Wirtschaft

Deutsche Bank hat viel vor Neue Vision verzweifelt gesucht

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John Cryan.

Die Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, haben das Vertrauen der Investoren verspielt. Der Brite John Cryan soll es nun richten. Doch ist er dieser Herkulesaufgabe gewachsen?

"Leistung aus Leidenschaft", so lautet der Slogan der Deutschen Bank. Man mag das während der Macht-Ära von Anshu Jain und Jürgen Fitschen als irreführend empfunden haben, passender wäre "Leiden aus Leidenschaft" gewesen. Die Investoren haben jedenfalls den Kurswechsel der Deutschen Bank mit einem Kursplus belohnt, was sich als glatter Freudenschrei interpretieren lässt. Wird der neue Ein-Mann-Vorstand es schaffen, die mageren Gewinne der Bank anzuheben und das Institut aus dem Sumpf der Skandale emporzuziehen? "Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren", sagt der John Cryan, der zwischen 2008 und 2011 Finanzchef der UBS war und seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank ist.

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Unsere Strategie? Hört sich nicht gerade nach einer Vision an. Dabei muss Cryan, der im Juli Jain als Co-Vorstandschef ablösen und nach der Hauptversammlung 2016 alleiniger Vorstandschef werden wird, die bislang so erfolglose "Strategie 2020" seiner Vorgänger mindestens überarbeiten und möglichst bald genaue Details seiner Pläne vorlegen.

Dazu lohnt ein Blick auf die Fehler der Vergangenheit: Anstatt das Institut in eine Privatkundenbank und eine Investmentbank aufzuspalten, wie einige Investoren gefordert hatten, haben sich Jain und Fitschen für "die kleine Lösung" entschieden, die vor allem die Trennung von der Postbank vorsieht. Kritiker haben den Firmenchefs deshalb einen Mangel an unternehmerischem Mut vorgeworfen.

Zwar sind bisher Kostensenkungen von 3,5 Milliarden Euro bis 2020 geplant. Zudem soll das Investmentbanking verkleinert und die Kapitalausstattung verbessert werden. Allerdings kostet der geplante Umbau etwa 3,7 Milliarden Euro. Enttäuscht hat Investoren zudem, dass das Ziel für die Eigenkapitalrendite drastisch gesenkt worden war. Jain und Fitschen haben für 2020 eine Rendite von zehn Prozent in Aussicht gestellt, nachdem zuvor zwölf Prozent für das Jahr 2016 geplant waren. Wie das gehen soll, ist ein Rätsel, die Rendite liegt aktuell bei gerade mal drei Prozent.

Die Ergebnisse des Konzerns hängen stark vom Investmentbanking ab, nicht zuletzt vom Anleihenhandel. Sollte es zu Turbulenzen am Finanzmarkt kommen, könnte das das Investmentbanking der Deutschen Bank deutlich belasten. Umso mehr setzen die Investoren auf Cryan. Der Finanzprofi wird von Investoren für seine ruhige, überlegte Art, seine Detailkenntnis und seine präzisen Antworten geschätzt.

Während seiner Zeit hat die UBS deutlich Mitarbeiter abgebaut und sich auf die Vermögensverwaltung fokussiert. Einen ähnlichen Weg könnte Cryan nun auch bei der Deutschen Bank einschlagen, zumal Kritiker bemängeln, dass die Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank zu klein sei – und das Investmentbanking als Achillesferse des Instituts noch zu groß.

Die Aktie der Deutschen Bank könnte sich weiter erholen – sofern Cryan einen neuen Kurs einschlägt. Trotz der heutigen Rally liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei lediglich 0,58. Bei der Kennzahl wird der Börsenwert durch das Eigenkapital der Deutschen Bank dividiert. Der im Branchenvergleich niedrige Wert zeigt den Unmut und das Misstrauen der Investoren gegenüber dem hiesigen Branchenprimus. Der bevorstehende Vorstandswechsel kann nun aber für einen Stimmungsumschwung bei der Aktie sorgen, wenngleich Investoren wissen, dass Cryan eine sehr schwierige Aufgabe übernehmen wird.

Quelle: ntv.de

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