Wirtschaft

Neuer Konzernchef tritt an Nadella übernimmt Microsoft-Steuer

RTX187RS.jpg

Der Neue: Satya Nadella führt künftig den Software-Konzern.

(Foto: REUTERS)

Generationenwechsel beim US-Softwarekonzern Microsoft: In seinem 39. Jahr bekommt das Unternehmen den erst dritten Chef. Auf den aber warten schwierige Aufgaben. Zugleich zieht sich die Gründergeneration weiter zurück.

Der weltweit größte Softwarekonzern Microsoft hat sich bei der Besetzung des Chefstuhls erwartungsgemäß für die interne Lösung entschieden. Ab sofort steht Satya Nadella auf der Kommandobrücke. Der gebürtige Inder ist damit erst der dritte Vorstandschef seit der Unternehmensgründung 1975. Vorgänger Steve Ballmer hatte vor sechs Monaten seinen Rückzug angekündigt. Allerdings ist es ein Stabwechsel in stürmischer Zeit. Der Gigant aus Redmond spürt den scharfen Wettbewerb an sämtlichen Fronten seiner Geschäftsfelder.

Microsoft
Microsoft 135,52

Aus Sicht vieler Investoren muss Microsoft vor allem im Smartphone- und Tablet-Bereich die Kurve bekommen. Außerdem wird immer wieder gefordert, mehr Geld an die Aktionäre auszuschütten. 84 Milliarden Dollar liegen bei Microsoft in der Schatztruhe oder sind lediglich kurzfristig investiert. Hier dürften Forderungen kommen, die Dividende weiter zu erhöhen und noch mehr Milliarden in Aktienrückkäufe zu stecken.

"Microsoft muss auf jedem Gerät präsent sein"

"Ich würde ihm raten, sich den Bereich mit mobilen Geräten noch einmal genau anzuschauen", sagt Technologie-Analyst David Smith vom Marktforscher Gartner. Diese Meinung teilen viele Experten. "Microsoft muss auf jedem Gerät präsent sein", fordert Ted Schadler vom Analysehaus Forrester. Dafür müssten sie eigene Anwendungen entwickeln, so dass es dann beispielsweise auch Office-Programme fürs iPad gebe. Derzeit machten in diesem Bereich die Datendienst-Anbieter Dropbox oder Evernote vor, wie es funktionieren könne.

Auch müsse das Microsoft-Tablet Surface attraktiver für Firmenkunden werden. Doch trotz einiger Erfolgsmeldungen im Weihnachtsgeschäft gibt es noch keine wirklichen Anzeichen. Nadella müsse hier sofort die Strategie ändern, fordert Technologie-Experte Schadler.

Viele Analysten sehen die Zukunft Microsofts eher im Software- als im Hardware-Bereich. Trotzdem hatte der US-Konzern im vergangenen Sommer angekündigt, auch bei den Geräten stärker mitmischen zu wollen. Deswegen übernahmen die Amerikaner auch für 7,2 Milliarden Dollar den Handy-Pionier Nokia. Die Finnen haben aber gerade bei Smartphones den Anschluss verloren - und so sehen viele Aktionäre die Übernahme kritisch.

Zeitgleich mit dem Aufstieg Nadellas vollzieht Firmenmitgründer und Chairman Bill Gates eine weitere Etappe seines Abschieds.  Neuer Chairman wird das bisherige Board-Mitglied John Thompson, der mit der Suche nach einem Ballmer-Nachfolger betraut war. Gates wird den Konzern nur noch als Technologieberater begleiten. Und auch Ballmer, der 2000 die Leitung von Gates übernommen und selbst 13 Jahre die Geschicke des Konzerns gelenkt hatte, wird Berater.

Wenig Erfahrung bei Konzernführung

Nadella ist bereits seit 22 Jahren bei Microsoft und war zuletzt für Server- sowie andere Back-End-Technologien verantwortlich. Innerhalb des Unternehmens und unter Analysten der Wall Street genießt er hohes Ansehen.

Allerdings hat Nadella bisher keine Erfahrung mit der Leitung eines Unternehmens. Schon gar nicht von der Größe Microsofts, das im vergangenen Geschäftsjahr bis Ende Juni 2013 rund 78 Milliarden US-Dollar Umsatz machte. Als Leiter von Microsofts ehemaliger Unternehmenssoftwaresparte war er für einen Geschäftsbereich mit etwa 20 Milliarden Dollar an jährlichem Umsatz verantwortlich.

Zeichen für Fortsetzung des Kurses

Mitarbeiter loben Nadella für die Behebung der technischen Fehler in Microsofts Websuchmaschine behoben. Ein Großteil seiner Erfahrungen liegen im Umgang mit Unternehmenskunden - die Quelle von zwei Drittel des Umsatzes des Konzerns. Möglicherweise will sich Microsoft also noch mehr auf Unternehmenskunden konzentrieren.

Intern war 46-Jährige zudem dafür bekannt, Pionierarbeit bei der Vermietung von Rechenkraft an andere Unternehmen zu leisten - obwohl dieses Cloud-Computing-Geschäft mit einigen der profitabelsten Produkte von Microsoft konkurriert. "In dieser Zeit der Transformation gibt es keine bessere Person als Satya Nadella, um Microsoft zu führen", sagte Gates.

Die Wahl Nadellas sehen Unternehmenskenner als ein Zeichen dafür, dass man bei Microsoft anscheinend der Meinung ist, mit einer internen Lösung besser zu fahren und keine großen Veränderungen an der Ballmer-Strategie vornehmen zu wollen. Damit dürfte auch die Übernahme von Nokias mobiler Gerätesparte wie geplant fortgesetzt werden.

Etliche externe Kandidaten ausgestochen

Der Software-Riese ist stark von einem Produkt-Trio abhängig: Windows, Microsoft Office und die dazugehörige Server-Software für Unternehmen, die wiederum stark von den Verkäufen von Windows-PCs abhängen. Andere bekannte Produkte des Unternehmens wie die Websuchmaschine Bing und die Spielekonsole Xbox tragen kaum zum Gewinn bei.

Das Unternehmen hat in den ersten beiden Quartalen des laufenden Geschäftsjahr die Analystenerwartungen klar übertroffen. Für das Gesamtjahr bis zum 30. Juni rechnen Experten nun  mit einer Umsatzsteigerung von sieben Prozent. Allerdings wird der Gewinn wohl stagnieren.

Bei der Suche nach einem Nachfolger hatte es eine Reihe von externen Kandidaten gegeben. Zuletzt hatte Anfang Januar Ford Motor-Chef Alan Mulally öffentlich abgewinkt. Zu weiteren bekannten Kandidaten, die sich in Gesprächen mit Microsoft-Direktoren befanden, gehörten Nokia-Chef Stephen Elop, Oracle-President Mark Hurd, Pivotal-Chef Paul Maritz und der Microsoft-Manager Tony Bates. Ericsson-Firmenchef Hans Vestberg war Gerüchten zufolge ebenfalls ein Kandidat.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/rts/AFP

Mehr zum Thema