Wirtschaft
Die Allianz zwischen Opel und Peugeot war mit großen Hoffnungen gestartet. Nun sucht der französische Autobauer lieber in China nach einem Partner.
Die Allianz zwischen Opel und Peugeot war mit großen Hoffnungen gestartet. Nun sucht der französische Autobauer lieber in China nach einem Partner.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 12. Dezember 2013

Peugeot flüchtet sich nach China: Opel begräbt Kleinwagen-Allianz

Eigentlich sollte es der große Befreiungsschlag werden, doch nun schraubt Opel seine Kooperationspläne mit Peugeot zurück. Der kriselnde französische Autobauer sucht sein Heil stattdessen lieber in den Armen der chinesischen Konkurrenz.

Der kriselnde französische Autobauer Peugeot sucht in seiner Not Hilfe in China. Erstmals bestätigte das 1810 gegründete Unternehmen öffentlich, mit dem Staatskonzern Dongfeng über eine mögliche Zusammenarbeit und Beteiligung zu sprechen. Die vor zwei Jahren mit großen Hoffnungen gestartete Allianz mit dem Opel-Mutterkonzern GM verliert dagegen an Bedeutung. Peugeot und Opel legten die gemeinsame Entwicklung von Kleinwagen - dem Hauptgeschäft - auf Eis. Dafür wollen sie nun bei Kleintransportern und Lieferwagen zusammenarbeiten.

Der Schwenk blieb nicht ohne finanzielle Konsequenzen: Die zu erwartenden Milliarden-Einsparungen wurden um 40 Prozent nach unten geschraubt. Wegen der Dauerkrise auf dem europäischen Automarkt, unter der Peugeot und auch Opel besonders leiden, schrieben die Franzosen überraschend nochmals 1,1 Milliarden Euro ab. Dies und die mögliche Kapitalerhöhung, über die auch der französische Staat bei dem Autobauer einsteigen könnte, schreckte die Investoren an der Börse ab. Peugeot-Aktien brachen zeitweise über elf Prozent ein. 430 Millionen Euro an Börsenwert wurden vernichtet.

Flucht ins Reich der Mitte

Neben Dongfeng sei man auch mit anderen Konzernen in Kontakt, teilte Peugeot weiter mit. Die Verhandlungen befänden sich aber in einem frühen Stadium, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Ein Einstieg von Dongfeng wird jedoch immer wahrscheinlicher. Der Verwaltungsrat habe dem Vorhaben bereits am Dienstag zugestimmt. Dongfeng und Frankreich würden je rund ein Fünftel der Peugeot-Anteile erwerben. Die französische Regierung sei in die weitere Entwicklung des Autobauers involviert, sagte Finanzminister Pierre Moscovici. Der Konzern brauche strategische Partner, die ihn wieder auf die Beine brächten und Finanzpartner, die dies unterstützten.

Mit den Bemühungen um eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit GM war Peugeot in Detroit abgeblitzt. Der US-Konzern sagte zu, eine mögliche Beteiligung Dritter nicht zu blockieren und sie zu unterstützen. GM selbst war im vergangenen Jahr mit sieben Prozent bei Peugeot eingestiegen. Bei einem Engagement von Dongfeng muss GM aber befürchten, dass die Chinesen Einblick in Technikprojekte mit Peugeot erhalten.

Allianz bei Kleintransportern

"Die Partner konzentrieren sich nun auf die Umsetzung der Allianz und bleiben dabei offen für neue Möglichkeiten", erklärten Opel und Peugeot. Sie geben zwar die Zusammenarbeit bei Kleinwagen und die Kooperation bei kleinen Benzinmotoren auf. Sie halten aber an ihren Plänen fest, im Opel-Werk im spanischen Saragossa den Minivan Meriva und die entsprechende Variante des Citroen C3 zu bauen. In der Peugeot-Fabrik im französischen Sochaux sollen Fahrzeuge wie der Opel Zafira und das entsprechende Peugeot-Modell gemeinsam vom Band rollen.

Durch die Kooperation - auch bei Kleintransportern und Lieferwagen - versprechen sich die beiden Firmen Synergien von etwa 1,2 Milliarden Dollar (870 Millionen Euro) bis 2018, die gleichmäßig aufgeteilt werden sollen. Geplant waren eigentlich zwei Milliarden Dollar. "Joint Venture starten immer mit sehr ehrgeizigen Zielen", sagte Branchenexperte Arndt Ellinghorst. Er geht davon aus, dass es am Ende auf null herausläuft. "Partnerschaften können funktionieren, aber es dauert immer sehr lange, bis sie sich auszahlen."

Peugeot ist derzeit kaum in der Lage, im weltweiten Wettbewerb mitzuhalten. Während Europas Automarkt langsam aus der größten Krise seit Jahrzehnten kommt, hinkt Peugeot dem Trend hinterher und verzeichnet weiter Einbußen. Das erhöht den Druck bei der Suche nach Partnern und hinterlässt Spuren in der Bilanz. Bereits vor einem Jahr hatte Peugeot Wertberichtigungen von 4,7 Milliarden Euro vorgenommen. Mit einem harten Sparkurs will Peugeot in den nächsten zwei Jahren aus den roten Zahlen kommen.

Quelle: n-tv.de