Wirtschaft

"Das ist eine Frage des Stils" Obermann verteidigt die Kosten

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"Auf den ersten Blick gibt es in dem Bericht keine positiven Überraschungen."

(Foto: dapd)

Hohe Extrabelastungen schmälern den Gewinn der Deutschen Telekom. Vor allem die Aufwendungen für Vorruhestandszahlungen in Deutschland drücken auf die Bilanz. Im Gespräch mit n-tv-Moderatorin Annette Eimermacher erklärt Telekom-Chef Rener Obermann, wie Früh-Pensionäre dem Konzern helfen können und wohin der "ehemalige Staatsmonopolist" steuert.

Der teure Personalabbau und eine Talfahrt der Auslandstöchter haben bei der Deutschen Telekom für einen Gewinneinbruch gesorgt. Dank eines robusten Deutschland-Geschäfts konnte der Bonner Konzern einen stärkeren Umsatzschwund verhindern. "Ich glaube, dass wir im ersten Halbjahr 2011 uns insgesamt ordentlich geschlagen haben", sagte Telekom-Chef Rene Obermann bei n-tv. "Wir haben im deutschen Geschäft, im Inlandsgeschäft unsere Ergebnisse stabil gehalten, was angesichts der Rahmenbedingungen, unter denen wir hier arbeiten, nicht selbstverständlich ist. Und wir haben uns in einigen europäischen Märkten auch ganz gut geschlagen."

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Im Gespräch mit Annette Eimermacher: Obermann bei n-tv.

Der Überschuss sank im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 348 Mio. Euro. Vor allem Zahlungen an Vorruheständler in Deutschland lasteten auf der Bilanz - sie schlugen mit einer halben Milliarde Euro zu Buche. "Wir wenden viel Geld auf für den Personalumbau und das ist auch nötig, denn dass der Personalumbau erforderlich ist, steht außer Frage", erklärte Obermann im Interview bei n-tv. Die Details des Personalabbaus seien jedoch "eine Frage des Stils und des Umgangs miteinander". Die Verringerung der Mitarbeiterzahl geschehe sozialverträglich, so Obermann weiter, "weil wir entsprechend natürlich für die Beschäftigten, die in den Vorruhestand gehen oder freiwillig ausscheiden, gute Lösungen anbieten wollen und das ist eben auch eine für uns auch für die Zukunft wichtige Verpflichtung."

Doch auch abgesehen von solchen Sonderbelastungen liefen die Geschäfte des Bonner Telekommunikationsriesen nicht rund: Der Konzernumsatz schrumpfte im abgelaufenen Vierteljahr um 7 Prozent auf 14,48 Mrd. Euro. Im Vorfeld befragte Analysten hatten mit 14,7 Mrd. Umsatz und 635 Mio. Euro Überschuss gerechnet.

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Viele Baustellen: Telekom-Chef Rene Obermann (Archivbild).

(Foto: dapd)

Zu den Zukunftsplänen des Konzerns befragt, warb Obermann um Geduld. "Es geht darum, dass wir unser Geschäft langfristig richtig aufstellen", sagte der Telekom-Chef bei n-tv. "Das tun wir, indem wir die Effizienz steigern, indem wir neue Geschäftsfelder besetzen, indem wir auf das mobile Internet und Mehrwert-Dienstleistungen setzen und in all diesen Feldern sehr aktiv sind und auch erfolgreich sind." Dass die Telekom als "ehemaliger Staatsmonopolist" beim Umbau "insgesamt zu kämpfen" haben, stehe für ihn außer Frage. "Aber wir tun das Richtige und dieser Konzern wird transformiert und zwar erfolgreich", bekräftigte Obermann.

Wenig erfreulich läuft es für die Telekom unterdessen im Ausland. Im Europageschäft außerhalb Deutschlands, das 13 vor allem osteuropäische Länder umfasst, rutschte der Gewinn (bereinigtes Ebitda) im abgelaufenen Quartal um 8 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro ab. Insbesondere in den einst in der Hoffnung auf starkes Wachstum gekauften Töchtern in Griechenland, Rumänien und Ungarn ging es abwärts.

Bei der Mobilfunktochter T-Mobile USA brach der Gewinn sogar um ein Fünftel ein - neben Kundenverlusten machte der Telekom dort die Dollarschwäche zu schaffen. Die Deutsche Telekom weist die zum Verkauf stehende T-Mobile USA zum ersten Mal von der Konzernbilanz getrennt aus, da sie nicht mehr zum fortzuführenden Geschäft zählt. Alle Vergleichswerte aus dem Vorjahr wurden an die neue Konzernstruktur angepasst.

Milliardendeal in der Schwebe

Im März hatte die Telekom angekündigt, dass sie ihr US-Geschäft an den US-Branchenriesen AT&T für 39 Mrd. Dollar verkaufen will. Die Transaktion muss jedoch noch von den US-Wettbewerbsbehörden genehmigt werden - grünes Licht wird erst für nächstes Jahr erwartet. Bis dahin muss die Telekom die Zahlen von T-Mobile USA - wenn auch separat - trotzdem noch voll ausweisen.

In diesem Jahr erwartet der Vorstand des gut 240.000 Mitarbeiter starken Konzerns unverändert ein bereinigtes Betriebsergebnis (Ebitda) von 19,1 Milliarden. Im zweiten Quartal kamen davon 3,79 Mrd. Euro zusammen.

Am Aktienmarkt konnte die Telekom die Anleger mit ihren Zahlen offenbar nicht überzeugen. Die T-Aktien gaben im frühen Handel sowohl beim Brokerhaus Lang & Schwarz als auch an der Frankfurter Präsenzbörse trotz des freundlichen Marktumfelds leicht nach. Die Umsätze seien allerdings noch gering, schränkten Beobachter ein. Bei Lang & Schwarz waren die T-Aktien die einzigen Verlierer im Dax.

"Auf den ersten Blick gibt es in dem Bericht keine positiven Überraschungen", erklärte ein Börsianer. Die Analysten der DZ Bank bestätigten in einer ersten Reaktion ihre Kaufempfehlung.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts