzielle Fusionen in der Unterhaltungsindustrie anhalten. Es gab dieses Jahr bereits zwei andere Vorstöße für Zusammenschlüsse in der Branche - Comcasts geplante Übernahme von Time Warner Cable und AT&Ts geplanter Kauf von DirecTV. Beide Fälle haben das Gerede in der Branche angeheizt.

Time Warner könnte theoretisch noch für andere Unternehmen attraktiv sein, aber die schiere Größe des Konzerns schließt viele potenzielle Bieter aus. In den vergangenen Wochen gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass irgendein anderer Konzern in den Bieterwettbewerb einsteigen könnte.

Quelle: ntv.de, ddi/afp

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