Wirtschaft

Mitglied der Waffen-SS Oetker-Sohn: Mein Vater war Nazi

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Rudolf-August Oetker im Jahr 2004.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Hin und wieder lassen deutsche Unternehmen hinsichtlich des Wirkens während des Nationalsozialismus ihre Vergangenheit aufarbeiten. Auch die Oetkers gaben eine solche Studie in Auftrag. Wohl mit klarem Ergebnis.

Erstmals hat ein Mitglied der Familie Oetker über die NS-Vergangenheit des Bielefelder Nahrungsmittelherstellers Dr. Oetker gesprochen. "Mein Vater war Nationalsozialist", sagte August Oetker der "Zeit". August Oetkers Vater Rudolf-August Oetker war seit 1941 in dem Unternehmen tätig und übernahm 1944 dessen Führung. Der 2007 gestorbene Unternehmer war Mitglied der Waffen-SS.

Die Oetker-Gruppe

Die Oetker Gruppe ist ein Familienunternehmen und erzielt mit rund 26.000 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 11 Mrd. Euro. Das bekannteste Geschäftsfeld sind die Nahrungsmittel, doch Oetker ist in vier weiteren Bereichen aktiv: In der Radeberger-Gruppe ist das Biergeschäft gebündelt. Das Unternehmen ist hiermit Marktführer in Deutschland. Im Bereich Sekt, Wein und Spirituosen finden sich Marken wie Henkell & Co und Gorbatschow Wodka. Mit der Hamburg Süd gehört Oetker die zweitgrößte Reederei Deutschlands. Auch das Bankhaus Lampe befindet sich im Besitz der Familie.

Der heute 69-jährige August Oetker stand von 1981 bis 2009 an der Spitze des Konzerns, er ist mittlerweile Beiratsvorsitzender der Unternehmensgruppe. Die Vergangenheit des Unternehmens während der NS-Zeit ließ er zuletzt wissenschaftlich untersuchen. "Ich hatte das Gefühl: Jetzt geht es an die Fakten, jetzt wird der Nebel gelichtet", sagte Oetker.

In der Familie habe es über die Aufarbeitung zunächst Differenzen gegeben. "Die jüngeren Geschwister sind meinem Vater noch nicht so entwachsen", erklärte Oetker die Meinungsverschiedenheiten. "Die haben sich gefragt: Tun wir unserem Vater da etwas Böses an? Sorgen wir dafür, dass sein sonst so guter Ruf befleckt wird?" Sechs Jahre nach dem Tod von Rudolf-August Oetker erscheint kommende Woche ein Buch über die NS-Geschichte des Unternehmens. Bezahlt wurde die Studie von der Bielefelder Firma.

Quelle: ntv.de, AFP

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