Wirtschaft

Eingenähte Hilferufe Primark vermutet Schwindel

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Wer hat die Botschaft in die Kleider genäht?

"Zur Arbeit bis zur Erschöpfung gezwungen." Diese und andere Botschaften finden Primark-Kunden in ihren gerade erworbenen Kleidungsstücken. Hilferufe einer verzweifelten Näherin? Unsinn, meint Primark nun. Das sei gar nicht möglich.

Die Billig-Modekette Primark hält die kürzlich aufgetauchten Hilferufe von Textilarbeitern aller Wahrscheinlichkeit nach für gefälscht. Zwei der eingenähten Zettel seien eindeutig gleicher Herkunft, obwohl das eine Kleidungsstück in Rumänien, das andere in Indien hergestellt worden sei. Beide seien aber 2013 in derselben Filiale im walisischen Swansea verkauft worden, teilte Primark in Dublin mit. Im selben Jahr habe es in Swansea eine Ausstellung solcher Etiketten gegeben, bei der Besucher ermutigt worden seien, sie in Kleidung einzunähen.

Die Untersuchung des Vorfalls habe Primark zu der Schlussfolgerung geführt, dass es sich wahrscheinlich um einen Streich handele. Eine weitere Mitteilung, die in Nordirland aufgetaucht war, werde noch untersucht, hieß es weiter. Ermittelt werde dazu in Großbritannien und in China.

Auf die unterschiedlichen Herkunftsländer der beiden Kleidungsstücke in Swansea hatte das Unternehmen bereits am Mittwoch hingewiesen. Kunden hatten von Hilferufen, die in Kleider und Hosen eingenäht waren, berichtet. "Forced to work exhausting hours" (zur Arbeit bis zur Erschöpfung gezwungen) stand auf einem Zettel, "Degrading working conditions" (erniedrigende Arbeitsbedingungen) auf einem anderen. In Nordirland soll eine Botschaft zusammen mit einem Gefangenenausweis aus einem chinesischen Arbeitslager vernäht worden sein.

PR-Coup von Aktivisten?

Die Meldungen über Hilferufe in Primark-Kleider hatten rasend schnell die Runde gemacht. Schnell wurde jedoch auch vermutet, dass Aktivisten die Hilferufe in Umlauf gebracht hatten. Dass eine Näherin, beispielsweise aus Bangladesch, eine Botschaft, noch dazu auf Englisch eingeschmuggelt hat, gilt als relativ unwahrscheinlich. In Bangladesch liegt die Analphabetenquote in der Bevölkerung bei über 50 Prozent, bei Frauen sind es sogar rund 70 Prozent.

Nichtsdestotrotz steht die Billigmarke Primark schon lange in der Kritik. Die extrem günstigen Preise lassen vermuten, dass die Bedingungen der Arbeiter der Zulieferfirmen nicht die besten sind. In den Textilfabriken in Bangladesch oder Myanmar, von denen Kleidungsdiscounter ihre Ware oft beziehen, sind Überstunden und schlechte Bezahlung an der Tagesordnung. Oft kommt es in den Fabriken zu Bränden oder anderen Katastrophen, mit vielen Toten. Primark betonte jedoch erneut, dass sich das Unternehmen für gute Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern einsetzt.

Quelle: n-tv.de, sla/dpa

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