Wirtschaft

Sattes Kursplus Mysteriöse Aktie steigt 8500 Prozent

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Ding Yi Feng sitzt in Hongkong.

(Foto: AP)

Ding Yi Feng ist ein Unternehmen, das kaum jemand kennt. Der Aktienkurs steigt dennoch rasant, und die Investment-Firma ist mittlerweile eines der teuersten Unternehmen des Planeten. Warum das so ist, bleibt rätselhaft.

Das nennt man beeindruckende Performance: Um satte 8500 Prozent haben die Aktien der chinesischen Firma Ding Yi Feng (DYF) in den vergangenen fünf Jahren zugelegt. An der Börse in Hongkong ist das Investment-Unternehmen nun umgerechnet rund vier Milliarden US-Dollar wert. Das ist umso erstaunlicher, als völlig unklar ist, warum die Aktie so kräftig gestiegen ist. Laut Finanznachrichtenagentur "Bloomberg" ist es DYF in den vergangenen acht Jahren lediglich einmal gelungen, keinen Verlust zu erwirtschaften.

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Sui Guangyi und seine Partnerin Ma Xiaoqiu.

(Foto: Ding Yi Feng)

Chef von Ding Yi Feng ist ein Mann namens Sui Guangyi, der auf der Firmen-Website als "Legende" und "einflussreicher Gelehrter des Daoismus" beschrieben wird. Sui behauptet, im Investieren George Soros und Warren Buffett ebenbürtig zu sein. Sein Werdegang klingt eindrucksvoll: In den 60er Jahren im Nordosten Chinas geboren, war Sui Unternehmensangaben zufolge zunächst Ingenieur, dann erfolgreicher Multi-Millionen-Dollar-Gründer und außerdem Regierungsvertreter. Im Jahre 2000 zog er sich demnach zurück, um die Weisheiten und Tugenden des Daoismus mit modernen Investmentstrategien zu verschmelzen. Mit der von ihm entwickelten Methode ging es dann ans Investieren.

Außerordentlich erfolgreich war bisher allerdings vor allem ein Investment: Im Jahre 2015 begann Sui, Aktien von DYF zu kaufen, das Unternehmen hieß damals noch China Investment Fund. Sui baute seinen Anteil stetig aus, wurde im Jahr darauf Vorsitzender der Firma, gab ihr einen anderen Namen und tauschte das Management aus. Derzeit gehören Sui 16 Prozent der DYF-Aktien, aktuell ist das Paket rund 640 Millionen US-Dollar wert.

Das Geschäftsmodell von DYT: Der Investor beteiligt sich an Unternehmen und hofft, dass diese an Wert gewinnen. In diesem Fall kann er seine Beteiligungen mit Gewinn verkaufen. Doch das klappte in den letzten Jahren nicht so richtig. Im Gegenteil: "Bloomberg" zufolge ist Suis Name mit einigen der heftigsten Kurseinbrüche der Hongkonger Börse verbunden. Ding Yi Feng war etwa an Pro Technology beteiligt, die 2016 um 90 Prozent abstürzten. Ende Juni vergangenen Jahres war eine der größten Positionen von DYF die Investment-Holding Zhidao, seitdem ging es mit der Aktie um mehr als 80 Prozent abwärts.

Das ändert allerdings nichts daran, dass es für die DYF-Papiere seit geraumer Zeit steil nach oben geht, obwohl es dafür zumindest keinen fundamentalen Grund gibt. Fest steht jedoch, dass der rasante Kursanstieg sich selbst befeuert hat. Die Logik dahinter: Als die Aktie - aus welchen Gründen auch immer - plötzlich kräftig an Wert und damit an Börsen-Gewicht gewann, musste sie der renommierte Finanzdienstleister MSCI in seine Indizes aufnehmen - beispielsweise in den "All Country World Index", der die Wertentwicklung von 2700 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern abbildet.

Zahlreiche Fondsanbieter bilden diesen Index - wie viele andere auch - eins zu eins nach. Das heißt: Wird eine Aktie in einen Index aufgenommen, kaufen die Fonds-Gesellschaften diese Aktie. Das sorgt dafür, dass der Kurs steigt. Und gewinnt eine Aktie aufgrund großer Kursgewinne in einem Index an Gewicht, müssen die Fonds ihre Positionen entsprechend aufstocken. Als Sui bei DYF einstieg, kostete eine Aktie etwa 0,40 Hongkong-Dollar. Derzeit sind es mehr als 25.

Mittlerweile ist Ding Yi Feng an der Börse 93mal so viel wert wie die Beteiligungen. Gemessen an diesem Verhältnis ist das Unternehmen "Bloomberg" zufolge eines der teuersten weltweit. Doch das kann sich schnell ändern: Rauscht die Aktie erst kräftig nach unten, ist es durchaus möglich, dass das eine Abwärtsspirale auslöst. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Wert einer Aktie an der Hongkonger Börse innerhalb kurzer Zeit in Luft auflöst.

Quelle: ntv.de, jga

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