Wirtschaft

ThyssenKrupp unter Druck Neue Werke fressen Gewinn

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Schon in Duisburg international aufgestellt: Die neuen Werke von ThyssenKrupp fressen die Gewinne auf.

(Foto: REUTERS)

Die Investitionen bei ThyssenKrupp laufen aus dem Ruder. Der Bau von zwei neuen Stahlwerken wird deutlich teurer als geplant. Mehr als zehn Milliarden werden in Brasilien und den USA investiert. Die Aktionäre zeigen sich erschrocken.

Der tief in die roten Zahlen gerutschte ThyssenKrupp-Konzern stellt sich bei seinen milliardenschweren Stahlwerkprojekten auf drastisch steigende Kosten ein. Kurz vor dem Aktionärstreffen am Donnerstag gab der Aufsichtsrat grünes Licht für eine Aufstockung des Investitionsbudgets für ein neues Stahlwerk in Brasilien um 500 Millionen Euro auf 5,2 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 will ThyssenKrupp schwarzen Zahlen schreiben.

Einschließlich der Projektkosten für das Stahlwerk in Brasilien bezifferte Vorstandschef Ekkehard Schulz das Gesamtbudget auf bislang rund 5,9 Milliarden Euro. Ein in Alabama geplantes Stahlwerk soll sich um zehn Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar (2,6 Mrd Euro) verteuern. Aktionäre beklagten eine "erschreckende Kostenexplosion".

Rückkehr in die Gewinnzone

Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Schulz ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern in "niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Größe". Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2008/2009 (30. September) verbuchte ThyssenKrupp einen Vorsteuerverlust von mehr als 2,3 Milliarden Euro.

Mit der Entwicklung in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres zeigte sich der Vorstandschef zufrieden. Die Mehrzahl der Geschäftssegmente habe positive Ergebnisse erwirtschaftet, sagte er. Konkrete Zahlen will das Unternehmen erst am 12. Februar vorlegen.

Sumpf verschlingt Geld

Den Kostenanstieg beim Stahlwerksprojekt in Brasilien begründete Schulz unter anderem mit technischen Problemen. Zusätzliche Kosten seien bei der Vorbereitung des sumpfigen Baugrunds entstanden. Daneben seien aber auch Mehrausgaben für Hochöfen, den Feuer- und Umweltschutz sowie zusätzliche Anlagen entstanden. Ursprünglich waren die Kosten im Jahr 2004 auf 1,3 Milliarden Euro beziffert worden. Das Budget hatte sich im Laufe der Zeit immer weiter erhöht. Mit ersten Gewinnen in Brasilien rechnet der Konzern erst in etwa fünf Jahren.

Der brasilianische Fischer Luis Carlos Oliveira beklagte auf der Hauptversammlung Umweltzerstörungen vor der brasilianischen Küste durch den Bau des Stahlwerks. Die Fischbestände seien so weit zurückgegangen, dass rund 8000 Fischer von ihrer Arbeit nicht mehr leben könnten. Vor Beginn der Versammlung hatte Oliveira gegen das Projekt demonstriert. Vertreter des Unternehmens wiesen darauf hin, dass die Umweltauflagen erfüllt worden seien.

Quelle: ntv.de, dpa

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