Wirtschaft
Dienstag, 23. März 2010

Milliardenschwere Patente laufen aus: Pharmabranche vor schweren Jahren

Für die großen Arzneimittelhersteller brechen härtere Zeiten an. Da die Patente vieler Milliardenmedikamente ablaufen, müssen sich die Konzerne auf verstärkte Konkurrenz durch billigere Nachahmer-Produkte einstellen.

(Foto: dpa)

Deshalb drohen der Pharmabranche, die bislang von Belastungen durch die Wirtschaftskrise weitgehend verschont blieb, massive Umsatzausfälle. Experten von IMS Health erwarten, dass bis 2015 Medikamente mit einem Umsatzvolumen von fast 140 Mrd. US-Dollar ihren Patentschutz verlieren.

Nicht allen Firmen wird es gelingen, diese Einbrüche durch Arznei-Neuheiten aus den eigenen Labors auszugleichen. Deshalb rechnen Experten damit, dass der weltweite Pharmamarkt in den nächsten Jahren nur noch vier bis sieben Prozent pro Jahr zulegen wird. Boom-Jahre mit prozentual zweistelligen Marktzuwächsen wie noch 1999 bis 2001 wird es damit vorerst nicht mehr geben.

US-Konzerne unter Druck

Zu den vom Patentausfall betroffenen Präparaten gehört das weltweit umsatzstärkste Medikament Lipitor von Pfizer, das es 2008 auf mehr als zwölf Mrd. US-Dollar Umsatz brachte. Der US-Patentschutz für den Cholesterinsenker endet 2011. Den Blutverdünner Plavix von Sanofi-Aventis und Bristol-Myers Squibb erwischt es ebenfalls 2011. Schon im kommenden Jahr sind voraussichtlich das Krebsmittel Taxotere von Sanofi-Aventis und das Asthma-Mittel Advair von GlaxoSmithKline an der Reihe. Alle diese Präparate sind Medikamente mit mehreren Milliarden an Umsatz pro Jahr. In Märkten wie den USA büßen Arzneimittel nach Patentablauf binnen weniger Monate bis zu 80 Prozent ihres Umsatzes ein.

Bei Deutschlands Branchenprimus Bayer laufen bis 2012 keine großen Patente aus.
Bei Deutschlands Branchenprimus Bayer laufen bis 2012 keine großen Patente aus.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch sind die drei US-Konzerne Pfizer, Eli Lilly und Bristol-Myers Squibb in den nächsten Jahren am stärksten von Patentausfällen betroffen. Zum Teil sind bis zu einem Drittel der Jahresumsätze durch Konkurrenz billigerer Nachahmer bedroht. Deutsche Firmen kommen dagegen vergleichsweise gut weg. Boehringer Ingelheim rechnet 2010 zwar mit Generika-Konkurrenz beim Prostata-Präparat Flomax und dem Parkinson-Mittel Sifrol, hat jedoch neue Medikamente mit hohem Umsatzpotential in der Hinterhand. Bei Deutschlands größtem Arzneimittelhersteller Bayer stehen laut Konzernchef Werner Wenning bis 2012 keine großen Patentausfälle an.

Trend bei neuen Medikamenten zeigt nach oben

Beim Nachschub an neuen Medikamenten steht es um die Branche allerdings nicht mehr ganz so schlecht wie noch vor zwei Jahren, wie Zulassungstrends in den USA zeigen. 2009 wurden 26 neue Wirkstoffe von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen, immerhin eine Substanz mehr als im Gesamtjahr 2008. Damit zeigt der Trend wieder nach oben, nachdem 2007 mit nur 18 US-Zulassungen ein 25-Jahres-Tief markiert wurde.

Nach Einschätzung von Experten der Ratingagentur Fitch hat Europas größter Pharmakonzern GlaxoSmithKline mit seinem Bestand an Wirkstoffen in der späten Entwicklungsphase die besten Chancen auf Zulassungen in den USA und in Europa in diesem Jahr. Demnach befinden sich derzeit sieben Substanzen und Impfstoffe der Briten in Europa oder in den USA bei den Zulassungsbehörden im Prüfverfahren. Bei der britisch-schwedischen AstraZeneca seien es fünf, beim Schweizer Novartis-Konzern vier Substanzen. Bayer schneidet in der Fitch-Statistik mit drei Präparaten gut ab und liegt damit vor US-Konzernen wie Bristol-Myers, Abbott Laboratories oder Amgen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de