Wirtschaft

Anleger rechnen mit Lockdown Omikron schockt die Börse

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Omikron ist längst in Europa und auch am Aktienmarkt angekommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anleger bereiten sich auf die Omikron-Welle vor. In Erwartung neuer Corona-Beschränkungen werfen sie Reise- und andere konjunkturabhängige Werte aus ihren Depots. Schlechte Nachrichten aus den USA und China verstärken die Sorgen.

Die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus löst einen erneuten Ausverkauf an den europäischen Aktienmärkten aus. "Es fühlt sich an wie eine Wiederholung der Ereignisse vor zwölf Monaten", sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Drohende neue Lockdowns zur Weihnachtszeit seien so willkommen wie Zahnschmerzen. Wegen Omikron ist von vorweihnachtlicher Ruhe auch in diesem Jahr am Aktienmarkt nichts zu spüren, die Jahresendrally ist wohl abgeblasen.

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Zu den neu entfachten Corona-Sorgen kommen weitere schlechte Nachrichten zur Konjunkturlage: US-Präsident Joe Biden wird das von ihm geplante Konjunkturpaket im Volumen von 3,5 Billionen Dollar für Investitionen in den Klimaschutz und das Sozialwesen wohl nicht wie geplant umsetzen können. Gleichzeitig erweist sich die Inflation als hartnäckiger, als von den Zentralen zunächst angenommen worden war, weswegen die zum Teil schon angekündigt haben, die Konjunktur und die Finanzmärkte nicht mehr in dem zuletzt gewohnten Maße mit Liquidität zu fluten.

Der Dax fiel in den ersten beiden Stunden des Handelstages um etwa drei Prozent auf 15.060 Punkte. Anschließend konnte der Leitindex sich teilweise erholen. Auch der europäische Leitindex Eurostoxx50 rutschte zeitweise rund drei Prozent ab. "Es ist jetzt schon klar, dass sich Omikron beim Wirtschaftswachstum und den Unternehmensgewinnen bemerkbar machen wird", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Offen ist aber noch, wie groß der Schaden ausfallen wird."

Ölpreis rutscht ab

Die Niederlande sind schon im Lockdown und auch Deutschland steht wohl vor schärferen Beschränkungen. Am Dienstag wollen Bund und Länder darüber beraten. Besorgniserregend seien Hinweise, nach denen die ansteckendere Omikron-Variante nicht weniger gefährlich sei als die bislang vorherrschende Delta-Variante, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda.

Vor allem Reise- und Touristikwerte kamen unter die Räder. Der europäische Branchenindex fiel um 3,6 Prozent. Auch Papiere konjunkturabhängiger Unternehmen wie Autobauer flogen aus den Depots. Sie büßten im Schnitt 3,5 Prozent ein. Gefragt waren dagegen die Pandemie-Profiteure der vergangenen Monate. So legte der Kochbox-Lieferant Hellofresh und der Fernwartungssoftware-Spezialist Teamviewer bis zu 2,4 Prozent zu.

Auch der Ölpreis gab weiter nach, da Anleger einen Nachfrage-Rückgang vor allem beim weltweit größten Abnehmer China befürchten. "Die Nachricht, dass Chinas Sinovac-Impfstoff gegen die Omikron-Variante unwirksam zu sein scheint, bedeutet, dass Chinas Covid-Null-Politik die Tore zur Außenwelt für das gesamte Jahr 2022 geschlossen halten wird", warnte Oanda-Experte Halley. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um fünf Prozent auf 69,84 Dollar je Barrel (159 Liter).

Dies brockte dem Index für die europäische Öl- und Gasbranche ein Kursminus von 3,6 Prozent ein. Einige Anleger nahmen daher Kurs auf den "sicheren Hafen" Staatsanleihen. Dies drückte die Renditen der zehnjährigen Bonds aus den USA und Deutschland auf plus 1,368 beziehungsweise minus 0,399 Prozent. Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich auf 1800 Dollar je Feinunze.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/rts

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