Wirtschaft

"Weicher Euro droht" Plädoyer für Griechen-Hilfe

Finanzhilfen der Europäischen Union für Griechenland ist nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer notwendig. Ziel müsse es sein, den Euro zu stabilisieren. Der Ökonom fordert aber strenge Vorgaben für die Regierung in Athen.

2p2c0403.jpg7060824071104180849.jpg

Maßnahmen im Interesse eines stabilen Euro nötig.

(Foto: dpa)

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hat sich wegen der Euro-Schwäche für EU-Finanzhilfen für Griechenland ausgesprochen. Die EU müsse jetzt alles unternehmen, um Griechenland und den Euro zu stabilisieren, sagte er der "Bild"-Zeitung. Zu einer Gefahr werde das griechische Problem erst, wenn die möglichen EU-Hilfen auch für andere Länder Schule machten. "Dann droht der Euro zu einer Weichwährung zu werden", warnte Mayer.

Der Ökonom fordert aber strenge Vorgaben. "Einen zeitlich begrenzten Überbrückungskredit der EU darf es nur geben, wenn dieser an klare Regeln gekoppelt ist. Die Griechen müssen eisenhart sparen und zwar für alle überprüfbar."

Hilfen für Griechenland müssten der Einzelfall bleiben, sonst drohe der Währungsunion eine ernste Krise, warnte Mayer. "Es wäre ein fatales Signal, wenn am Ende immer der Steuerzahler aushilft. Dann müsste sich kein Land mehr beim Sparen anstrengen. Und dass brutales Sparen hilft, beweist derzeit Irland." Wenn die Griechen mit Hilfe der EU dem irischen Modell folgten, sei er zuversichtlich für den Euro.

Trichet vorzeitig zurück

Unterdessen reist der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, nach Angaben der australischen Zentralbank vorzeitig von einem Treffen internationaler Notenbanker in Sydney ab. Grund sei die Teilnahme am informellen EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel, auf dem unter anderem über die Konsequenzen aus der Finanzkrise beraten werden soll, hieß es.

Zunächst hatte er von einer Sitzung des EZB-Rates gesprochen. Der kommt jedoch turnusgemäß erst eine Woche später am 18. Februar wieder zusammen. Ein zentrales Thema des EU-Gipfels ist der Umgang mit der Verschuldung Griechenlands und anderer südeuropäischer Euro-Staaten, die seit Wochen auf der Gemeinschaftswährung lastet und auch an den Finanzmärkten für steigende Nervosität sorgt.

Höheres Renteneintrittsalter

Die griechische Regierung will wegen der Finanzmisere das Rentenalter anheben. "Wir haben uns das Ziel gesetzt, bis 2015 das durchschnittliche Alter beim Renteneintritt um zwei Jahre anzuheben", erklärte Arbeitsminister Andreas Loverdos. Sollte das System nicht geändert werden, drohte in fünf Jahre eine Unterfinanzierung. Derzeit gehen Griechen im Schnitt mit 61 Jahren in den Ruhestand.

Griechenland steht unter massivem Druck, sein ausuferndes Staatsdefizit in den Griff zu bekommen. Die Regierung in Athen will dazu unter anderem Steuerschlupflöcher stopfen und die Gehälter im öffentlichen Dienst einfrieren. Damit trifft sie auf erbitterte Gegenwehr bei den Gewerkschaften: Im öffentlichen Dienst sind für Mittwoch Streiks angekündigt.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP/rts

Mehr zum Thema
23.05.09